Tierschützer: Lünens Tauben droht Hungertod in der leeren Innenstadt

hzTier in Corona-Krise

Die Corona-Krise bedroht die Tauben in der Fußgängerzone, warnen Tierschützer. Damit die Vögel nicht verhungern, wollte sie eine Erlaubnis zu Füttern. Doch die Stadt sieht gar kein Problem.

Lünen

, 17.04.2020, 15:00 Uhr / Lesedauer: 2 min

Die Corona-Krise mit geschlossenen Läden und Kontaktverbot hat auch die Fußgängerzone an der Münsterstraße in der Innenstadt von Menschen leergefegt. Weniger Passanten: Da fallen auch weniger Pommes, Brötchen und andere Nahrung für die vielen Stadttauben ab, warnen Tierschützer. Die Vögel drohten zu verhungern. Deshalb wollte die Geflügelhilfe Lünen per Eilantrag die Erlaubnis der Stadt Lünen bekommen, die Tauben in der Innenstadt mit Vogelfutter vor dem Verhungern zu retten.

Geflügelhilfe will Tauben aus der Fußgängerzone locken

Andreas Schmelter, Mitbegründer der Geflügelhilfe, deren ehrenamtliche Mitglieder sich für in Not geratenes Federvieh einsetzt, hatte den Antrag an die Stadtverwaltung gestellt. Der Plan war, erzählt Schmelter, an zwei Stellen außerhalb der Fußgängerzone zu füttern. So könnte man die Tauben an neue Futterstellen gewöhnen, aus der Innenstadt locken und später außerhalb einen Taubenschlag aufstellen. Mit dem könne man den Tieren helfen und gleichzeitig ihre Zahl begrenzen.

Auch der Deutsche Tierschutzbund hat Hilfe für die Tauben in den deutschen Innenstädten gefordert. Er fürchtet, dass viele Tiere sonst elendig verhungern könnten. Die Vorfahren dieser Tiere seien von Menschen gezüchtet worden, daher trügen die Menschen nun auch Verantwortung für die Stadttauben, schreibt der Tierschutzbund.

Stadt: Gibt keine dramatischen Zustände

Doch die Stadt Lünen hat den Eilantrag der Geflügelhilfe Lünen nun abgelehnt - das Fütterungsverbot für Stadttauben wird in der Corona-Krise nicht ausgesetzt. Die von der Geflügelhilfe geschilderten „dramatischen Zustände können die Mitarbeiter*innen der Stadtverwaltung aus eigener Anschauung nicht bestätigen“, teilt Benedikt Spangardt, Pressesprecher der Stadt, mit. „Sicherlich haben sich Nahrungsangebot und -quellen verändert. Eine Tierwohlgefährdung nach dem Tierschutzgesetz kann die Stadtverwaltung jedoch – zumindest nach dem jetzigen Sachstand – nicht erkennen.“

Weniger Menschen in der Fußgängerzone - weniger Futter: Das ist ein Problem für die unzähligen Tauben in Lünen, sagt die Geflügelhilfe Lünen.

Weniger Menschen in der Fußgängerzone - weniger Futter: Das ist ein Problem für die unzähligen Tauben in Lünen, sagt die Geflügelhilfe Lünen. © Goldstein

Diese Feststellung der Stadt Lünen habe auch das Veterinäramt des Kreises Unna als untere Tierschutzbehörde bestätigt, so der Stadtsprecher. Die Tauben würden auf andere natürliche Nahrungsquellen ausweichen. Deshalb gebe es keine Bedarf für eine Fütterung. Auch andere Städte seien zu dieser Einschätzung gekommen, heißt es von der Stadt Lünen.

Geflügelhilfe will noch nicht aufgeben

Die Geflügelhilfe Lünen ist enttäuscht und möchte sich mit dieser Antwort nicht zufrieden geben. Er habe der Stadt bereits zurück geschrieben, sagt Andreas Schmelter. Er kann verstehen, wenn sich Geschäftsbetreiber an der Münsterstraße über die vielen Tauben und ihren Dreck aufregen. Deshalb hoffe die Geflügelhilfe auch, dass ihr Vorschlag, nach der Corona-Krise einen Taubenschlag außerhalb aufzustellen, angenommen wird.

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In dem Schlag könnten die Tauben gefüttert werden. Die Geflügelhilfe, die derzeit aus acht Freiwilligen besteht, habe auch schon Helfer gefunden, die sich engagieren wollen, so Schmelter. Die Eier der Tauben könnten eingesammelt werden, damit sich die unzähligen Vögel nicht weiter vermehren. Die Tiere müssten auch entwurmt werden, damit sie über ihren Kot die Parasiten nicht verteilen.

„Es gibt positive Beispiele aus anderen Städten“, sagt Andreas Schmelter. Man bekomme die Tiere mit Futter aus den Fußgängerzonen gelockt an Stellen, wo sie nicht in Konflikt mit Anwohnern und Geschäftsbetreibern kommen. Der Bürgermeister betone oft, dass Lünen eine besondere Stadt sei, sagt Andreas Schmelter. Deshalb habe er ihn in seinem Brief gebeten: Vielleicht könne Lünen jetzt auch eine besonderen Weg zur Hilfe der Tauben einschlagen.

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