Vergewaltigung in Oberaden: Angeklagter weist Vorschlag der Richter brüsk zurück

hzLandgericht Dortmund

Im Prozess um die brutale Vergewaltigung einer 15-Jährigen in Oberaden machen die Richter dem Angeklagten ein Angebot. Der ist jedoch alles andere als einverstanden.

Lünen, Oberaden

, 14.02.2020, 10:00 Uhr / Lesedauer: 2 min

Bei der Tat im Juli 2019 soll der Angeklagte mit unglaublicher Brutalität vorgegangen sein. Laut Anklage schlug er der 15-jährigen Schülerin mehrmals mit einem Pistolenknauf auf den Kopf. Als die Jugendliche in der Nacht von Passanten aufgegriffen wurde, war sie blutüberströmt. Im Krankenhaus stellte sich schließlich heraus, dass sie vergewaltigt worden und zahlreiche Knochen in ihrem Gesicht gebrochen waren.

Rechtsgespräch ohne Ergebnis

In einem Rechtsgespräch hatten die Richter zuletzt versucht, zusammen mit Staatsanwältin Heike Sudhaus-Coenen und Verteidiger Axel von Irmer einen Weg zu finden, das Verfahren möglichst zügig zu beenden. Am Ende stellten sie dem Angeklagten folgenden Vorschlag vor: Für den Fall eines vollständigen Geständnisses würden sie eine Haftstrafe von zehn bis zwölf Jahren verhängen.

Am Donnerstag sollte sich nun der 33-Jährige zu dem Angebot erklären. Und er tat das über seinen Verteidiger. „Diese Zahlen sind für uns inakzeptabel“, sagte Rechtsanwalt von Irmer. Der wahre Wert eines Geständnisses würde bei einer solchen Strafe überhaupt nicht ausreichend erfasst. In den Augen des Angeklagten sei eine Strafe von acht bis maximal zehn Jahren das höchste, was er akzeptieren könne.

Opfer-Vernehmung im März

Weil eine Verständigung also nicht zustande kam, müssen die Richter nun ganz normal weiterverhandeln. Mit einem Geständnis dürfen sie also zunächst nicht rechnen. Entsprechend werden weitere Zeugen vernommen werden müssen. Derzeit ist geplant, dass die 15-jährige Schülerin Anfang März befragt wird - zusammen mit ihren Eltern, die bisher an jedem einzelnen Verhandlungstag als Nebenkläger teilgenommen haben. Dass die Öffentlichkeit für die Dauer der Vernehmung der Jugendlichen ausgeschlossen wird, gilt als sicher. Unklar ist noch, ob auch der Angeklagte aus dem Gerichtssaal entfernt werden wird.

Zeugin soll aus Polen kommen

Neben der Vernehmung der unmittelbaren Tatzeugen bemühen sich die Richter auch um eine Frau aus Polen, die möglicherweise interessante Einzelheiten aus dem Vorleben des Angeklagten berichten kann. Eine erste Kontaktaufnahme endete jedoch ohne Ergebnis. Die Frau weigere sich, für eine Befragung nach Deutschland zu kommen, teilte der Vorsitzende Richter Alexander Donschen am Donnerstag mit.

Nun soll aber noch einmal ein neuer Versuch unternommen werden, die Zeugin zu überzeugen. Ihr würden auch die Reisekosten und die Übernachtung gezahlt, hieß es. Generell müsse man der Frau aber vielleicht auch einfach mal klarmachen, dass eine Zeugenladung kein „Wunschkonzert“ sei, gab Verteidiger von Irmer zu bedenken.

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