Tierärztin Dr. Barbara Seibert: Mehr Verständnis für Menschen am Rande der Gesellschaft

hzHeinrich-Bußmann-Preis

Menschen, die am Rande der Gesellschaft leben, und ihre Tiere standen im Mittelpunkt einer emotionalen Preisverleihung. Am Montag (27.1.) bekam der Verein DoDog den Heinrich-Bußmann-Preis.

Lünen

, 28.01.2020, 15:00 Uhr / Lesedauer: 2 min

Mit Ausschnitten aus einer Rede von Bundespräsident Frank Walter Steinmeier in der Holocaust-Gedenkstätte Yad Vashem begann der Abend im St. Georg-Gemeindezentrum. Mit einem Appell endete die Verleihung des Heinrich-Bußmann-Preises 2020. SPD-Stadtverbandsvorsitzender Norbert Janßen sagte: „Es gibt soviel was wir für andere tun können. Bleiben wir Menschen, lassen wir unser Land nicht durch Hass und Hetze spalten.“

Nicht von rechten Hassparolen beirren lassen

Zuvor gab es bereits ähnliche Äußerungen von anderen Rednern an diesem 27. Januar, an dem sich zum 75. Mal die Befreiung des KZ Auschwitz-Birkenau durch die Rote Armee jährte. Appelle, sich nicht von rechten Hassparolen beirren zu lassen.

Die Jury des von der Lüner SPD gestifteten Heinrich-Bußmann-Preises hatte sich für den Verein „DoDog e.V.“ und dessen Initiatorin und 1. Vorsitzende Dr. Barbara Seibert als Preisträger 2020 entschieden.

Tierärztin Dr. Barbara Seibert: Mehr Verständnis für Menschen am Rande der Gesellschaft

Norbert Janßen (v.l.) überreichte die Urkunde an Dr. Barbara Seibert. Dr. Dieter Wiefelspütz hatte die Blumen für die Preisträgerin dabei. © Beate Rottgardt


Die Lüner Tierärztin freute sich sichtlich über die Auszeichnung für das ganze Team, das sich um Tiere von wohnungslosen Menschen kümmert. „Für die Zukunft wünsche ich mir, dass die Bevölkerung mehr Verständnis und Toleranz für Menschen am Rande der Gesellschaft aufbringt“, sagte sie.

In ihrer emotionalen Dankesrede erinnerte sie beispielhaft an eine Mitstreiterin, die leider die Verleihung nicht mehr miterleben konnte, weil sie im Dezember gestorben ist. „Rosi hat viele tiefe Täler in ihrem Leben erlebt, die kam regelmäßig mit ihrem Hund zu uns und blieb auch, als er gestorben war. Sie hat die Brücke zwischen uns und den Wohnungslosen geschlagen.“

Tierärztin Dr. Barbara Seibert: Mehr Verständnis für Menschen am Rande der Gesellschaft

Beim Überreichen der Blumen verneigte sich Dr. Dieter Wiefelspütz vor dem Engagement von Dr. Barbara Seibert und ihren Mitstreitern bei DoDog e.V.. © Beate Rottgardt

Die engagierte Tierärztin dankte den ehrenamtlichen Mitgliedern, die mit ihr zusammen regelmäßig Sprechstunden für Tiere von Wohnungslosen in Dortmund anbieten.

Sie dankte aber auch den Hunden, Katzen, Kaninchen und Ratten, die für die Menschen ohne festen Wohnsitz Halt bedeuten und ihnen manchmal auch auf dem Weg zurück in ein bürgerliches Leben helfen.

„Auch wenn die Arbeit anstrengend ist, man bekommt so viel zurück“, so die Preisträgerin. Eigentlich wollte sie „als fitte Rentnerin“ den Indianern in den USA oder Kanada helfen. Doch dann las sie eine Reportage über einen Fotografen, der sich als Obdachloser verkleidet in die Lüner Fußgängerzone setzte und dort „wie der letzte Dreck“ behandelt oder ignoriert wurde.

Als sie dann noch erfuhr, dass jedes vierte Kind in NRW von Armut bedroht ist, rief sie ihre langjährige Freundin und Kollegin Friederike Weichenhan an und sagte: „Wir müssen etwas tun“.

Tierärztin Dr. Barbara Seibert: Mehr Verständnis für Menschen am Rande der Gesellschaft

Tierärztin Friederike Weichenhan, eine langjährige Freundin der Preisträgerin, hielt die Laudatio auf Dr. Barbara Seibert. © Beate Rottgardt

Die beiden Frauen gründeten DoDog e.V. und freuen sich mittlerweile über viele Helfer, die sie bei der Sprechstunde unterstützen. „Wir haben überlegt, wenn es dem Tier gut geht, dann verbessert sich auch die Situation der Menschen“, so Friederike Weichenhan in ihrer Laudatio.

Zahl der Wohnungslosen steigt dramatisch an

Wohnnungslosigkeit bedeute gesellschaftliche Ausgrenzung. Die Zahl steigt dramatisch an. Auch in Lünen. Knapp ein Fünftel aller wohnungslosen Menschen sind unter 18 Jahren alt. „Die Unterstützung durch die Streetworker in Dortmund ist eine wichtige Grundlage unserer Arbeit“, so Friederike Weichenhan.

Angestellte aus den Tierarzt-Praxen, Praktikanten und Vorstandsmitglieder helfen bei den Sprechstunden alle zwei Wochen mittwochs mit. Pro Termin kommen die Menschen mit insgesamt zwischen 20 und 40 Tieren.

Dass die im Verein engagierten Tierärzte nicht nur den Tieren, sondern auch den Menschen helfen, unterstrich Dr. Dieter Wiefelspütz, Vorsitzender der Jury, in der Begründung der Juroren. „Das ist angewandte und gelebte Humanität.“

Tierärztin Dr. Barbara Seibert: Mehr Verständnis für Menschen am Rande der Gesellschaft

Die Straßenmusiker Martin Haupmeier und Till Putzer unterhielten mit irischen Klängen und einem Lied voller Lebenslust. © Beate Rottgardt

Für die musikalischen Akzente der Preisverleihung sorgten Manfred Preuß am Flügel und die beiden Straßenmusiker Martin Haupmeier und Till Putzer. Sie präsentierten das wohl bekannteste Lied der „Dubliners“ und eine musikalische Reise um die Welt.

  • Die SPD Lünen hat den Heinrich-Bußmann-Preis 1992 gestiftet. Namensgeber ist der frühere SPD-Ratsherr Heinrich Bußmann, der von den Nazis verfolgt wurde. Bußmann starb 1942 im KZ Dachau.
  • Der Preis wird alle zwei Jahre verliehen, seit 1994. DoDogs und Dr. Barbara Seibert sind die 14. Preisträger. Über die Preisträger entscheidet eine Jury.
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