Wilde Müllkippen in Lünen: 30 Prozent Steigerung im vergangenen Jahr

hzWBL beklagen Mentalität

30 Prozent mehr wilden Müll als im Vorjahr mussten die WBL 2019 einsammeln. Illegale Müllkippen sind nicht nur schlecht für die Umwelt. Sie kosten Lüner Gebührenzahler viel Geld.

Lünen

, 17.01.2020, 05:30 Uhr / Lesedauer: 2 min

Bezüglich wilder Müllkippen hat Ulrich Wahl eine klare Meinung: „Die Mentalität einiger Bürger, ihren Müll möglichst wohnortnah zu entsorgen, hat zugenommen.“ Als Abteilungsleiter der Stadtreinigung und Stadtbildpflege bei den Wirtschaftsbetrieben Lünen (WBL) weiß Wahl wovon er spricht.

Aufgefallen war diese Tendenz bei den WBL schon 2017. Um dieses Gefühl mit Zahlen untermauern zu können, zählt die WBL seit 2018 die Mengen und die dadurch entstehenden Kosten durch wilde Müllkippen.

Wilde Müllkippen in Lünen: 30 Prozent Steigerung im vergangenen Jahr

Wilde Müllkippen sind ein Ärgernis für die WBL. Elektrogeräte zum Beispiel kann man sogar kostenlos beim Wertstoffhof abgeben. Stefan Jonic aus der Geschäftsführung (l), Ulrich Wahl, Abteilungsleiter der Stadtreinigung (m) und Rainer Evelt (r), Prokurist der WBL, können die Verursacher nicht verstehen. © Matthias Stachelhaus

30 Prozent mehr wilder Müll als 2018

Fast 150 Tonnen illegal abgeladenen Müll mussten Mitarbeiter der WBL 2018 entfernen. Etwas bildlicher gesprochen: „Das entspricht etwa 13 bis 14 Ladungen großer Müllwagen“, sagt Stefan Jonic aus der Geschäftsführung der WBL. Vollgepackt und verpresst. Versteht sich.

Zuständigkeit und Fallzahlen

Hunderte wilde Müllkippen auf Lüner Gebiet

  • Für die Verfolgung von Verursachern wilder Müllkippen sind der Kreis oder die Stadt zuständig. Die Regel: Liegt der Müll auf Privatgelände, ermittelt der Kreis, liegt er auf öffentlichem Boden, ist das Ordnungsamt der Stadt zuständig. Zu Privatgelände zählen zum Beispiel auch Bahndämme und Kanalseitenwege.
  • 59 wilde Müllkippen in Lünen wurden 2019 beim Kreis Unna gemeldet.
  • 505 wilde Müllkippen wurden der Stadt Lünen 2019 über das Bürgertelefon (Tel. 02306/104 20 20) gemeldet. Etwa 50 weitere Meldungen gingen beim Ordnungsamt ein.
  • Die Stadt hat 28 Verfahren gegen die möglichen Verursacher eingeleitet. 15 Mal war man damit erfolgreich.

Für das Jahr 2019 sind die Zahlen noch nicht endgültig berechnet. Aber es wird eine Steigerung geben. Wahl geht derzeit von rund 30 Prozent mehr als 2018 aus.

Die Entsorgungskosten, laut WBL lagen die 2018 bei rund 30.000 Euro, werden damit ebenfalls stark steigen. Wohl um fast 50 Prozent. Geld, das am Ende alle zahlen. Denn die Müllgebühren werden auf die Bürger umgelegt. Im Dezember hatte der Rat der Stadt eine Erhöhung der Müllgebühren für 2020 beschlossen.

Fahrt zum Wertstoffhof zu umständlich?

Dabei kann jeder Lüner seinen Müll zum Wertstoffhof bringen. Gegen entsprechende Gebühren zwar, die sind aber in Summe niedriger als die Sondereinsätze, die die WBL für wilden Müll fahren müssen.

„Man darf das eigentlich nicht laut sagen, aber manchmal wünschte man, die würden den Kram wenigstens auf dem Marktplatz abstellen. Da kommen wir immer noch besser dran als an irgendeinen Abhang oder im Wald“, sagt Ulrich Wahl.

Die Schonung des eigenen Geldbeutels scheint für die Verursacher wilder Müllkippen auch nicht der ausschlaggebende Punkt zu sein. Oft werden laut Jonic auch Fernseher und andere Elektrogeräte so illegal entsorgt. Dabei könnten die kostenlos beim Wertstoffhof abgegeben werden.

