Unsoziale Falschparker gibt es offenbar nicht nur auf Familienparkplätzen am Wochenende

hzJetzt mal unter uns

Das Thema Falschparker beschäftigt nicht nur Händler in der Innenstadt, sondern auch Väter auf Einkaufstour mit ihren Kindern. So hat es zumindest unser Autor erlebt. Mehrfach.

Lünen

, 22.06.2019, 11:55 Uhr / Lesedauer: 2 min

Es wiederholt sich jeden Samstag: Ich fahre mit den Kindern zum Supermarkt, um den Wocheneinkauf zu tätigen. Auf den Eltern-Kind-Parkplätzen stehen (nicht immer in der gleichen Reihenfolge) ein Fiat Punto, ein Mercedes SLK und ein VW Touareg. Gefahren werden diese Autos stets von einer rauchenden Dame in den mittleren Zwanzigern, von einem grauhaarigen Herrn der Hosen in 40er-Weite und 30er-Länge trägt, sowie von einer blonden Frau mit Sonnenbrille, die auf 30 macht, wie 40 aussieht und wahrscheinlich 50 ist. Kinder hat keiner von ihnen dabei. Zum Glück, möchte man sagen.

Was mir allerdings schleierhaft ist: Wieso parken diese Herrschaften auf Parkplätzen, die eigentlich für Familien vorgesehen sind? Ich bin wirklich dankbar, wenn ich mit meinen drei Teufeln nicht über den halben Parkplatz laufen muss, der von anderen Verkehrsteilnehmern gern als Rennstrecke genutzt wird. Aber ich kann leider nicht auf den normalen Parkplätzen in der Eingangsnähe parken, weil mir meine Haftpflichtversicherung sonst wegen der zahlreichen Dellen in fremden Autos den Vertrag kündigen würde (und nein, es hilft nicht, den Kindern es wieder und wieder zu erklären, die Tür beim Aussteigen nicht weiter aufzustoßen).

„Ich bin behindert, ich darf überall parken“

Genau deshalb gibt es die breiten Eltern-Kind-Parkplätze in Eingangsnähe. Doch leider scheint das niemanden zu interessieren. Spricht man die Falschparker darauf an, bekommt man entweder ein Schnauben als Antwort, oder - im Fall der Punto-Fahrerin von neulich - eine Ausrede wie: „Ich bin behindert, ich darf überall parken.“

Allerdings ist ein Eltern-Kind-Parkplatz kein Behindertenparkplatz. Das habe ich dieser Person auch versucht zu erklären, aber hier lag offensichtlich eine geistige Behinderung vor, denn sämtliche Erläuterungsversuche meinerseits liefen ins Leere. Stattdessen erntete ich wüste Beschimpfungen - sie hatte offensichtlich das Tourette-Syndrom, wie die meisten Leute, die man fragt, warum sie einen Eltern-Kind-Parkplatz wider besseren Wissens blockieren.

Wer freundlich bittet, hat schon verloren

Samstags geht es mir nicht ums Prinzip, sondern darum, dass ich sicher mit meinen Kindern einkaufen gehen will, dass die Konzerne genau dafür Vorkehrungen schaffen, und dass es Leute gibt, denen das alles egal ist, weil sie zu bequem, zu ignorant oder einfach nur unsozial sind. Wie ich seit dieser Woche weiß, betrifft das aber nicht nur Familien an Wochenenden, sondern ist offenbar ein gesellschaftliches Phänomen, das sich durchs ganze Jahr zieht: Ausgewiesene Parkplätze sind bestenfalls freundliche Empfehlungen und dienen hauptsächlich dazu, den Dreisten zu belohnen. Regeln sind dazu da, gebrochen zu werden, und wer freundlich um Rücksichtnahme bittet - nichts anderes sind rechtlich gesehen die Eltern-Kind-Parkplätze - hat sowieso verloren. Ich kann verstehen, dass das irgendwann frustrierend sein muss. Und ich kann nicht verstehen, warum immer mehr Menschen so dermaßen sozial inkompetent und egoistisch sind.

Abschlepperei gesetzeskonform, Art und Weise zweifelhaft

Der Rechtsvertreter der Parkräume KG fragte mich nach meinem Artikel über die Falschparker auf Kundenparkplätzen, warum ich die Arbeit seiner Firma (und deren Auftraggeber) in eine rechtliche Grauzone rücken würde. Ich erklärte ihm, dass die Abschlepperei zwar gesetzeskonform sein mag, der Umgang mit den „Opfern“ - Autos verstecken und Standort nur gegen Geld herausgeben - sowie die Höhe der Gebühren jedoch zumindest zweifelhaft seien und ich diese Bewertung deshalb als zulässig empfinde. Andererseits: Vielleicht müssen nur noch ein paar Samstage vergehen, und ich würde ihn fragen, ob die Jungs von der Parkräume KG nicht mal mit mir einkaufen gehen möchten.

Einmal in der Woche sprechen die Mitglieder der Redaktion Lünen „mal unter uns“ über Themen, die sie und Lünen beschäftigen. Mal hitzig, mal pointiert, mal einfach geradeaus - aber immer bereit, sich der Diskussion zu stellen.
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