Tödlicher Unfall in Lünen: Sohn und Mutter tot, Vater (21) jetzt vor Gericht

hzMoltkestraße

Im vergangenen Herbst starben eine junge Frau und ihr kleiner Sohn bei einem fürchterlichen Verkehrsunfall in Lünen. Der Fahrer, Ehemann und Vater der Getöteten, steht jetzt vor Gericht.

von Sylvia Mönnig

Lünen

, 13.10.2020, 15:55 Uhr / Lesedauer: 2 min

Die vier jungen Frauen, die am späten Abend des 26. Oktober 2019 auf der Moltkestraße in Richtung Waltrop unterwegs waren, dürften die Bilder, die sich ihnen boten, niemals vergessen können. Zunächst bemerkten sie das schwarze Auto hinter sich – ohne Licht. Der Pkw überholte sie mit hoher Geschwindigkeit, verschwand aus ihrem Blickfeld.

Wenig später sahen sie ihn allerdings wieder. Der Audi A6 war mit bis zu 80 Stundenkilometern gegen einen Baum gekracht, hatte zuvor einen anderen Stamm gestreift. Auto- und Trümmerteile waren bis zu 40 Meter weit geflogen. Sofort riefen sie Hilfe und hielten andere Wagen an, um den Unfallort zu sichern.

Im Innern des Autos bot sich ihnen ein verstörendes Bild.

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Der Fahrer war eingeklemmt, auf dem Rücksitz befanden sich, offenbar nicht angeschnallt, die 20-jährige Frau, ihr vierjähriger Sohn und die damals zweijährige Tochter. Für den kleinen Jungen kam jede Hilfe zu spät. Er starb sofort an den Folgen eines Schädelhirntraumas. Die Mutter erlag ihren inneren Verletzungen kurz darauf in einer Klinik. Die Tochter und der Vater überlebten.

Weitere Vorwürfe gegen den Angeklagten

Fahrlässige Tötung ist allerdings nicht der einzige Vorwurf, dem sich der 21-Jährige seit Dienstag in einem Verfahren vor dem Jugendschöffengericht stellen muss. In seinem Blut befanden sich laut Anklage 1,68 Promille Alkohol. So wird ihm Straßenverkehrsgefährdung in Folge von Trunkenheit zur Last gelegt. Hinzu kommen Körperverletzung und Nötigung. Er soll seine Frau vor der Fahrt geschlagen und gewalttätig geworden sein, um sie so dazu zu bringen, in das Auto zu steigen. So zumindest die polizeiliche Aussage einer Angehörigen der Verstorbenen. Bei ihr und ihrem Mann war die junge Familie zu Besuch und hier floss augenscheinlich auch der Alkohol, der mitverantwortlich für die Tragödie sein soll.

Beklemmende Stille im Saal

Als der Prozess gegen den 21-Jährigen, der inzwischen in Duisburg lebt, begann, herrschte im in Saal 127 des Amtsgerichts eine beklemmende Atmosphäre. Der junge Mann saß zusammengesunken auf seinem Stuhl, den Blick nach unten gesenkt. Reden konnte oder wollte er nicht. Sein Verteidiger übernahm das Wort.

Es sei zutreffend, dass sein Mandant alkoholisiert gewesen sei und den Unfall verursacht habe. „Er fühlte sich noch fahrtüchtig.“ Aber: „Er hat die Frau weder genötigt noch geschlagen.“ Der Angeklagte leide sehr unter den Unfallfolgen, befinde sich in Behandlung und erhalte Medikamente. „Er ist psychisch sehr beeinträchtigt“, betonte der Anwalt.

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In Anbetracht der Tatsache, dass die Angehörigen der Verstorbenen derzeit augenscheinlich in Rumänien leben und deshalb als Zeugen nicht zur Verfügung standen, übergab der Verteidiger dem Gericht die Handynummer des Mannes. Auf die Aussage des Paares, insbesondere die der Frau, könne, was den Vorwurf der Nötigung und Körperverletzung betreffe, nicht verzichtet werden.

Weiteres Gutachten angefordert

Auch regte er die Einholung eines Gutachtens zur Frage an, ob Mutter und Sohn den Unfall überlebt hätten, wären sie angeschnallt gewesen. Das, so seine Überzeugung, müsse sich auf das Strafmaß auswirken. Sicherlich sei der Mandant mitverantwortlich dafür gewesen – die Mutter jedoch auch. „Er hat nicht mitbekommen, dass die nicht angeschnallt waren.“

Am Donnerstag wird der Prozess fortgesetzt. Bis dahin soll Kontakt zu den Zeugen, die sich in Rumänien befinden, aufgenommen werden. Zudem kann der Anwalt des 21-Jährigen dann ganz formell einen Beweisantrag hinsichtlich des Gutachtens stellen.

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