Überfall auf Supermärkte: Haft und Drogentherapie für zwei Räuber aus Lünen

hzLandgericht Dortmund

Eine Serie von Raubüberfällen auf Supermärkte hat zwei Freunde aus Lünen ins Gefängnis geführt. Das Urteil vom Freitag eröffnet den beiden Angeklagten aber auch eine Chance.

Lünen, Ascheberg

, 20.12.2019, 16:01 Uhr / Lesedauer: 2 min

Sechs Jahre und zehn Monate Jugendhaft für den einen, sechs Jahre und neun Monate Haft für den anderen Angeklagten: Das sind die Urteile der 31. Strafkammer des Dortmunder Landgerichts. Für die beiden 22 und 27 Jahre alten Freunde war aber viel entscheidender, was der Vorsitzende Richter Ulf Penning anschließend verkündete.

Beide Männer können einen Teil der Strafe in einer geschlossenen Drogen-Entziehungsklinik verbüßen. Nach jeweils einem Jahr und fünf Monaten Haft sollen sie ihre Therapie antreten, die aller Erfahrung nach etwa zwei Jahre dauern wird. Stehen sie die Behandlung durch, können die Angeklagten direkt danach mit ihrer Entlassung rechnen. Der noch übrige Rest der Strafe würde dann zur Bewährung ausgesetzt.

Start im Januar 2017

Die Serie von Discounter-Überfällen in Herbern, Ascheberg, Lünen und Hamm hatte im Jahr 2017 für großes Aufsehen gesorgt. Alles begann damit, dass der heute 22-jährige Lüner beim Friseur auf einen Bekannten traf und von dem hörte, dass er dringend Geld gebrauchen könnte. Der Lüner dachte sofort an einen gemeinsamen Raubüberfall, denn mit Straftaten kannte er sich trotz seines jungen Alters schon aus. „Er hat schon in der Schulzeit erste Delikte verübt“, sagte der Richter am Freitag.

Im Januar 2017 überfielen die beiden Bekannten schließlich den Netto-Markt an der Münsterstraße in Lünen. Der 22-Jährige bedrohte die Angestellten mit einer täuschend echt aussehenden Softair-Pistole und erbeutete auf diese Weise rund 1300 Euro. Besonders verwerflich in den Augen der Richter: Der Lüner befand sich zu der Zeit im Hafturlaub. Am nächsten Tag kehrte er ins Gefängnis zurück, als ob nichts gewesen wäre.

Treffpunkt Fußball-Parkplatz

Im Mai 2017 trafen sich die Bekannten schließlich auf dem Parkplatz des Lüner SV, um eine weitere Tat auszuhecken. Diesmal fiel die Wahl des Tatorts auf einen Aldi-Markt in Ascheberg. „Da gibt es nicht so viel Polizei“, soll der Hauptangeklagte gesagt haben. In Ascheberg erbeuteten die Räuber über 6000 Euro, in Hamm wieder nur ein paar Wochen später sogar 11.000 Euro. In beiden Fällen hatten sie den Filialleiter dazu gebracht, den Tresor zu öffnen.

Bis zur Festnahme folgten vier weitere Raubüberfälle. Bei diesen war auch der 27-Jährige Mitangeklagte dabei. Auch dieser Mann ist schon gerichts- und hafterfahren. Er war erst 2017 nach einer mehrjährigen Strafe aus dem Gefängnis entlassen worden.

Der Bekannte des 22-Jährigen, der bei den ersten bewaffneten Raubüberfällen mitgemacht hatte, ist bereits früher in diesem Prozess zu einer Bewährungsstrafe von zwei Jahren verurteilt worden.

Lesen Sie jetzt