Vom „Wachhund“ zum „Modehund“? Dobermänner können in Familien zum Problem werden

hzFamilienhund Dobermann

Wer an Dobermänner denkt, der hat meist das Bild eines Wachhundes vor Augen. Doch der DVG Brambauer sieht mittlerweile eher den Trend zum „Modehund Dobermann“ - zum Unmut der Hundefreunde.

Brambauer

, 14.06.2019 / Lesedauer: 3 min

„Zähnefletschend und bissig“, das denken noch viele über diese Hunderasse. Der DVG (Deutscher Verband Gebrauchshund) Brambauer hat zur Zeit 18 von ihnen im regelmäßigen Training. Gerd Billmann, Leiter des DVG in Brambauer und Jessica Völkering, ebenfalls vom DVG, haben einen ganz anderen Eindruck von der Hunderasse.

„Mittlerweile ist der Dobermann zu einer Art Modehund geworden. Sie sind sportlich und elegant. Oft werden diese Tiere dann aber ins Tierheim gegeben, weil die Halter mit dem Hund überfordert sind. Viele unterschätzen die Anforderungen, die diese Rasse stellt“, erzählt Jessica Völkering. Die Fünffach-Mutter hat auch einen Dobermann. Ihre zweijährige Hündin „Coco“ ist Teil der Familie Völkering. Es seien Hunde, die auch für Familien geeignet sind, denn sie sind kinderlieb.

Vom „Wachhund“ zum „Modehund“? Dobermänner können in Familien zum Problem werden

Dobermann-Dame „Coco" mit ihrem „Rudel“ beim DVG Brambauer. © Schulz-Gahmen

Das sieht auch Gerd Billmann so: „Es kommt immer auf den Halter an. Diese Tiere benötigen viel Bewegung und Aufgaben. Andernfalls sind sie schnell gelangweilt und frustriert. Dann kann es passieren, dass die Hunde aggressiv werden.“ Dass Dobermänner generell gefährlich sind, sei ein Irrglaube. Genauso wie Border Collies oder Australian Shepherds seien diese Tiere Sporthunde. Wer einen Dobermann „schön“ findet, aber kaum Zeit und Ahnung von den anspruchsvollen Tieren hat, der solle lieber die Finger davon lassen. Die 70 bis 80 Zentimeter (Stockmaß) großen Hunde sind richtige Kraftpakete, die bei fehlender Kenntnis im Umgang mit den Tieren auch gefährlich werden können. Ein regelmäßiger Spaziergang sei für diese Hunderasse nicht ausreichend.

Auch das Sozialverhalten, so Billmann, müsse trainiert werden. Das sei wichtig und zwar von klein auf. Wenn das regelmäßig mit einem Trainer durchgeführt wird, dann seien Dobermänner tolle Familienhunde und Freunde. Er kenne aber auch andere Fälle.

Hund übernahm die Macht

Ein junges Pärchen hatte sich einen Dobermann angeschafft. Als der Hund zwei Jahre alt war, waren seine Halter vollkommen überfordert mit dem Tier. „Der Dobermann war nicht erzogen und hatte auch keine Aufgabe oder genügend Bewegung. Dadurch entstand Frust, er knurrte und ging sogar die Schwiegermutter an“, erzählt Jessica Völkering. Gerd Billmann erinnert sich, dass das Pärchen sagte „der Hund hat die Macht im Haus übernommen“.

Um solche Fälle zu vermeiden, sei der DVG Brambauer die richtige Anlaufstelle. Für solche Problemhunde, nicht nur Dobermänner, gebe es beim Verein jeden Freitag die Möglichkeit, sich zu treffen und mit dem Tier zu arbeiten. „Es muss Gott sei Dank nicht alles eingeschläfert werden, oft sind die Hunde noch therapierbar“, erklärt der Vereinsvorsitzende. Sinnvoll sei es in jedem Fall, sich vorher zu überlegen, ob man mit so einem Tier zurecht kommt. „Es gibt auch Leute, die sind schon mit einem Chihuahua überfordert. Und wenn man dann auf einmal ein solches Kraftpaket an der Leine hat, kann es auch mal brenzlich werden“, erklärt Gerd Billmann.

Dobermann Cardiomyopathie

Dazu kommt, dass viele Dobermänner eine Erkrankung haben. Die Dobermann Cardiomyopathie (DCM) ist eine Erkrankung des Herzmuskels und ist nicht heilbar. Jessica Völkering rät daher jedem Halter ab dem dritten Lebensjahr des Hundes, mit ihm regelmäßig zur Untersuchung zu gehen. Das sei ein erheblicher Kostenfaktor, denn pro Untersuchung sollte man mit 250 bis 350 Euro Tierarztkosten rechnen. Auch sei die Lebenserwartung dieser Rasse mit durchschnittlich 7 Jahren nicht sonderlich hoch. Es komme vor, dass aufgrund der DCM ein Hund plötzlich beim Spielen oder Gassi-gehen tot umfalle.

Somit ist bei der Anschaffung eines solchen Tieres tatsächlich einiges zu beachten. Trotzdem sei, sofern die genannten Punkte beherzigt werden, ein Dobermann ein toller Familienhund.

Dobi-DayAm Samstag, 15. Juni, und Sonntag findet beim DVG Brambauer der Dobi-Day statt. Gemeint ist damit ein Tag, der sich rund um Dobermänner dreht. Auch andere Hunderassen und Menschen ohne Hund sind gern gesehen. Von 10 bis 18 Uhr ist jeder eingeladen, vom Interessenten über den Anfänger bis hin zum Profi. Programm:
  • Infos
  • praktische Tipps in Leinenführung
  • Übungen
  • Hunderennen
  • Einsteigerworkshop für Interessierte
Für Verpflegung wird gesorgt. Hunde, die mitgebracht werden, müssen über einen gültigen Impfpass verfügen. Die Adresse lautet: Am Freibad 12 (hinter dem Freibad Brambauer rechts im Wäldchen).
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