Auf Fragen zum Geschäftsverlauf 2018 und den Gehaltssteigerungen reagiert der dreiköpfige Vorstand der Sparkasse an der Lippe verhalten. Er verweist kurz und knapp auf den Geschäftsbericht.

Lünen, Werne, Selm

, 16.08.2019, 04:00 Uhr / Lesedauer: 3 min

Die Sparkasse an der Lippe hat im abgelaufenen Geschäftsjahr 2018 etwas mehr verdient als 2017. Der Jahresüberschuss stieg von 1,5 Millionen Euro (2017) um 100.000 Euro auf 1,6 Millionen Euro (2018). Im Vergleichszeitraum stiegen die Gehälter der drei Sparkassenvorstände ebenfalls an.

Das geht aus dem Geschäftsbericht 2018 des öffentlich-rechtlichen Geldinstituts hervor. Der Bericht ist für jedermann im Bundesanzeiger einsehbar.

Der Fragenkatalog der Redaktion

Auf Basis dieses Geschäftsberichts hatte unsere Redaktion Mitte Juli schriftlich einen Fragenkatalog an den Sparkassenvorstand, in Person an Vorstandschef Thomas Lohmann, per E-Mail gesendet. So wollte die Redaktion unter anderem wissen:

  • Ist der Vorstand mit diesem Ergebnis zufrieden?
  • Wie verlief aus Sicht des Vorstandes das Kreditgeschäft?
  • Die Zahl der Mitarbeiter ist von 357 (2017) auf 342 (2018) gesunken. Was steckt dahinter? (Altersbedingtes Ausscheiden etc.?)
  • Im Vergleich zu 2017 ist das „Grundgehalt“ der Vorstände gestiegen. Die Herren Rautert und Abdinghoff erhielten 8000 bzw. 6000 Euro mehr, Herr Lohmann 49.000 Euro mehr. Wie erklärt sich dieses generelle Plus?
  • Wie lange laufen noch die Verträge der einzelnen Vorstände?
  • Wie hat sich das erste Halbjahr des laufenden Geschäftsjahrs entwickelt?
  • Welches Gewinnziel verfolgt der Vorstand für 2019?

Das Antwortschreiben des Sparkassenvorstands

Die Antwort des Sparkassenvorstands erreichte die Redaktion wenige Tage später auf dem Postweg. In dem großen braunen Briefumschlag steckte ein gedruckter Geschäftsbericht und ein förmliches Anschreiben zu unserer Anfrage. Unterzeichnet ist das Schreiben von Thomas Lohmann, Heiko Rautert und Martin Abdinghoff.

In dem Schreiben heißt es:

„(...) anliegend übersenden wir Ihnen den Geschäftsbericht für das Geschäftsjahr der Sparkasse an der Lippe.
Ihre Fragen hinsichtlich des Geschäftsverlaufs 2018, die Entwicklung einzelner Teilgeschäftsbereiche sowie die Erwartung 2019 können Sie dem geprüften Lagebericht des Vorstands entnehmen.

Zur gesunkenen Anzahl der Mitarbeiter ist Ihre Annahme zutreffend.

Die Vergütung der einzelnen Vorstandsmitglieder entspricht den mit den Vorstandsmitgliedern getroffenen Dienstverträgen, mit einer jeweiligen Laufzeit von 5 Jahren.

Die Bezüge der drei Sparkassenvorstände

Laut Geschäftsbericht haben die drei Sparkassenvorstände in 2018 wie folgt verdient:

  • Das Grundgehalt von Sparkassenchef Thomas Lohmann stieg von 288.000 Euro (2017) um 49.000 Euro auf 337.000 Euro (2018). Mit der erfolgsabhängigen Leistungszulage von 38.000 Euro und der sonstigen Vergütung (Dienstfahrzeug) von 15.000 Euro verdiente Lohmann 2018 unterm Strich 390.000 Euro – nach 343.000 Euro im Jahr 2017.
  • Das Grundgehalt von Heiko Rautert, Sparkassenvorstand und Stellvertreter Lohmanns, stieg von 284.000 Euro (2017) um 8000 Euro auf 292.000 Euro (2018). Mit der erfolgsabhängigen Leistungszulage von 37.000 Euro und der sonstigen Vergütung (Dienstfahrzeug) von 10.000 Euro verdiente Rautert 2018 unterm Strich 339.000 Euro - nach 330.000 Euro im Jahr 2017.
  • Das Grundgehalt von Vorstandsmitglied Martin Abdinghoff stieg von 253.000 Euro (2017) um 6.000 Euro auf 259.000 Euro (2018). Mit der erfolgsabhängigen Leistungszulage von 33.000 Euro und der sonstigen Vergütung (Dienstfahrzeug) von 10.000 Euro verdiente Abdinghoff unterm Strich 302.000 Euro - nach 295.000 Euro im Jahr 2017.
  • Damit stieg die gesamte Vergütung für die drei Vorstände von 968.000 Euro (2017) um 63.000 Euro auf 1.031.000 Euro (2018).

Wie aus dem oben zitierten Antwortschreiben hervorgeht, hüllt sich der Sparkassenvorstand zu der vielfach von Branchenexperten kritisierten Vergütung von Sparkassenchefs in Schweigen.

Im Gespräch mit unserer Redaktion hatte Vorstandschef Thomas Lohmann im August vergangenen Jahres erklärt:

„Meine Vergütung basiert auf meinem Arbeitsvertrag, der sich an den Empfehlungen für Vorstandsmitglieder anlehnt, und das spiegelt den Markt für das Berufsfeld wider.“

In dem Interview hatte Thomas Lohmann außerdem den Gewinnrückgang 2016/2017 um 1,5 Millionen Euro gegen jede Kritik verteidigt.

Keine Ausschüttung an die Kommunen

Von dem Jahresüberschuss 2018 in Höhe von 1.584.161,69 Euro sehen die (Träger-) Städte Lünen, Selm und Werne im Übrigen keinen Cent. Wie aus dem Geschäftsbericht hervorgeht, hat die Zweckverbandsversammlung der Städte beschlossen, den kompletten Überschuss in die Sicherheitsrücklage der Sparkassen einzustellen, so wie im Vorjahr.

Zu den „Erwartungen für 2019“ (Lohmann, Rautert, Abdinghoff) heißt es im Geschäftsbericht: „Die Planung für das Geschäftsjahr 2019 lässt insgesamt erkennen, dass das hinsichtlich Wettbewerbssituation und Zinslage schwieriger werdende Umfeld auch an der Sparkasse nicht spurlos vorübergeht (...). Sollten sich weitere negative Entwicklungen ergeben, werden Maßnahmen ergriffen, die eine Verschlechterung der Vermögens- und Ertragslage vermeiden sollen. (...) Änderungen des Zinsniveaus sowie des Kunden- und Mitbewerberverhaltens können zu einer Anpassung der Konditionen- und Produktpolitik der Sparkasse an der Lippe führen.“

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