Unter Röcke fotografieren ist strafbar - das ist ein Schritt von vielen

hzGleichstellung in Lünen

Seit Juli ist es eine Straftat, Frauen unter den Rock zu fotografieren. Dass das vorher noch nicht so war, kann die Gleichstellungsbeauftragte der Stadt Lünen nicht verstehen.

von Kimberly Becker

Lünen

, 18.07.2020, 20:45 Uhr / Lesedauer: 2 min

Es hat alles mit einer Petition begonnen, die Ida Marie Sassenberg und Hannah Seidel aus Baden-Württemberg Ende 2019 ins Leben gerufen hatten. Das ungefragte Hochheben von Kleidern oder Röcken und das Fotografieren unter die Röcke - genannt Upskirting - soll offiziell als sexuelle Belästigung gelten und strafrechtlich verfolgbar gemacht werden, finden die Frauen.

Es vergehen allerdings einige Monate vom ersten Gesetzesentwurf in 2019 bis zur offiziellen Gesetzgebung: Seit dem 3. Juli 2020 ist das sogenannte Upskirting eine Straftat. Bis dato ist nur die Verbreitung der Bilder strafbar gewesen.

Die Tat wird jetzt mit einer Geld- oder sogar einer Freiheitsstrafe von bis zu zwei Jahren geahndet.

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Massiver Eingriff in Persönlichkeitsrechte

Die Gleichstellungsbeauftragte der Stadt Lünen, Heike Tatsch, findet es schwer verständlich, dass diese Handlung bisher nur eine Ordnungswidrigkeit gewesen ist. Die Fotos können im Internet auftauchen und jedem zugänglich sein.

„Das ist ein massiver Eingriff in die Persönlichkeitsrechte und in die sexuelle Selbstbestimmung“, sagt Tatsch, die die aktuelle Entwicklung sehr begrüße.

Heike Tatsch ist seit dem 1. April diesen Jahres die Gleichstellungsbeauftragte der Stadt Lünen. Mit dem Thema Upskirting war sie aus Lüner Sicht bisher noch nicht in Berührung gekommen.

Ohnehin hat sie ihr Amt in einer schwierigen Zeit begonnen - mitten in der Corona-Krise. Nun kann Tatsch die ersten Veranstaltungen mit Präsenz wieder wahrnehmen.

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Konkret bietet das Gleichstellungsbüro ein Hilfetelefon für Frauen, die Gewalt erfahren an sowie direkte Hilfe für Betroffene. Zudem gibt es Lesungen und runde Tische, die auf das Thema aufmerksam machen sollen.

Mehr Gewalt im Lockdown

Gerade in Zeiten der Pandemie gäbe es die bundesweite Tendenz, dass die Menschen wieder in veraltete Rollenmuster von Frauen und Männern verfallen, so Heike Tatsch. Das müsse verhindert werden.

Die Gleichstellungsbeauftragte Heike Tatsch äußert Bedenken für die Gleichberechtigung der Frau in Zeiten des Lockdowns.

Die Gleichstellungsbeauftragte Heike Tatsch äußert Bedenken für die Gleichberechtigung der Frau in Zeiten des Lockdowns. © Beate Rottgardt

„Gerade werden positive Entwicklungen verworfen, für die meine Vorgängerinnen gekämpft haben“, sagt Heike Tatsch. Sie appelliert, dass auch die Männer zuhause bleiben und auf die Kinder aufpassen oder von der Politik auch finanzielle Anreize geschaffen werden.

Denn ein Problem sei insbesondere, dass Frauen weniger als Männer verdienen. Das so genannte Gender Pay Gap. Deshalb sei die Entscheidung, wer von den beiden Elternteilen bei den Kindern bleiben soll, schnell getroffen. Beim Thema Upskirting hat sich also etwas getan. In anderen Bereichen steht noch Arbeit an.

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