Meinung: Lasst die Schulen bloß offen im „Lockdown light“!

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Im November befindet sich Deutschland in einem „Lockdown light“. Neben dem Einzelhandel bleiben auch Schulen und Kindergärten geöffnet. Genau die richtige Entscheidung, findet unser Autor.

Lünen

, 10.11.2020, 15:05 Uhr / Lesedauer: 2 min

Als im Frühjahr die Osterferien gleich mehrere Wochen eher begannen, war das zunächst ja noch ganz spannend: Die Kinder bleiben zuhause, müssen dort den Schulstoff durchgehen, dank Alba Berlin und Klasse 2000 gab es sogar feste Zeiten für Sport am Vormittag. Doch schon nach ein paar Tagen war klar: Wenn das so noch länger geht, wird das die Hölle.

Leute müssen einer Arbeit nachgehen

Nicht, weil man nicht gerne Zeit mit den Kindern verbringt. Doch ist unsere Gesellschaft eben nicht auf die Familie als kleinste soziale Einheit ausgerichtet. Sondern darauf, ein Wirtschafts- und Wertesystem am Laufen zu halten. Und das klappt eben nur, wenn die Leute auch ihrer Arbeit nachgehen können.

Die paar Wochen im Frühjahr waren für manche Familien organisatorisch wie mental schon hart an der Grenze - wären jetzt noch einmal vier Wochen dazu gekommen, in denen sich um Kinderbetreuung und -beschulung gekümmert werden muss, hätte das vermutlich den letzten Funken Verständnis in der Bevölkerung für diese Maßnahmen erlöschen lassen.

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Die Organisation ist das eine. Der Stress für die Eltern eine ganz andere: Wie schaffe ich es, Arbeit, Haushalt und nun auch noch Unterricht unter einen Hut zu bekommen? Bin ich überhaupt in der Lage, mein Kind zu unterrichten? Habe ich ihm überhaupt genug Freizeit- und Bewegungsmöglichkeiten zu bieten? Und kann ich meine Arbeit überhaupt behalten, wenn noch nicht einmal klar ist, ob meine Firma die Krise überleben wird? Und was dann?

Schulen und Kitas sind keine Corona-Hotspots

Das alles sind Gedanken, die nicht mehr länger nur vor dem Schlafengehen durch den Kopf schießen. Schon vor diesem Hintergrund war es absolut richtig, Schulen und Kitas offen zulassen. So haben Eltern und auch Kinder wenigstens die Gewissheit, dass die Struktur des Alltags intakt bleibt.

Mal ganz abgesehen davon, dass weder Schulen noch Kitas bisher als Corona-Hotspots in Erscheinung getreten sind. Die Infektionen, die in den vergangenen Tagen auch an mehreren Lüner Schulen auftraten, sind auf das private Umfeld und eben nicht auf die Erziehungseinrichtungen zurückzuführen. Dort gibt es ein Hygienekonzept, das gesunde Schülerinnen und Schüler, ebenso die Lehrerinnen und Lehrer, effektiv schützt.

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Allerdings wurde dieses Konzept von den Schulen selbst erstellt. Würden wir sie schließen, fiele ganz nebenbei unter den Tisch, dass Politik und Landesverwaltung in all den Wochen zwischen Frühling und Herbst schlichtweg verpennt haben, ein schlüssiges Konzept für Schulen im Falle einer zweiten Welle, die nun wirklich keinen überrascht haben dürfte, aufzustellen. Und Eltern wie Kindern hätten dieses Versäumnis dann ausbaden dürfen.

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