Von der Sucht in die Selbsthilfegruppe: 30-jähriger Lüner gibt sich vor Gericht geläutert

hzAmphetaminsucht

Mit Bestellungen im Darknet deckten ein Lüner und seine Freundin ihren Amphetamin-Bedarf. Allerdings wurden zwei Lieferungen vor der Zustellung konfisziert. Das hatte nun Folgen.

von Sylvia Mönnig

Lünen

, 11.12.2019, 18:00 Uhr / Lesedauer: 2 min

Die Preise im „dunklen Bereich“ des Internets waren offenbar zu verlockend. Zudem gab es satte Rabatte – bespielweise die doppelte Menge des Bestellten. Für einen 30-jährigen Lüner und seine bereits verurteilte Freundin ein unschlagbares Argument, ihren Stoff von dort zu beziehen.

Denn ihr Bedarf war in einer Hochphase der Sucht groß und die finanzielle Lage war alles andere als rosig. Doch zwei Lieferungen wurden im Februar und Mai 2018 von der Polizei sichergestellt.

Verdacht auf Drogenhandel

In einem Fall handelte es sich um rund 100 Gramm Amphetamin, beim anderen Mal waren es über 50 Gramm. So geriet das Pärchen in Verdacht, die Drogen nicht nur selbst zu konsumieren, sondern auch Handel damit zu treiben.

Im Prozess vor dem Amtsgericht räumte der 30-Jährige den Erwerb sofort ein. „Es stimmt. Wir haben 50 Gramm pro Person bestellt, weil wir beide stark amphetaminabhängig waren. Es war die günstigste Variante, um an unseren Stoff zu kommen.“ Damals hätten sie nur noch für die Drogen gelebt und immer größere Mengen benötigt. Aber verkauft hätten sie das Amphetamin ganz gewiss nicht.

Verfahren gegen die Freundin brachte die Wende

Das Verfahren gegen seine Freundin, das mit einer Bewährungsstrafe endete, brachte für den Lüner offenbar die Wende: Heute, so betonte er, sei er clean, lebe an einem anderen Ort und habe auch eine Arbeit gefunden. Sein Chef wisse über seine Vergangenheit sogar Bescheid. „Ich wusste, dass es so nicht weitergeht, dass wir uns kaputtmachen.“

Er habe viel gelernt, wolle nun anderen Betroffenen helfen und betreibe deshalb mit einem Freund im Internet eine Art Selbsthilfegruppe. Diese Community solle Abhängigen helfen, clean zu werden. Auch bedauerte er sein damaliges Handeln: „Es tut mir aufrichtig leid.“

Diese Bemühungen und sein offenes Geständnis überzeugten Anklage und Gericht gleichermaßen. Davon völlig unbenommen riet ihm die Vertreterin der Staatsanwaltschaft, vielleicht trotzdem über eine Therapie nachzudenken – für den Fall, dass der „Sirenengesang der Drogen“ erneut zu laut werde.

Urteil: Vier Monate auf Bewährung

Ein Handeltreiben mit Amphetamin oder das Vorhaben ließ sich aus Sicht des Gerichts am Ende nicht feststellen. Strafmildernd fiel außerdem ins Gewicht, dass die Drogen abgefangen wurden und deshalb nicht in Umlauf kamen.

Der Lüner wurde wegen versuchten Erwerbs zu vier Monaten Haft auf Bewährung verurteilt. Es gebe viel Positives, erklärte die Richterin und fügte hinzu: „Bleibt zu hoffen, dass es auch so weitergeht.“

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