Der Ton ist schärfer geworden: Eintreten gegen Polemik, um Meinungsfreiheit zu schützen

hzMeinung am Mittwoch

Die Meinung sagen, dazu gibt es viele Möglichkeiten. Doch der Ton ist schärfer geworden. Gastautor Kevin Tigges ruft dazu auf, gegen Polemik einzutreten, um Meinungsfreiheit zu schützen.

von Kevin Tigges

Lünen

, 26.06.2019 / Lesedauer: 3 min

Ein Phänomen unserer Zeit sind die nahezu unbegrenzten Möglichkeiten, seine Meinung zu äußern. Immer wieder wird man dazu eingeladen (unter Umständen sogar dazu aufgefordert), sich zu positionieren. Dies reicht von der Meinungsbildung vor dem Fernseher, wenn politische Fragestellungen in Talkrunden diskutiert werden, bis hin zu Aufforderungen, genutzte Produkte und Dienstleistungen zu bewerten – getreu dem Motto: „Ihre Meinung zählt!“

Recht auf Meinungsfreiheit wird oft frei interpretiert

Doch ist wirklich jede Meinung von Bedeutung? Grundsätzlich erst einmal ja. Denn schließlich stellt die Meinungsfreiheit ein wichtiges Grundrecht dar. Doch der Eindruck, dass dieses Recht hin und wieder allzu frei interpretiert und zu einer reinen Auslegungssache wird, bestätigt sich immer wieder – vor allem in den sozialen Netzwerken wie Facebook, Instagram, WhatsApp und Co.

Verbale Attacken im Netz

Eine Meinung zu haben, scheint hier en vogue zu sein. Doch die virtuelle Interaktion zwischen den Nutzern hat sich verändert. Der Ton ist vielerorts schärfer geworden. Ein enthemmter Umgang entsteht unter anderem durch die Anonymität – kryptischen Benutzernamen sei Dank – und durch den Umstand, dass die Face-to-Face-Kommunikation entfällt und keine unmittelbare Reaktion erfolgt.

Der Ton ist schärfer geworden: Eintreten gegen Polemik, um Meinungsfreiheit zu schützen

Kevin Tigges. © Quiring-Lategahn

Gastautor Kevin Tigges (27) ist Studienreferendar.

So kann ein hochgeladenes Foto oder ein Beitrag schnell eine Flut an verbalen Attacken nach sich ziehen, wie nicht nur bereits zahlreiche prominente Beispiele zeigen. Von einer Einhaltung der Netiquette (Regeln der respektvollen Kommunikation im Internet) kann dann nicht mehr gesprochen werden. Wird darauf reagiert, werden die Kommentare nicht selten mit dem Verweis auf die freie Meinungsäußerung gerechtfertigt. Diese Begründung der Meinungsäußerung führt jedoch zur Entwertung des Meinungsrechts.

Friedlich und auf Augenhöhe kommunizieren

Dabei sollte es gar nicht mal so schwierig sein, friedlich und auf Augenhöhe mit anderen Menschen zu kommunizieren: Die Grundvoraussetzung ist nicht mehr und nicht weniger, als dass verschiedene Meinungen zugelassen werden, solange sie dem Gesetz nach niemanden entwürdigen oder benachteiligen.

Gegen Polemik eindeutig Stellung beziehen

Alles, was diesem Grundsatz widerspricht, ist schlichtweg auch nicht als Meinung zu bezeichnen, sondern reine Polemik. Für uns alle bedeutet das, stets kritisch zu hinterfragen, ob tatsächlich eine sachliche Meinung vertreten wird. Ist dies nicht der Fall, sollte gegen diese Polemik eindeutig Stellung bezogen werden – ohne sich jedoch dazu hinreißen zu lassen, selbst in die Falle zu tappen und sich die Meinungsfreiheit zurecht zu biegen. Denn die Meinungsfreiheit ist schützenswert – heute wieder mehr denn je!

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