Die Immobilienpreise sind gegenüber 2018 in Lünen explodiert. Welche Folgen hat die Preisentwicklung für Hausbesitzer, Kaufinteressenten und Bausparer? Wir haben mit Experten gesprochen.

Lünen

, 28.05.2019, 18:15 Uhr / Lesedauer: 3 min

Der Medianwert für ein gebrauchtes Einfamilienhaus in Lünen liegt 2019 bei 355.000 Euro - 54 Prozent mehr als noch 2018. Die Preise für gebrauchte Reihenhäuser sind laut dem „Markt für Wohnimmobilien 2019“ der Bausparkasse LBS innerhalb eines Jahres um 28 Prozent gestiegen. Kurios: Der Medianwert für gebrauchte Eigentumswohnungen liegt hingegen unverändert bei 1600 Euro pro Quadratmeter.

Dr. Christian Schröder, Pressesprecher der LBS West in Münster, sieht darin nicht zwingend einen Widerspruch: „Unser Wert ist auf eine Hilfsgröße von 80 Quadratmeter gerechnet.“ Tatsächlich seien zurzeit aber kleinere Ein- bis Zwei-Zimmer-Wohnungen gefragt - oder eben deutlich größere Einheiten. „Und da ist der Markt in Lünen derzeit nicht so großartig.“ Entsprechend gering sei die Nachfrage nach der „Zwischengröße“.

Verkäufer stoßen an Grenzen

Unterschiede sieht Schröder hingegen bei den Einfamilien- und Reihenhäusern. „Was Neubauten angeht, sind diese Hausformen zum Beispiel durch Bebauungspläne ziemlich festgelegt.“ Entsprechend beobachte die Bausparkasse hier einen weitaus geringeren Anstieg der Preise: „Die Verkäufer stoßen hier an Grenzen, weil sich die Objekte in Größe, Ausstattung und Grundstück kaum unterscheiden.“

Anders sehe es hingegen bei den gebrauchten Immobilien aus. „Da gibt es große Unterschiede in Größe, Grundstück und Lage.“ Wenn also ein Objekt auf dem Markt ist, dass den Nerv vieler Kunden trifft, sei die Nachfrage entsprechend hoch - und ein Bieterverfahren mittlerweile keine Seltenheit mehr. „Und solange diese Nachfrage so bleibt, werden auch die Preise weiter steigen“. sagt Schröder. Was allerdings nicht heißt, dass es im kommenden Jahr so weiter geht: „Man kann die Nachfrage eben nicht vorhersehen.“

„Schnellschuss ist nicht ratsam“

Fakt ist aber auch: Die momentane Geldpolitik und die daraus resultierende Niedrigzinsphase lassen den Traum von einem Eigenheim für Menschen wahr werden, „die sich das vor zehn Jahren nicht hätten träumen lassen“, erklärt Norbert Mecklenburg, Regionaldirektor der Volksbank Lünen. Hinzu kämen derzeit gute Fördermöglichkeiten wie zum Beispiel das Baukindergeld. Wenig überraschend daher: „In Lünen verzeichnen wir derzeit einen Anstieg der Immobilienfinanzierungen.“

Sind der heiße Markt und das billige Geld also für Kaufinteressenten ein Signal, ihre Pläne möglichst zügig in die Tat umzusetzen? „Ein Schnellschuss ist sicher nicht ratsam“, sagt Norbert Mecklenburg und rät zu einer genauen Analyse: „Was kann ich mir heute leisten, und was will ich mir in 15 Jahren leisten können?“

Wer schon ein Haus besitzt und es verkaufen möchte, kann sich hingegen glücklich schätzen: Die Chance, die Immobilie zu einem guten Kurs zu veräußern, ist hoch. Aber: „Es sind vor allem junge Familien, die sich derzeit für Häuser interessieren.“ Und deren Geduld ist ebenso begrenzt wie die finanziellen Möglichkeiten - ziert sich ein Hausbesitzer oder verlangt plötzlich mehr, könnten die Interessenten schnell abspringen.

Wertsteigerung beeinflusst Hypotheken nicht

Wer schon ein Haus hat und gerade seine Hypothek abbezahlt, kann sich vermutlich glücklich schätzen: Der Wert seiner Immobilie dürfte innerhalb kurzer Zeit deutlich gestiegen sein - wenn die Faktoren passen. Für die Bank als Kreditgeber ist die Wertentwicklung der Immobilie erst einmal uninteressant. Im Fall eines geplatzten Kredits hoffe man natürlich, mit dem Haus noch einen entsprechenden Wert zu erzielen. „Aber so einen Fall wünscht man niemandem, und das ist zumindest bei uns in Lünen in den vergangenen Jahren so nicht

vorgekommen“, sagt Norbert Mecklenburg.

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Bausparen nur mit Weitsicht

Bausparer haben in der Niedrigzinsphase vor allem dann gut lachen, wenn ein hoher Guthabenzins im Vertrag steht. Angesichts des billigen Geldes macht ein neuer Bausparvertrag zur Immobilienfinanzierung kurzfristig keinen Sinn, wie Bodo Gut feststellt: „Beim Bausparvertrag gilt das Motto: Erst der Fleiß, dann der Preis.“ Gut ist Betreiber der Website bausparkassen-vergleich.de und gibt Tipps zur richtigen Finanzierung. „Ein Bausparvertrag macht Sinn, wenn er strategisch für die Zukunft geplant ist.“ So sei der festgeschriebene Darlehenszins eine gute Möglichkeit, um eine Finanzierung nach der Zinsbindung abzulösen. „Wenn ich aber in ein bis vier Jahren eine Immobilie kaufen will, macht das keinen Sinn.“

Auch rät Bodo Gut dazu, ähnlich wie bei Kreditverträgen Annuität und Tilgung nicht zu unterschätzen: „Günstige Zinsen sind die eine Sache, wenn ich aber eine niedrige Tilgung nehme, habe ich dadurch nichts gewonnen.“ Somit bleibe auch der Bausparvertrag - wie bei allen Entscheidungen rund um ein Haus - „am Ende eine Frage des Geldbeutels“.

160 Interessenten für Grundstücks-Verlosung

Einige haben diese Frage für sich in Lünen bereits positiv beantwortet. Nach Angaben von Stadtsprecher Benedikt Spangardt wird bei der Lüner Wirtschaftsförderung „grundsätzlich eine lebhafte Nachfrage festgestellt“, wenn es um private Bauherren geht. Jüngstes Beispiel: die Verlosung von sechs Wohnbaugrundstücken (500 bis 570 Quadratmeter, 370 Euro pro Quadratmeter) an der Bergkampstraße. „Hier liegen uns 22 schriftliche Teilnahmeerklärungen vor“, so Spangardt. Die Interessentenliste habe rund 160 Anfragen umfasst. Die Verlosung findet am 6. Juni statt.

Neben den sechs städtischen Grundstücken in der Bergkampstraße wurden laut Stadtverwaltung auch neun Grundstücke des Wohngebietes Wüstenknapp vollständig vermarktet. Derzeit laufe die Erschließungsplanung für das Wohngebiet Jägerstraße in Lünen-Süd. Wie Stadtsprecher Benedikt Spangardt mitteilt, sind hier 14 Grundstücke geplant. Drei weitere Baugrundstücke könnten in einer Baulücke am Goldammerweg in Niederaden entstehen.
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