Treffpunkt Neuland: Kontakte zu Geflüchteten haben gelitten

hzWieder Angebote

Es waren ereignisreiche Wochen für den Treffpunkt Neuland: Die Umzugspläne wurden von Corona durchkreuzt, der Kontakt zu Geflüchteten ging zum Teil verloren. Jetzt läuft das Angebot wieder.

von Julian Beimdiecke

Lünen

, 15.07.2020, 10:15 Uhr / Lesedauer: 2 min

Eigentlich stand der Plan fest: Innerhalb der letzten Märzwoche 2020 wollten die Verantwortlichen des Treffpunkts Neuland den Umzug von der Persiluhrpassage in die ehemaligen Räumlichkeiten des Fotostudios Rausch über die Bühne bringen. Am Ende dauerte er aber fast den ganzen April. „Wegen Corona konnten wir nicht alle zusammen anpacken, sondern waren maximal zu zweit beim Umzug und mussten natürlich entsprechend Abstand einhalten – das hat gedauert“, erklärt Vorstandsmitglied Johannes Bergmeyer die Verzögerung. Als dann endlich alles herübergeschafft war, standen noch kleinere Renovierungsarbeiten an, die auch noch einmal Zeit kosteten. Ende Mai war dann aber endlich alles fertig – fast zwei Monate, nachdem das Neuland offiziell seine Bleibe gewechselt hatte.

Kontakt verloren gegangen

Dass während der Zeit des Umzugs die Angebote im Neuland pausieren mussten, war eingeplant - nicht aber, dass die Pause so lang werden würde. Glück im Unglück also, dass in Pandemie-Zeiten sowieso keine Angebote möglich waren? Für die Verantwortlichen ein schwacher Trost. „Wir haben gemerkt, dass der Kontakt zu den Geflüchteten teilweise leider etwas verloren gegangen ist. Normalerweise sind sie einfach hierhin gekommen und wir haben über ihre Probleme gesprochen. Dieser persönliche Weg ist natürlich komplett weggefallen“, erklärt Bergmeyer. Er und seine Mitstreiter konnten lediglich telefonisch oder über die neuen Medien Unterstützung anbieten – diese wurde allerdings nicht so häufig gesucht wie vorher, als der persönliche Weg noch offenstand.

Die ehemaligen Räumlichkeiten des Fotostudios Rausch sind jetzt die neue Bleibe für den Treffpunkt Neuland. Im Obergeschoss ist eine Art Seminarraum eingerichtet - natürlich mit Spuckschutz.

Die ehemaligen Räumlichkeiten des Fotostudios Rausch sind jetzt die neue Bleibe für den Treffpunkt Neuland. Im Obergeschoss ist eine Art Seminarraum eingerichtet - natürlich mit Spuckschutz. © Beimdiecke

Froh sind die Verantwortlichen, dass die Zeit der größten Einschränkungen vorbei ist und seit Mitte Juni wieder Angebote laufen können - wenn auch in abgespeckter Form. Nachhilfe und Hausaufgabenbetreuung ist wieder dienstags und donnerstags, montags gibt es Unterstützungsangebote zu den Themen Berufe, Arbeit und Praktika. Freitags liegt der Fokus auf allen Fragen rund um das Thema Wohnen, samstags ist Alltagssprechstunde. Das alles in den neuen Räumlichkeiten, auf zwei Etagen und natürlich streng nach Corona-Richtlinien: unter anderem mit Abstand, Masken, Spuckschutz, Registrierung der Besucher und regelmäßigem Desinfizieren des gesamten Interieurs.

2020 sechs Geflüchtete in Ausbildung vermittelt

Für Bergmeyer und Co. ein hinnehmbarer Preis: „Wir sind froh, dass es weitergehen kann.“ Auch wenn noch längst nicht alles angelaufen ist – etwa das Frauencafé, EDV-Kurse und die „Strings&Stories“-Reihe, die seit Januar in Kooperation mit dem Kunst-Café stattfindet.

Wichtig ist den Verantwortlichen, weiter Integrationsarbeit leisten zu können. Denn die hat seit der Eröffnung im Herbst 2016 schon Früchte getragen: unter anderem dass über 50 Geflüchtete in Praktika und Jobs vermittelt werden konnten - allein 2020 fangen sechs von ihnen eine Ausbildung an.

Eine von denen ist Mahlet Haftu: Die 24-Jährige aus Eritrea startet im September im Lüner Krankenhaus als Azubi zur Pflegefachkraft - drei Jahre nach ihrer Ankunft in Lünen, in denen sie auch ihren Schulabschluss gemacht hat. „Ohne das Neuland wäre es hier viel schwieriger geworden“, sagt Haftu. Über Deutschkurse, Hausaufgabenhilfe und Alltagsunterstützung blieb sie über die ganze Zeit mit der Einrichtung verbunden - und freut sich, dass sie und andere Geflüchtete nun wieder auf die Angebote zurückgreifen können.

Was ihr und allen anderen aber vor allem noch fehlt: die geselligen Angebote. Gerade die sind aber für die Verantwortlichen ein wichtiger Baustein, um Geflüchtete und alteingessene Lüner zusammenzubringen. Bis das wieder möglich ist, ist Geduld nötig - keiner vom Neuland rechnet damit, dass das 2020 noch der Fall sein wird.

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