Wilde Müllkippen in Lünen: 30 Prozent Steigerung im vergangenen Jahr

Elekrtogeräte, auch Kühlschränke, können auf dem Wertstoffhof der WBL kostenlos abgegeben werden. © Matthias Stachelhaus

Genau wie Verpackungsmaterial mit Grünem Punkt und stoffgleiche Nichtverpackungen in haushaltsüblichen Mengen. Auch dieses sogenannte DSD-Material finden die WBL des Öfteren dort, wo es nicht hingehört.

Für Jonic völlig unverständlich. Denn bis zum Feldweg oder in den Wald müsse das Gerät ja auch mit dem Auto transportiert werden. Der Weg zum Wertstoffhof würde viel Ärger ersparen.

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Längere Öffnungszeiten versprechen kaum Besserung

Machen ungünstige Öffnungszeiten manchen Bürgern da vielleicht das Leben schwer? Nach den Erfahrungen der WBL jedenfalls nicht. An den Tagen mit besonderen Öffnungszeiten – Mittwoch von 9 bis 18 Uhr und Samstag von 8 bis 14 Uhr – nehme der Kundenzulauf schon etwa zwei Stunden vor Schließung deutlich ab, erläutert WBL-Prokurist Rainer Evelt.

Wilde Müllkippen in Lünen: 30 Prozent Steigerung im vergangenen Jahr

Für die Abgabe von Sperrmüll, Restmüll, und Alte Reifen muss man auf dem Lüner Wertstoffhof eine Gebühr bezahlen. © Matthias Stachelhaus

Man überlege, zusätzlich einen Tag mit besonders frühen Öffnungszeiten einzuführen. Besonders viel Hoffnung auf weniger wilden Müll machen sich die WBL-Verantwortlichen aber nicht.

Verursacher kommen oft davon

Auch wenn die Mitarbeiter der Wirtschaftsbetriebe dazu angehalten sind, bei wildem Müll auf mögliche Hinweise zu achten, kommen die Verursacher meist davon. Könne doch einer ausfindig gemacht werden, gibt es kuriose Ausreden. „Dann wird behauptet, dass der Müll geklaut wurde“, sagt Wahl.

Rund 650 wilde Müllkippen auf Lüner Stadtgebiet wurden 2019 bei Verwaltung und Kreis zusammen gemeldet. 28 Verfahren hat die Stadt gegen mögliche Verursacher eingeleitet. 15 Mal war man damit erfolgreich. Der Kreis konnte keine Verfahrenszahl nennen.

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Habhaft wird man den Übeltätern fast nur, wenn man sie auf frischer Tat erwischt. Dann wird es teuer. Es drohen Strafen in vierstelliger Höhe zusätzlich zu den Entsorgungskosten. Da wäre der legale Weg zum Wertstoffhof billiger gewesen.

ÖFFNUNGSZEITEN UND PREISE

MÜLL AUF DEM WERTSTOFFHOF LEGAL ENTSORGEN

  • Kostenpflichtig abgegeben werden können: Sperrmüll (5 € bis 2,0 m³), Grünabfälle (2,50 € bis 0,5 m³), Bauschutt (2,50 € bis 0,1 m³), unbehandeltes Altholz (2,50 € bis 0,1 m³), Tapetenreste (5 € bis 0,5 m³ in Säcken), Altreifen bis max. 5 Stück inkl. Felgen (1,50 €/Stück), Restmüll in Säcken (6 €/Stück, max. 5 Säcke à 100 Liter).
  • Kostenlos abgegeben werden können Altglas, Altpapier, Pappe, Karton, Verpackungsmaterial mit Grünem Punkt und stoffgleiche Nichtverpackungen nach Vorgabe des GWA-Flyers Wertvoll, Altkleider (tragbar), Herbstlaub (von Oktober bis Dezember), Elektrogeräte (auch Kühlgeräte), Energiesparlampen, Leuchtstoffröhren und Korken.
  • Öffnungszeiten des Wertstoffhofs an der Josef-Rethmann-Straße 2 : Mo, Di, Do, Fr: 9 bis 16 Uhr; Mi: 9 bis 18 Uhr; Sa: 8 bis 14 Uhr.
  • Weitere Infos auf der Homepage der WBL: www.wirtschaftsbetriebe.de
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