Vergewaltigungs-Prozess: Richter wollen Angeklagten besser kennenlernen

hz15-Jährige in Oberaden vergewaltigt

Im Prozess um die Vergewaltigung einer 15-Jährigen in Oberaden kramen die Richter immer tiefer in der Vergangenheit des Angeklagten. Was dabei zu Tage kommt, klingt nicht immer positiv.

Lünen

, 13.05.2020, 15:00 Uhr / Lesedauer: 2 min

Der 33-jährige Mann, der im Sommer 2019 in Oberaden eine 15-jährige Schülerin brutal vergewaltigt haben soll, soll auch vorher schon durch Gewaltattacken aufgefallen sein. Um diesen Verdacht zu erhärten, versuchen die Dortmunder Richter schon seit einigen Wochen alles, um eine ehemalige Lebensgefährtin des Angeklagten als Zeugin laden zu können.

Dabei gibt es jedoch Probleme. Die Frau ist nämlich Polin und hält sich schon seit Jahren wieder in ihrer Heimat auf. Grundsätzlich stellte die Ladung einer Zeugin im Ausland natürlich nicht unbedingt ein größeres Problem dar. In Zeiten wie diesen ist aber auch das anders.

Ex-Freundin soll vernommen werden

Aktuell hat die Polin keine Chance, nach Deutschland auszureisen, um nach ihrer Rückkehr nach Polen sofort wieder ihren „normalen“ Alltag aufzunehmen. „Sie müsste dann wohl zwei Wochen in Quarantäne“, hieß es am Dienstag im Prozess. Und darauf habe die Polin verständlicherweise keine Lust.

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Die Dortmunder Richter planen deshalb nun zweigleisig. Die Vernehmung der Zeugin wurde auf Mitte Juni verschoben - in der Hoffnung, dass dann tatsächlich eine Möglichkeit besteht, dass die Frau nach Dortmund kommen kann. Für den Fall, dass das dann immer noch nicht möglich sein sollte, wird aber auch über eine Video-Vernehmung nachgedacht.

Kiosk-Angestellte kommen als Zeuginnen

Die Ex-Partnerin ist nicht die einzige Zeugin, die den Richtern die Person des Angeklagten näherbringen soll. Am Dienstag wurden zu diesem Zweck auch zwei Frauen aus Bergkamen vernommen, die den Angeklagten schon seit mehreren Jahren kennen.

Die beiden Schwestern arbeiten schichtweise in einem Kiosk in Oberaden und sagen voller Überzeugung: „Er war bei uns Stammkunde.“ Mindestens zweimal pro Tag, manchmal aber auch noch viel häufiger, sei der 33-Jährige an dem Verkaufsfenster aufgetaucht, um sein „grünes Zeug“ zu kaufen. Was genau er damit meinte, verrieten die Zeuginnen den Prozessbeteiligten auch: Jägermeister.

„Er brauchte den Alkohol“

Beide sollten die Frage beantworten, ob sie der Ansicht waren, dass der Angeklagte den Schnaps wie ein Alkoholiker dringend nötig hatte. Beide antworteten: „Ja, das denke ich schon.“ Der 33-Jährige sei jedoch zu keiner Zeit aggressiv oder unhöflich aufgetreten. „Er war ein netter Typ, ich kann wirklich nichts Negatives über ihn sagen“, sagte die ältere Schwester.

Von den Vergewaltigungsvorwürfen habe sie im Sommer 2019 aber natürlich auch sofort gehört. „Das ging schnell im Ort rum“, sagte die Zeugin. Sie könne aber heute natürlich nicht mehr sagen, ob der Angeklagte auch am Tattag Jägermeister gekauft habe.

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