Wer in Lünen alles vom Wegfall 1000 öffentlich geförderter Wohnungen profitiert

hzJetzt mal unter uns

Muss der Rückgang von bezahlbarem Wohnraum automatisch negative Folgen für Lünen haben? Mitnichten, findet unser Autor und hat eine (nicht ganz ernst gemeinte) Liste mit Gewinnern erstellt.

Lünen

, 29.06.2019 / Lesedauer: 3 min

Mehr als 1000 öffentlich geförderte Wohnungen fallen demnächst aus der Preisbindung. Das setzt eine Entwicklung in Gang, bei der es am Ende nur Gewinner gibt:

1. Die Eigentümer

Mindestens 20 Jahre lang konnten sie mit ihren Wohnungen nichts weiter machen, als Miete zu kassieren. Gerade zum Ende hin wurde die Sache immer lästiger, weil sich die Anrufe der Mieter häuften: Defekte Heizung, Wasserrohrbruch, Schimmel in der Küche - das bedeutete stets viel Aufwand, aber rein gar keinen Ertrag, weil die Miete ja immer gleich blieb. Nun aber ergibt es endlich Sinn, in die Bude zu investieren - neues Bad, neue Küche und ein Aufzug. Es findet sich unter Garantie jemand, der die um 100 Prozent erhöhte Miete zahlt.

2. Die Handwerker

1000 Wohnungen, in denen knapp 20 Jahre lang wenn überhaupt nur das nötigste zu tun war - und die nun endlich auf ihre Frischzellenkur warten. Für das kommende Jahr sollten sich alle Betriebe besser gleich mehrere Auftragsbücher zulegen. Und weil es kaum noch Fachpersonal gibt, gestalten sich die Verhandlungen über die Gage relativ einfach.

3. Die Stadt

Dank der neuen Situation besteht nun die Möglichkeit, ganze Stadtviertel neu zu planen. Natürlich kann die Verwaltung das nicht alles selbst übernehmen - so weit reicht der öffentliche Einfluss dann doch nicht. Aber die Vergangenheit hat gezeigt, dass konstruktive Gespräche mit Immobilienbesitzern stets den gewünschten Effekt hatten. Und zur Not kann man einem Investor die Gentrifizierung eines bisher eher prekären Viertels zum Beispiel durch die Zugabe städtischer Parklandschaften schmackhaft machen.

4. Die Politik

Wenn ein Szenario wie dieses am Horizont droht, kann es nur eine Reaktion geben: Ein neues Konzept. Die Politik wird überlegen und diskutieren, um am Ende ein fertiges Papier vorzulegen, das exakt zu der Situation passt, die Investoren währenddessen geschaffen haben. Und dann darf jeder eine Rede halten, die mit dem Satz schließt: „Wir haben gemeinsam den Weg in eine bessere Zukunft bereitet.“

5. Die Mieter

Auf den ersten Blick könnte man natürlich glauben, dass die Mieter zu den großen Verlierern zählen. Aber es gibt selbst nach dem Wegfall der 1000 Einheiten immer noch 4100 öffentlich geförderte Wohnungen in der Lippestadt. Dazu kommen die Häuser, deren Eigentümer aus Prinzip die Renovierung verweigern - und die 60 Quadratmeter anstatt an zwei lieber direkt an 20 Personen vermieten. So kommt man nicht nur an eine günstige Wohnung, sondern lernt gleich neue Leute kennen. Gerade hier besteht in Lünen noch reichlich Potenzial, sofern es keine weiteren außerplanmäßigen Überprüfungen gibt.

Einmal in der Woche sprechen die Mitglieder der Redaktion „mal unter uns“ über Themen, die sie und Lünen beschäftigen. Mal hitzig, mal pointiert, mal einfach geradeaus - aber immer bereit, sich der Diskussion zu stellen.
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