Birgit Rückert (l), Leiterin eines ambulanten Dienstes, steht mit dem pflegendem Ehemann am Bett einer an Demenz und Parkinson erkrankten Patientin. © picture alliance/dpa (Archiv)
Lüner Pflegedienst

Warum Corona in Lünen nicht nur negative Begleiterscheinungen hat

Corona hat vieles verändert im zwischenmenschlichen Bereich. Auch und gerade in der Pflege. Lüner Pflegekräfte sehen viele negative Folgen, aber auch positive Aspekte kommen zum Vorschein.

Corona – ein Wort, dass die meisten Menschen sofort mit etwas Negativem in Verbindung bringen. So geht es auch Lüner Pflegekräften, die in der Krise die vielen Angehörigen unterstützen, die Pflegebedürftige zuhause versorgen.

Nachdenken über positive Aspekte

Beim gemeinsamen Nachdenken jedoch, kommen tatsächlich auch positive Aspekte zu Tage. Das stellte jetzt Birgit Rückert fest. Die Chefin eines ambulanten Lüner Pflegedienstes, Sprecherin der AG freie häusliche Krankenpflege und Mitglied im Landesverband freie ambulante Krankenpflege NRW, stellte ihren Mitarbeitern die Frage, ob es auch etwas Positives in der Krise gebe.

„Man ist achtsamer geworden – mit sich selber und natürlich noch mehr mit den zu Pflegenden“, so der Tenor der Lüner Pflegekräfte. Man passe mehr auf sich und andere auf. Die Abstands- und Hygieneregeln werden akribisch eingehalten. Und die Folgen dieses „auf sich und andere aufpassen“ sind spürbar.

Krankenstand deutlich niedriger

„Bei uns ist der Krankenstand seit Beginn der Pandemie deutlich gesunken. Es gibt keine Magen-Darm-Infekte, keinen Husten und Schnupfen“, beobachtet Birgit Rückert. Die Masken verhindern ebenso wie das ständige Händewaschen und Desinfizieren solche Infekte.

Für sie ist das bei der Dienstplan-Gestaltung ein ebenso wichtiger Faktor wie nicht stattfindende Feiern. „In der Zeit vor Corona wollten viele beispielsweise schon im März am 30. April abends oder am 1. Mai vormittags keinen Dienst übernehmen. Da es seit 2020 keinen Tanz in den Mai gibt, fällt diese Bitte völlig weg. Das Gleiche gilt für Weihnachten und Silvester.“

Auch sonst hat sich im Privatleben des Pflegepersonals einiges verändert. „Eine Kollegin meinte, ihre Wohnung sei noch nie so sauber gewesen wie in der Pandemie – einfach, weil man ja lange gar nichts draußen unternehmen konnte.“ Sie selbst, so Birgit Rückert, habe die Zeit genutzt, um viel mehr zu lesen.

Doch die positiven Aspekte können die negativen im Bereich der Pflege nicht aufwiegen. „So viele Tränen bei den Pflegebedürftigen haben wir vorher nicht gesehen, wie in der Zeit, als viele Kinder und Enkel ihre kranken älteren Angehörigen nicht besuchen konnten, aus Angst, sie zu infizieren.“

Nur Worte statt Umarmung möglich

Trost konnte da nur von den Pflegediensten kommen. Doch auch der war anders als vor Corona. „Vorher haben wir auch mal die weinenden Menschen in den Arm genommen, jetzt geht das Trösten nur mit Worten.“ Eine Belastung auch für die Mitarbeiter, die die meisten Patienten schon seit vielen Jahren betreuen.

Und Trost war viel nötig. Wegen der Vereinsamung. „Am schlimmsten war es, wenn der langjährige Ehepartner ins Krankenhaus musste und ein Besuch nicht möglich war.“

Weniger Entlastung für Angehörige

Eine weitere Belastung für Angehörige war auch, dass Angebote wie die Tagespflege lange schließen mussten und auch danach nicht alle Plätze zur Verfügung stellen konnten, aufgrund der Abstandsregeln. „Da fehlte eine wichtige Entlastung für pflegende Angehörige“, so Birgit Rückert. Wenn die Pflegebedürftigen einzelne Tage in der Tagespflege verbringen, bleibt für die Angehörige Zeit, auch mal an sich zu denken. Langsam können die Gästezahlen wieder hochgefahren werden, auch weil nahezu alle Tagespflege-Gäste geimpft sind.

Beim Thema Impfen fragt sich Birgit Rückert, wie es mit einer möglichen Auffrischung weiter geht, denn ihre ersten Mitarbeiter sind bereits Anfang des Jahres das zweite Mal geimpft worden. Kritisch sieht sie auch, dass man für eine Antikörper-Bestimmung – um zu testen, ob die Impfung angeschlagen hat – selbst zahlen muss. „Das kann für manche Leute mit kleiner Rente oder für Familien ganz schön ins Geld gehen.“ Dabei wäre es schon wichtig zu wissen, ob man tatsächlich Antikörper gegen die Corona-Viren gebildet habe.

Über die Autorin
Redaktion Lünen
Beate Rottgardt, 1963 in Frankfurt am Main geboren, ist seit 1972 Lünerin. Nach dem Volontariat wurde sie 1987 Redakteurin in Lünen. Schule, Senioren, Kultur sind die Themen, die ihr am Herzen liegen. Genauso wie Begegnungen mit Menschen.
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