Turbulenzen für die Nerven

Ein Tag mit der Crew des Rettungshubschraubers Christoph 8

18.05.2007, 20:55 Uhr / Lesedauer: 2 min

7 Uhr: Meldung bei der Rettungsleitstelle in Unna: «Florian Unna: Christoph 8 einsatzklar». ADAC-Pilot Markus Greve (36), DRK-Rettungsassistent Heimo Konietzka (38) und der Leitende Hubschrauber-Arzt Eduard Mathejka (41), Oberarzt der Anästhesie am St. Marien-Hospital, stehen bereit. Gecheckt wartet der über 3,5 Mio. Euro teure «Eurocopter EC 135» mit seinen zwei jeweils 696 PS starken Triebwerken vor dem Hangar. Routinearbeiten werden erledigt, Wetterdaten abgefragt. Eduard Mathejka fährt mit dem Rad zur Notaufnahme, zieht sich um, geht in den OP. «Für mich war der Dienst bei Christoph 8 ein großer Einschnitt. Ich versuche schon, mein Leben bewusster zu leben», sagt Eduard Mathejka und ergänzt: «Ich kann nicht sagen, was mein schwerster Einsatz war.» Am ersten Tag vor elf Jahren musste er als Hubschraubernotarzt einen 11-jährigen Jungen versorgen, der mit seinem Vater Motorrad fuhr und von einem Trecker angefahren wurde. Der Junge starb trotz aller Bemühungen einen Tag später an einem Schädelhirntrauma, der Vater überlebte sein Polytrauma. «Die Verzweiflung der Eltern, die menschliche Tragödie - das ist schlimm. Man braucht schon ein gewisses Nervenkostüm», so Mathejka, der selbst Kinder hat und auch einen Organspendeausweis. Warum? «Vielleicht kann ich nach meinem Tode einem kranken Menschen das Leben lebenswerter machen», sagt der erfahrene Notarzt. 12.06 Uhr: Das Telefon klingelt. Einsatz. Umziehen, aufs Rad geschwungen und ab zum Hubschrauber, der schon warm läuft. Mit 240 km/h fliegen wir in wenigen Minuten nach Werne-Stockum und landen auf einem Sportplatz. Mit Notfallrucksack und Defibrillator rennen wir 300 Meter bis einer Grundschule und sind trotzdem noch ca. fünf Minuten schneller da, als der RTW. Marie (10) hat gekrampft, ist erschöpft. Sie wird untersucht, bekommt Beruhigungsmittel und eine Infusion. Eduard Mathejka begleitet die Patientin per RTW in die Kinderklinik des ev. Krankenhauses Hamm. Nach der Übergabe sofort der nächste Einsatz im selben Haus: Verlegung einer 71-jährigen Frau mit einer Gefäßaussackung an der Hauptschlagader im Brustkorb, einem Aneurysma, das lebensbedrohlich ist und einer sofortigen Operation in der Uniklinik Münster bedarf. Der Transport erfolgt schonend, das Gefäß könnte jederzeit platzen. Um 14.43 Rückflug nach Lünen. «Ganz schöne Thermik», sagt Pilot Markus Greve. Man merkt Turbulenzen, heiße Luft schwirrt in der Kabine, die im Sommer schon mal 60 Grad hatte, aber keine Klimaanlage. Nach der Landung wird Rettungsassistent Heimo Konietzka abgelöst von Andreas Bietendüfel (39). 15.09 Uhr: Verlegungsflug vom Knappschaftskrankenhaus Recklinghausen zum Johannes-Hospital Dortmund. Um 18.37 Uhr der letzte Einsatz. Ein neun Monate alter Junge hat sich in Hagen mit heißem Wasser verbrüht. Lebensgefahr. Alle sind angespannt - Kindernotfälle sind eine besondere Herausforderung. Nach der Erstversorgung in einem Krankenhaus wird das Kind per RTW zum Landeplatz an einen Park gebracht. In nur 12 Minuten wird das Kind in die Kinderklinik Hamm geflogen. Um 21 Uhr wird Christoph 8 nach einem Power-Check abgemeldet. Zwei Techniker warten die Maschine noch in der Nacht Volker Beuckelmann

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