Trotz Warnstufe Rot: Unnas neuer Bürgermeister tagt mit zehn Personen auf engstem Raum

hzCorona-Krise

Für jeden sichtbar ohne Masken an einem Tisch, inmitten der sich zuspitzenden Corona-Pandemie im Kreis Unna: Zehn Vertreter von CDU und Grünen – unter ihnen auch Unnas neuer Bürgermeister.

Unna

, 09.10.2020, 17:09 Uhr / Lesedauer: 2 min

Alarmstufe Rot in Sachen Coronavirus im Kreis Unna – bei Unnas neuem Bürgermeister Dirk Wigant (CDU) aber scheint trotzdem alles auf Grün. Er sitzt am Freitagnachmittag – als zeitgleich nur 500 Meter Luftlinie entfernt im Kreishaus mit Hochdruck an neuen Schutzmaßnahmen zur Pandemiebekämpfung gearbeitet wird – gemeinsam mit Vertretern von CDU und Grüne für jeden sichtbar wie auf dem Präsentierteller im Unnaer Parteibüro der Grünen; zehn Personen ohne Schutzmasken versammelt um einen Tisch, als wäre nichts.

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Es war offenbar ein konspiratives Treffen von CDU und Grünen infolge der Kommunalwahl. Mit am Tisch neben Unnas neuem Bürgermeister Wigant: Claudia Keuchel, die für Bündnis 90/Die Grünen eigentlich Bürgermeisterin werden wollte.

„Das ist nichts für die Öffentlichkeit – wir haben die Jalousie jetzt nicht runter gemacht, wir hätten uns auch privat treffen können.“
Claudia Keuchel (Bündnis 90/Die Grünen)

Keuchel war es auch, die sich offenbar ertappt fühlte, als sie den Fotografen durchs riesengroße Schaufenster ausmachte – und kurzum in der Redaktion anrief, um eine Berichterstattung bestenfalls zu verhindern. „Wir sind in der Findungsphase, das ist nichts für die Öffentlichkeit – wir haben die Jalousie jetzt nicht runter gemacht, wir hätten uns auch privat treffen können.“ Dass es weniger um den Anlass, vielmehr um das Treffen an sich inmitten der sich anspannenden Pandemielage im Kreis Unna geht – es scheint sie fast zu überraschen.

Wigant war selbst Gesundheitsdezernent im Kreis Unna

Sie und Dirk Wigant jedenfalls halten das Treffen für völlig in Ordnung, verweisen auf die geltenden Verordnungen. Ungeachtet der Tatsache, dass die Inzidenzzahl im Kreis Unna gerade erst die 50 überschritten hat und der Kreis Unna eine weitere Verschärfung angekündigt hat. Tags zuvor noch hatte Landrat Michael Makiolla (SPD) im Lichte dieser Entwicklung aus dem Kreishaus appelliert, „den Kampf gegen die Pandemie als gemeinsamen Kampf von uns allen zu verstehen“. Übrigens war Dirk Wigant dort bis vor kurzem selbst noch Gesundheitsdezernent: Wäre er nicht 2014 Beigeordneter der Stadt Unna geworden, wäre er statt Uwe Hasche der Krisenmanager im Kreishaus.

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Wigant aber sagt wie zuvor schon Keuchel: „Alles rechtskonform“, verweist auf die eigehaltenen Coronaschutzmaßnahmen. Demnach haben alle eine Schutzmaske bis zum Platz getragen und am Tisch den erforderlichen Abstand eingehalten, zudem seien die Tür und ein Fenster geöffnet gewesen. „Das war alles coronaschutzkonform“, betont Keuchel, „da spricht aus meiner Sicht gar nichts gegen.“

„Wie will man sich denn sonst unterhalten?“
Dirk Wigant (CDU)

Und Wigant sagt: „Wir sind von der Größenordnung innerhalb dessen, was erlaubt ist – wie will man sich denn sonst unterhalten? Das ist politisch gar nicht anders möglich, alternativlos.“ Selbst eine virtuelle Konferenz hält er nicht für eine Alternative. Mehr als die Schutzmaßnahmen einzuhalten, könne man nicht tun, so Wigant.

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Alles rechtskonform – das betonen Keuchel und Wigant gleichermaßen. Und in der Tat: Laut Coronaschutzverordnung des Landes NRW dürfen sich maximal zehn Personen in der Öffentlichkeit treffen. Aber geht es nicht vielmehr um die Signalwirkung eines solchen Treffens um den neuen Bürgermeister? „Alles rechtskonform“, sagt Wigant auch dazu.

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