Wald-Spaziergang in die Vergangenheit

BRAMBAUER Er suchte Pilze und fand Flugzeugteile. Seitdem ist Heinz-Jürgen Pawelzik zum Hobby-Historiker geworden. Nun will er herausfinden, welches britische Flugzeug im Herbst 1943 über Lippholthausen abgeschossen wurde.

von Von Peter Fiedler

, 07.01.2008, 15:53 Uhr / Lesedauer: 2 min

Fast 65 Jahre später könnten somit  die Hinterbliebene der Besatzung endlich Gewissheit bekommen, wo genau die Soldaten zu Tode kamen. Doch die Spurensuche gestaltet sich schwierig – obwohl Pawelzik zunächst große Hoffnungen hatte. Denn immerhin entdeckte er im Wäldchen unweit des Kanals, etwa im Dreieck zwischen Brambauer- und Brunnenstraße, Teile von Instrumenten und sogar ein Motortypenschild des britischen Bombers.

Botschaft schickte Flugzeugteile zurück

Daraus, so glaubte er, müssten Experten eigentlich schließen können, um welches Flugzeug es sich konkret handelte. Und dann müsste sich ja auch herausfinden lassen, welcher Einheit es zugeordnet war und welche Besatzung darin 1943 flog. Pawelzik schickte die Flugzeugteile an die Britische Botschaft in Berlin. Die antwortete ihm, dass es Teile einer Lancaster-Maschine sind. Wegen unleserlicher Seriennummern auf dem Motorschild sei das Flugzeug aber nicht mehr identifizierbar. Die Botschaft schickte die Teile zurück und riet Pawelzik, sich an den Flugzeugbauer Rolls Royce im englischen Derby zu wenden.

Genaues Datum des Absturzes

Das tat der 61-Jährige. Und erfuhr Konkretes: Danach war der Motor ein Merlin Typ 28, gebaut bei Packard in USA, eingetroffen am 21. Dezember 1942 bei Rolls Royce in England, weitergeschickt am 8. Januar 1943 nach Woodford bei Manchester zum Einbau in eine Lancaster Typ III.

Insgesamt 7377 Lancaster-Bomber wurden produziert, 3020 davon als Typ III, 2377 davon in Woodford. Eine von diesen muss über Lünen abgeschossen worden sein. Nur welche? Da musste auch der „Rolls Royce Heritage Trust“ passen. Die Zuordnung des Motors zu einer bestimmten Maschine sei nicht mehr möglich. Die Experten boten aber an, die Liste der Lancaster III-Verluste aus dem Herbst 1943 durchzusehen. Das genaue Datum des Abschusses könne helfen, den Fall aufzuklären.

Berichte des verstorbenen Vaters

Dieses Datum kennt Pawelzik nicht. Er kennt nur die Berichte seines verstorbenen Vaters, der vom Abschuss des britischen Bombers im Herbst 1943 erzählte. Eine 100 Meter lange und 40 Meter breite Bresche habe das Flugzeug beim Absturz in den Wald geschlagen. Nachdem das Waldstück vor wenigen Jahren abgeholzt und neu bepflanzt wurde, begab sich Pawelzik an die vom Vater beschriebene Stelle. „Ich wollte Pilze suchen und fand die Flugzeugteile“, berichtet er.

In den Akten des Stadtarchivs sind insgesamt vier Flugzeugabschüsse über Lünen vermerkt, davon einer 1943 über Lippholthausen, allerdings nicht im Herbst, sondern am 12. März um 21.40 Uhr. Vielleicht, so hofft Heinz-Jürgen Pawelzik, gibt es unter den Leser noch Menschen, die etwas zur Aufklärung des Abschusses beitragen können. Hinweise an die Redaktion, Tel.(0 23 06) 7 60 40.

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