Tödlicher Unfall auf Moltkestraße in Lünen: Fahrer muss ins Gefängnis

hzAmtsgericht

Eine Mutter und ihr kleiner Sohn starben bei einem Unfall auf der Moltkestraße. Verantwortlich für ihren Tod ist der Fahrer, der Ehemann und Vater der Opfer. Er muss jetzt ins Gefängnis.

von Sylvia Mönnig

Lünen

, 19.11.2020, 16:05 Uhr / Lesedauer: 2 min

Bei einem schweren Verkehrsunfall vor einem Jahr auf der Moltkestraße haben eine junge Mutter und ihr kleiner Sohn ihr Leben verloren. Der Fahrer des Wagens, der Ehemann und Vater der Opfer, soll dafür ins Gefängnis gehen. Das entschied das Amtsgericht.

Regungslos, fast erstarrt saß der 21-Jährige auf der Anklagebank, als nach vier Verhandlungstagen mit etlichen Zeugen und zwei Gutachten das Urteil verkündet wurde: zwei Jahre und drei Monate Haft wegen fahrlässiger Tötung, vorsätzlicher Gefährdung des Straßenverkehrs in Folge Trunkenheit und vorsätzlicher Körperverletzung in Tateinheit mit Nötigung. Auch wurde eine dreijährige Sperrfrist zur Erteilung einer Fahrerlaubnis angeordnet. Und, das Gericht wandte Erwachsenen- und nicht Jugendstrafrecht an.

Bier, Jack Daniels und Wodka getrunken

Jugendschöffenrichter Jan Knappmann resümierte das Geschehen am 26. Oktober 2019 - und das fatale Ende. Der Angeklagte habe bei einem Verwandtenbesuch Bier, Jack Daniels und Wodka getrunken. Sein Gastgeber habe danach erfolglos versucht, ihm den Autoschlüssel abzunehmen. Vor der Fahrt sei es zum Streit zwischen dem 21-Jährigen und seiner Frau gekommen. Er habe ihr eine Ohrfeige gegeben und sie fest am Oberarm gepackt. „Ihre Frau hatte Angst und ist in das Auto gestiegen.“ Daraufhin sei er im Zustand absoluter Fahruntüchtigkeit losgefahren – ohne Licht und viel zu schnell. Auf der Moltkestraße sei er dann von der Fahrbahn abgekommen und mit einem Tempo von etwa 75 Stundenkilometern gegen den Baum gefahren. Er, der Angeklagte, sei angeschnallt gewesen – Frau und Kinder nicht. Der kleine Junge sei sofort tot gewesen, seine Mutter sei kurz darauf im Krankenhaus verstorben.

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Gewalttätige Übergriffe vor der Fahrt

Mit diesen Feststellungen dokumentierte das Gericht, dass es der Version des Angeklagten, der sich über seinen Verteidiger einließ und jede Gewalteinwirkung auf die Ehefrau vor der Fahrt bestritt, keinen Glauben schenkte – auch nicht einem eher plötzlich aufgetauchten Zeugen, der die Schilderung untermauern wollte. Vielmehr gab es keine Zweifel an dem, was die Gastgeberin der Polizei gegenüber angab und was, da das Paar nicht auffindbar war, über die Verlesung des Vernehmungsprotokolls in das Verfahren eingeführt wurde. Die Zeugin, eine Verwandte der Verstorbenen, schilderte gewalttätige Übergriffe vor der Fahrt.

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Kinder und Frau nicht angeschnallt

Dazu, dass weder die Frau, noch die beiden Kinder auf dem Rücksitz angeschnallt waren, erklärte Jugendrichter Jan Knappmann, dass der Fahrer die Hauptverantwortung getragen habe. Seine Frau trage aber eine Mitschuld. „So bitter das klingen mag.“ Die Mitverantwortung der Verstorbenen, das im Wesentlichen erfolgte Geständnis, eigene Verletzungen, die seelischen Folgen des Unfalls und der Umstand, dass der junge Mann nicht vorbestraft war, wirkten sich zu seinen Gunsten aus. Gegen ihn sprach die Tatsache, dass zwei Menschen tot sind und er mit 1,68 Promille im Blut erheblich alkoholisiert war. „Das würde kein Mensch verstehen, wenn bei einem solchen Fall, bei dem zwei Menschen gestorben sind, der Täter auf freiem Fuß bleiben würde“, betonte Knappmann.

Berufung angekündigt

Doch genau das beantragte Verteidiger Dieter Kaufmann zuvor in seinem Plädoyer: eine Verurteilung nach Jugendstrafrecht, maximal eineinhalb Jahre mit Bewährung. Er ging nicht von einer Nötigung und Körperverletzung aus. Sein Mandant bat derweil um eine Bewährungschance: „Es tut mir sehr leid, was passiert ist. Ich möchte bei meiner Tochter bleiben.“ Das Urteil wurde nicht rechtskräftig. Vielmehr kündigte der Verteidiger auf Nachfrage an, dass er Berufung einlegen werde.

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