Urteil nach Gullydeckel-Attacke: Lüner (50) muss ins Gefängnis

Bei Bad Berleburg

Ein Gullydeckel ist im April 2019 in einen Zug gekracht, das Entsetzen war groß. Man vermutete einen Anschlag, dann wurde klar: Der Lokführer selbst war verantwortlich - ein Mann aus Lünen.

Lünen

, 02.10.2020, 18:05 Uhr / Lesedauer: 2 min
Völlig zerstört: Die Frontscheibe der Regionalbahn, die der Mann aus Lünen gesteuert hatte.

Völlig zerstört: Die Frontscheibe der Regionalbahn, die der Mann aus Lünen gesteuert hatte. © dpa

Im Prozess um einen inszenierten Gullydeckel-Anschlag auf einen Zug der Hessischen Landesbahn ist der Lokführer zu einer Freiheitsstrafe verurteilt worden. Das Amtsgericht in Bad Berleburg sah es am Freitag als erwiesen an, dass der heute 50-Jährige, ein Mann aus Lünen, die Falle mit zwei Kanaldeckeln selbst konstruiert und an einer Brücke aufgehängt hatte. Der Zugführer erhielt ein Jahr und neun Monate ohne Bewährung, wie ein Gerichtssprecher mitteilte. Das Urteil ist noch nicht rechtskräftig.

Durchsuchung der Wohnung in Lünen

Im April 2019 waren bei Siegen nahe der Grenze zwischen Nordrhein-Westfalen und Hessen zwei schwere Gullydeckel in die Frontscheibe der Regionalbahn gekracht. Der Lokführer in dem frühmorgens noch unbesetzten Zug blieb bei dem Vorfall unverletzt - es war der erste Zug des Tages. Er war unterwegs vom nächtlichen Abstellplatz in Erndtebrück zum Startbahnhof Bad Berleburg.

Laut Staatsanwaltschaft hatte der Zugführer das Ganze „aus nicht bekannter Motivlage“ inszeniert, er war am 24. April festgenommen worden, nachdem Ermittler seine Wohnung in Lünen durchsucht hatten. Einen Tag später wurde er wieder freigelassen - es bestanden keine Haftgründe. Der Mann sei Täter, nicht Opfer. Der Lüner hatte den Tatvorwurf zurückgewiesen.

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Das Gericht verurteilte den Mann wegen Vortäuschens einer Straftat und wegen vorsätzlichen gefährlichen Eingriffs in den Bahnverkehr. Das Strafmaß entsprach der Forderung der Staatsanwaltschaft. Die Verteidigung hatte Freispruch verlangt.

In dem weit über NRW hinaus Aufsehen erregenden Fall waren zunächst eine Amoklage und ein Mordanschlag nicht ausgeschlossen worden.

Gutachter und Beamte vor Gericht

Dann fiel der Verdacht auf den Zugführer selbst. An den Seilen, an denen die Kanaldeckel befestigt waren, hatten Ermittler seine DNA-Spuren gefunden. Bei der Wohnungsdurchsuchung tauchten außerdem verdächtige Schneidwerkzeuge und Handschuhe auf.

Das Urteil stützte sich vor allem auf die DNA-Spuren sowie auf Gutachten zu Faserspuren, die dem 50-Jährigen zugeordnet wurden. Ermittler entdeckten die DNA des Mannes an den Gullydeckeln, an Seilen und an Seilknoten, von denen Teile nach dem Vorfall noch hoch oben am Brückengeländer hingen, wie der Gerichtssprecher schilderte.

In dem Prozess, der vor zwei Wochen begonnen hatte, waren als Zeugen zahlreiche Polizeibeamte sowie Gutachter befragt worden.

(Mit Material von dpa)

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