Weniger Kohle, mehr Baustoffe: Hafen segelt in unruhigem Fahrwasser

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Durch die Stilllegung von Kraftwerken wurde im Lüner Stadthafen 2019 spürbar weniger Kohle verladen. Andere Produkte sind im Aufwind. Doch zurzeit ist die Situation schwierig.

Lünen

, 10.04.2020, 16:33 Uhr / Lesedauer: 2 min

Landesweit haben die Binnenhäfen im vergangenen Jahr ihr Ergebnis um 1 Prozent steigern können. Der Lüner Stadthafen am Datteln-Hamm-Kanal konnte diese Zahl toppen: Die Hafenkräne bewegten 992.000 Tonnen Güter und damit 12,76 Prozent mehr als 2018. Damals wurden 879.000 Tonnen verladen.

Wie Sprecherin Jasmin Teuteberg auf Anfrage mitteilt, profitiert der Stadthafen von steigenden Umschlagszahlen bei den Bau- und Ersatzstoffen. Dazu zählen Gips, Granulat und Wasserbausteine. „Besonders Gips erreicht uns aktuell vermehrt aus Ostdeutschland und Osteuropa“, so Teuteberg.

Stilllegung von Kraftwerken wirkt sich aus

Allerdings hätten die Stilllegung des Steag-Kraftwerks Lünen und des Gersteinwerks in Werne-Stockum Spuren in der Hafenbilanz hinterlassen: Der Umschlag bei Gütern wie Flugasche, Kohle und Recycling sei zwischen 12 und 37 Prozent eingebrochen. Weitgehend habe das durch den steigenden Umschlag von Bau- und Ersatzstoffe ausgeglichen werden können. Doch der Hafenbetrieb habe mit einer weiteren Entwicklung zu kämpfen: Kohlekraftwerke bleiben immer länger vom Netz, weil erneuerbare Energien vorrangig eingespeist werden. Das führe dazu, so Teuteberg, dass Güter wie Gips, Flugasche und Kohle spürbar zurückgegangen seien.

Keine Zukunftsprognose

Der Hafen, eine Tochter der Stadtwerke Lünen GmbH, ist momentan in schwerem Fahrwasser unterwegs. Durch die Corona-Pandemie und die teils drastischen wirtschaftlichen Einschränkungen ließe sich kaum eine Aussage oder Prognose zur weiteren wirtschaftlichen Entwicklung formulieren, erklärt Jasmin Teuteberg. Die Betriebsleitung des Hafens bewerte die aktuelle Situation täglich neu und stelle sich so flexibel wie möglich darauf ein.

Am Stadthafen werden Güter von Schiffen auf Züge oder LKW verladen.

Am Stadthafen werden Güter von Schiffen auf Züge oder LKW verladen. © Goldstein

Aktuell verfrachte der Stadthafen Lünen im Monat zwischen 40.000 und 60.000 Tonnen Güter. Die Ladung kommt per Schiff und wird auf Züge oder LKW weiter verladen. Der Stadthafen hat einen eigenen Gleisanschluss.

Drei Lüner Häfen steigerten Umschlag

Das Landesamt für Statistik, IT NRW, listet in seiner Bilanz für 2019 steigende Umschlagszahlen auf. Die drei Lüner Häfen, der Stadthafen, der Stummhafen und der Hafen am Tanklager, hätten im Jahr 2018 2,4 Millionen Tonnen Güter umgeschlagen. Im vergangenen Jahr waren es 2,6 Millionen Tonnen. Das beziffert IT NRW mit einer Steigerung von 6,5 Prozent.

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