Seit 70 Jahren gibt es das Shaggy´s in Lünen nun schon. Und immer hat der Standort mitten im Wohngebiet für Unruhe gesorgt, meint Betreiber Musa Özer. Mit einer Verschiebung der Sperrzeit wollte er das ändern. © Kristina Gerstenmaier
Nachtleben

Wirt aus Lünen wünscht sich Aufhebung der Sperrstunde – damit es ruhiger wird

Wenn um fünf Uhr morgens die Gäste aus dem Shaggy`s strömen, wird es laut. Das sei nur der Sperrstunde geschuldet, bemängelt Inhaber Musa Özer. Dabei war das bis vor kurzem noch anders.

Musa Özer, Betreiber der Gaststätte Shaggy´s wünscht sich für seine Kneipe eine Verschiebung der Sperrstunde. Denn um fünf Uhr morgens haben alle Lüner Gaststätten zu schließen. Um sechs könnten sie theoretisch wieder öffnen; dann endet offiziell die Nachtruhe. So will es das NRW-Gesetz. Das sieht allerdings auch vor, dass die örtlichen Ordnungsbehörden selbst über die Sperrzeit entscheiden können. In Dortmund zum Beispiel gibt es keine Sperrzeit. Özer sagt: „Die Sperrstunde zum Beispiel in die Mittagszeit zu verschieben oder sogar ganz aufzuheben, liegt im Ermessen der Kommune. Aber die Verantwortlichen wollen nicht.“


Kneipe für Absacker

Musa Özer nennt sein Lokal eine „Kneipe für Absacker“. Vor allem jüngere Leute kämen zu ihm. Es ist eine der wenigen Kneipen überhaupt in Lünen. An drei Tagen die Woche hat er geöffnet: mittwochs, freitags und samstags. „Hier treffen sich Studenten und junge Leute und die kommen oft noch spät, zum Beispiel wenn sie nachts aus Dortmund zurückkommen“, erzählt er. Wenn er dann um fünf Uhr morgens die Bar schließen muss, strömten alle 40 bis 60 Menschen, die bis dahin noch nicht nach Hause gegangen sind, gemeinsam nach draußen. Zu Nicht-Coronazeiten zumindest.

Aktuell lässt er nach Corona-Auflagen nur etwa 20 Leute in die Kneipe. Der Rest bleibt vor der Tür. „Das verursacht Lärm und sorgt für Beschwerden“, erzählt der Wirt. „Das würde ich gerne vermeiden.“ Wenn er das Shaggy´s nicht um fünf Uhr schließen müsste, würden die Besucher nicht alle auf einmal die Kneipe verlassen, sondern vereinzelt, was erheblich ruhiger ablaufen würde. Dabei spricht er allerdings von einer Öffnung der Bar ohne Corona-Auflagen.

Außerdem sagt er: „Gerade jetzt nach dieser schweren Corona-Zeit müsste man doch eigentlich die Gastronomen unterstützen. Ein, zwei Stunden mehr würden sich schon lohnen.“ Deswegen hat Özer nun einen Antrag an den Ausschuss für Sicherheit und Ordnung auf Verschiebung der Sperrzeit gestellt. „Aufgrund der Pandemie habe ich erhebliche Umsatzeinbußen“, schreibt er darin. „Es wäre schön, wenn die Sperrstunde in die Mittagszeit verlegt werden könnte. Gerne in der Zeit zwischen 11 Uhr bis 12 Uhr.

Kein öffentliches Bedürfnis

Am Mittwoch (16.6.) entschied der Ausschuss darüber: Der Antrag wurde abgelehnt. Die Begründung: Nach § 3 Abs. 6 Gewerberechtsverordnung muss für eine Aufhebung der Sperrzeit ein öffentliches Bedürfnis oder ein besonderes örtliches Verhältnis vorliegen, heißt es von Seiten der Stadt Lünen. „Beide Kriterien sehen die Verwaltung und die Mehrheit der Ausschussmitglieder in der Lokalität nicht erfüllt“, erklärt Stadt-Sprecher Alexander Dziedeck.

„Die Stadt kann das selbst entscheiden und Ausnahmen dürfen gemacht werden“, ärgert sich Özer, „aber die möchten das nicht.“ Der Beweis dafür: Musa Özer betreibt das Shaggy´s seit inzwischen 14 Jahren. „Zehn oder elf Jahre lang war das mit der Sperrstunde anders“, sagt er. Bis Sommer vergangenen Jahres. Da wurde die so genannte Sperrzeitenverschiebung aufgehoben.

Mit seinem Antrag möchte Özer die Entscheidung lediglich rückgängig machen. Denn seit der Aufhebung häuften sich die Beschwerden. „Mit der Sperrstundenverschiebung lief das eindeutig besser“, sagt er. Aktuell ist er sogar mit einem Gerichtsverfahren wegen Ruhestörung konfrontiert. „Aber ich kann doch dagegen gar nichts machen, wenn sich die Leute vor meinem Lokal aufhalten. Und daran ändert doch auch die Sperrstunde nichts.“

Aus Lünen wegzugehen, zum Beispiel nach Dortmund, wo es keine Sperrstunde gibt, kann sich der Gastwirt aber nicht vorstellen: Das Objekt ist sein Eigentum.

Über die Autorin
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In und um Stuttgart aufgewachsen, in Mittelhessen Studienjahre verbracht und schließlich im Ruhrgebiet gestrandet treibt Kristina Gerstenmaier vor allem eine ausgeprägte Neugier. Im Lokalen wird die am besten befriedigt, findet sie.
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