Wenn ein Hakenkreuz an der Wand hängt: Darum gibt es den Extremismus-Fachtag für Erzieher

hz„Lünen bewegt Bildung“

Abfällige Sprüche aus der rechten Ecke und Eltern, die Pullis mit rechtsradikalen Sprüchen tragen - das erleben Kita-Erzieher in Lünen. Wie sie damit umgehen sollen, erfahren sie demnächst.

Lünen

, 05.08.2019, 11:55 Uhr / Lesedauer: 2 min

Eltern holen ihr Kind aus der Kita ab, sehen andere Kinder mit Migrationshintergrund und lassen abfällige Sprüche los. Eine Erzieherin bekommt das mit und fragt sich, wie sie reagieren soll. Einfach die Sprüche überhören oder darauf antworten. Und - sind solche abfälligen Bemerkungen gegen Menschen anderer Herkunft schon rechtsextrem?

Szenen, die in Lüner Kitas durchaus nicht selten sind. Und es passieren auch noch extremere Dinge.

Derzeit gibt es wenig Informationen für Erzieher

So entdeckte eine Mitarbeiterin der Stadt bei einem Beratungsgespräch, dass Eltern ein Hakenkreuz an der Wand hängen haben. Andere Eltern tauchen mit Pullis auf, auf denen rechtsextreme Sprüche stehen.

„Leider ist die Angebotspalette an Infos für Erzieher und Mitarbeiter von Ämtern, wie sie mit solchen Fällen umgehen, sehr überschaubar“, so Dr. Eva-Maria Lauckner. Die Koordinatorin von „Lünen bewegt Bildung“ bietet deshalb eine besondere Veranstaltung für Menschen, die in Kitas arbeiten oder die Familien während der Schwangerschaft und nach der Geburt betreuen.

Es wird am 7. Oktober einen „Fachtag Extremismus“ in Lünen geben, an dem Referenten, die sich mit den Themen auskennen, über den Umgang mit Rechtsextremismus und gewaltbereitem Salafismus informieren.

sechs Handlungsfelder

Das ist „Lünen bewegt bildung“

  • Zu „Lünen bewegt Bildung“ gehören sechs Handlungsfelder, die sich an Lebensphasen orientieren.
  • Handlungsfeld 1 hat den Titel „Schwangerschaft, Familie, Kita“, Nr.2 kümmert sich um den Übergang von Kita zur Grundschule, Nr. 3 um den Übergang von Grundschule zu weiterführenden Schulen.
  • Nr. 4 dreht sich um den Übergang von Schule in den Beruf, Nr. 5 um Beruf und Weiterbildung und Nr. 6 um den Übergang in den Ruhestand, also lebenslanges Lernen.
  • Dr. Eva-Maria Lauckner ist Koordinatorin von „Lünen bewegt Bildung“ und arbeitet mit den je zwei Netzwerk-Managern der Handlungsfelder zusammen.
  • Jeweils ein Mitarbeiter der Stadt und einer von außen sind die Netzwerk-Manager. Elke Hörnemann und eine Mitarbeiterin einer Schwangerschaftsberatung kümmern sich um Handlungsfeld 1, je eine Kita-Leitung der Stadt und eines kirchlichen Trägers um Handlungsfeld 2.

„Wir haben den gewaltbereiten Salafismus dazu genommen, weil dessen Auswirkungen denen des Rechtsextremismus ähneln“, so Lauckner.

Die ultrakonservative Strömung innerhalb des Islam hat offenbar auch Anhänger in Lünen. Auch hier gab es schon ähnliche Vorfälle in Kitas. „Den Eltern, die sich dafür begeistern, geht es auch um den Sendungsgedanken. Deshalb schicken sie ihre Kinder auch in Kitas“, so Lauckner.

Weil das Thema mit der Kita-Zeit nicht beendet ist, will die Koordinatorin einen solchen Extremismus-Fachtag im kommenden Jahr auch für Pädagogen in Grund- und weiterführenden Schulen anbieten.

Flüchtlingskinder werden auf der Straße beleidigt

Man habe auch immer wieder beobachtet, dass Kinder aus Flüchtlingsfamilien von Rechtsextremen auf der Straße beleidigt werden. Die Kinder sind dann hilflos, wissen nicht, wie sie darauf reagieren, an wen sie sich wenden können.

Beim ersten Fachtag im Oktober haben die Teilnehmer auch die Möglichkeit, nach den Input-Vorträgen am Vormittag nachmittags an Workshops teilzunehmen, in denen es um die praktische Arbeit und Auseinandersetzung mit extremen Einstellungen geht.

Frühkindliche Phase prägend fürs ganze Leben

Vorgänger war im vergangenen Jahr ein Fachtag zur interkulturellen Kompetenz und Sensibilität. Jetzt geht es auch darum, wie man nun mit Kindern, die aus Elternhäusern mit extremen rechten oder salafistischen Überzeugungen kommen, umgehen soll.

„Wichtig ist für die Teilnehmer, dass sie nach dem Fachtag wissen, an welche Fachleute sie sich wenden können und dass sie darauf sensibilisiert werden, zu reagieren, wenn ihnen etwas komisch vorkommt“, sagt die Koordinatorin.

Da die frühkindliche Phase das Prägende fürs Leben ist, will man auch früh ansetzen, sagt Elke Hörnemann von der Koordinierungsstelle Frühe Hilfen.

Interesse bei den Mitarbeitern ist vorhanden

Man wolle die Kinder zum Denken anregen und dazu, Fragen zu stellen. Dazu müssen die Erzieher und die Sozialarbeiter entsprechend gestärkt werden, damit sie ihre Positionen vertreten, wenn sie mit extremen Gedankengut konfrontiert werden, so Lauckner. Die ersten Infos, dass es den Fachtag gibt, sind schon an Mitarbeiter von Kitas und auch Hebammen rausgegangen. Hörnemann: „Wir haben auch schon Rückmeldungen bekommen, das Interesse ist auf jeden Fall vorhanden.“

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