Vermieter zahlt Rechnung nicht: Lünern droht Gas- und Wassersperre

hzProbleme mit dem Vermieter

In einem Mehrfamilienhaus in Horstmar droht Gas und Wasser abgestellt zu werden. Grund: Der Vermieter bezahlt die Rechnung nicht. Ein Mieter ist deshalb mit 3000 Euro selbst eingesprungen.

Horstmar

, 09.11.2020, 08:30 Uhr / Lesedauer: 3 min

Andreas Ehlandt ist erschüttert: Vor zwei Wochen drohten ihm die Stadtwerke, Gas und Wasser abzustellen, wenn er die Schulden des Vermieters nicht bezahlen würde.

Im Hausflur hing ein Zettel, der auf diesen Umstand hinwies. Von den Rückständen des Vermieters wussten die Mieter des Hauses in der Eduard-Petrat-Straße in Horstmar nichts - nun müssen sie die Schulden zurückzahlen, um nicht mitten in der Heizperiode ohne Gas und Wasser dazustehen.

„12 Parteien leben in dem Haus. Eine Dame ist über 80, wohnt seit 50 Jahren hier. Wir sind die Leidtragenden dafür, dass der Vermieter nicht zahlt, haben unsere Warmmiete immer bezahlt, und sollen jetzt noch für die Schulden des Vermieters bürgen“, ärgert sich der Sozialarbeiter.

Zähneknirschend zahlte Ehlandt 1500 Euro an die Stadtwerke, um das Haus weiterhin am Netz zu halten. Außerdem unterschrieb er einen Vertrag, dass er im Januar weitere 1500 Euro zahle. Von dem Vermieter hörten die Mieter bis dato nichts.

Vermieter ist scheinbar untergetaucht

„Wir haben unsere Nebenkosten gezahlt, und der Vermieter hat sie scheinbar anderweitig verbraten. Telefonisch ist er nicht zu erreichen“, so Ehlandt. Es sei nicht das erste Mal, dass der Vermieter seinen Verpflichtungen nicht nachkäme: „Als neulich die Heizungsanlage defekt war, habe ich einen Handwerker gerufen und die Pumpe für über 300 Euro selber bezahlt. Die Kosten habe ich dann von der Miete zurückbehalten - daraufhin hat sich der Vermieter auch nicht gemeldet.“

Anfang 2018 hätte ein vom Sturm beschädigter Baum im Hof gefällt werden sollen - auch der steht noch. Und seit drei Jahren haben die Ehlandts keine Nebenkostenabrechnung mehr bekommen: „Jetzt weiß ich auch wieso“, meint Andreas Ehlandt verärgert.

Eine Mieterin, die im Dezember ausgezogen ist, habe ihre Kaution nicht zurückbekommen, auch eine Endabnahme habe es in der Wohnung nicht gegeben. Ehlandt geht davon aus, dass der Vermieter komplett untergetaucht sei - und nun sind die Mieter die Leidtragenden.

Zusammen mit zwei weiteren Hausbewohnern hat sich Ehlandt an einen Anwalt gewandt - die Kosten dafür bezahlt er natürlich selbst. Auch auf die Anrufe des Anwaltes habe der Vermieter bislang nicht reagiert. Genauso erging es unserer Redaktion.

Stadtwerke halten sich aus Datenschutzgründen bedeckt

Bei den Stadtwerken fragten wir nach: Ist es üblich, dass die Mieter für den Vermieter bürgen müssen? Kommt so etwas häufiger vor? Hätte man dem kompletten Haus tatsächlich so kurzfristig während der Heizperiode den Gashahn abgedreht, wenn die Mieter die Summe nicht hätten aufbringen können? Planen die Stadtwerke, gegen den eigentlichen Vertragspartner, also den Vermieter, zu klagen?

Dazu wollten sich die Stadtwerke aus Gründen des Datenschutzes nicht äußern - allein der Vermieter sei auskunftsberechtigt

„Zu Ihren Fragen können wir lediglich im Allgemeinen angeben, dass wir – sofern dies die vorliegenden und persönlichen Rahmenbedingungen erlauben – bei Rückständen neben den gesetzlich geregelten Vorgaben stets an einer individuellen Lösungsfindung interessiert sind“, lautete die Antwort auf unsere Anfrage.

Vorgehensweise der Stadtwerke ist rechtmäßig

Aber dürfen die Stadtwerke so rigoros vorgehen? „Ja, das ist durchaus rechtens und kommt leider nicht selten vor“, sagt Markus Roeser, Sprecher des Mietervereins Dortmund, welcher auch Mieter in Lünen betreut.

Rund 100 Fälle dieser Art kommen dem Mieterverein jährlich unter. „Zunächst sollte man den Vermieter schriftlich auffordern, die Rückstände zu begleichen, da eine Versorgungssperre droht. Dafür haben wir Vordrucke“, sagt Roeser.

Zahlt der Vermieter dann nicht, können die Mieter die Miete kürzen oder aber ganz an die Stadtwerke zahlen, um die Schulden bezahlen. Auch Ratenzahlungen sind möglich und individuell mit den Stadtwerken auszuhandeln.

Sind die Rückstände ausgeglichen, können sich die Mieter mit den Stadtwerken darauf verständigen, die Abschlagszahlungen direkt an die Stadtwerke zu zahlen, statt an den Vermieter. Bevor man die Miete kürzt, sollte man ihm dies aber stets schriftlich ankündigen.

Juristen fragen, bevor man Miete kürzt

Doch was ist, wenn der Vermieter untergetaucht ist und man gar nicht weiß, ob die Adresse, die man hat, noch aktuell ist? „Beim Amtsgericht kann jeder das Grundbuch einsehen. Dort sieht man, wer der aktuelle Eigentümer der Immobilie ist und wo er wohnt“, rät Roeser. So könne man sicherstellen, dass die Post auch tatsächlich beim Vermieter ankommt.

Grundsätzlich sei es besser, sich rechtlich abzusichern, bevor man die Miete kürzt oder ganz einbehält - auch das sei im Einzelfall möglich, wenn es kein fließendes Wasser in der Wohnung gibt.

Rechtliche Hilfe gibt es einerseits beim Anwalt, aber auch beim Mieterverein bzw. Mieterschutzbund. Sind Gas und Wasser erst einmal abgestellt, könne man den Vermieter auf Instandsetzung verklagen - wurde jedoch nur angedroht, die Versorgung zu kappen, sieht es juristisch etwas komplizierter aus. Denn theoretisch hätte der Vermieter ja im letzten Moment noch zahlen können.

„Es gibt da keinen pauschale Lösung, das ist vom Einzelfall abhängig und sollte individuell mit einem Profi besprochen werden, bevor man in ein Fettnäpfchen tritt und nachher selber juristisch belangt werden kann“, betont Roeser.

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