Wochenmarkt in Lünen: In Zeiten des Coronavirus wird offenbar wieder frisch gekocht

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Thomas Fränzer ist mit Leib und Seele Händler auf dem Wochenmarkt. Auch in Zeiten, in denen das Coronavirus vieles verändert, bieten er und seine Familie weiter Obst und Gemüse in Lünen an.

Lünen

, 30.03.2020, 18:30 Uhr / Lesedauer: 2 min

Seine gute Laune hat Thomas Fränzer nicht verloren. Trotz aller schlechten Nachrichten über die Ausbreitung des Coronavirus. Der 57-Jährige steht seit Jahrzehnten mit seinem Stand auf dem Lüner Wochenmarkt, bietet Obst, Gemüse und frische Eier an. Auch in der Corona-Krise hat sich daran nichts geändert. Sonst aber eine ganze Menge auf dem Lüner Wochenmarkt vor dem Rathaus.

„Alle Stände, die keine Lebensmittel anbieten, verkaufen derzeit nicht mehr. Vergangene Woche fehlten auch die Blumenhändler, aber seit Sonntag dürfen sie wieder verkaufen und sind nun auch wieder dabei“, erzählt Fränzer.

Mit zwei Metern Abstand im Halbkreis

Der Marktplatz ist am Dienstag und Freitag halb leer, weil alle Stände, die keine Lebensmittel und Blumen verkaufen, Zwangspause haben. Der Platz ist trotzdem voll - denn die Kunden brauchen wegen der angeordneten Distanz mehr Raum.

Ein großes Lob spricht Fränzer den Kunden aus: „Die allermeisten sind sehr diszipliniert, finden sich mit je zwei Metern Abstand im Halbkreis vor den Ständen ein.“ Aber es gebe immer noch ein paar wenige, die den Ernst der Lage noch nicht sehen und die die Händler dann auch auf den notwendigen Abstand hinweisen müssen.

Die Obstfrau von Andrzej Irzykowski dient jetzt als Hinweisgeber - der Appell ist klar: Abstand halten.

Die Obstfrau von Andrzej Irzykowski dient jetzt als Hinweisgeber - der Appell ist klar: Abstand halten. © Goldstein

Der Abstand zwischen Händlern und Kunden ist gewahrt - zwischen ihnen befindet sich der Stand. „Meine Frau und meine Tochter haben ein Schild geschrieben, auf dem steht ,seid nett und haltet Abstand`.“ Selbstbedienung gibt es in diesen Zeiten nicht. Fränzer: „Wir haben auch erst überlegt, Plexiglas zu montieren, aber der Abstand reicht auch so.“ Seine Frau Monika hat hinter dem Stand Handwaschbecken angebracht, damit die Mitarbeiter sich die Hände zwischendurch waschen können. „Mundschutz ist bei uns freiwillig.“ Einmalhandschuhe werden verwendet.

Mundschutz aus dem Asienurlaub mitgebracht

Thomas und Monika Fränzer sind mit dem Thema Coronavirus schon in ihrem Urlaub konfrontiert worden: „Wir sind am 18. Februar aus Südostasien zurück gekommen und haben uns gewundert, dass hier das Coronavirus noch gar nicht so ein großes Thema war. Weil das in Südostasien ganz anders war, haben wir uns schon mal von dort Mundschutz mitgebracht.“

Stände und Waren sorgen auf dem Wochenmarkt für den nötigen Abstand.

Stände und Waren sorgen auf dem Wochenmarkt für den nötigen Abstand. © Goldstein

Fränzer glaubt, dass in diesen Zeiten wieder mehr frisch gekocht wird: „Die Leute kaufen viel Gemüse. Exotisches ist nicht sehr gefragt.“ Dagegen verlangen die Kunden in den vergangenen zwei Wochen vor allem Eier und Kartoffeln: „Wahrscheinlich gibt es häufig Bratkartoffeln und Spiegeleier,“ vermutet der erfahrene Markthändler.

Ältere Kunden nutzen den Lieferservice

Viele Stammkunden kommen zu Fränzers Stand. Aber auch viele neue Kunden, die dort einkaufen. Fränzer vermutet, dass es daran liegt, „dass wir an der frischen Luft sind, dass es mit dem Abstand klappt und wir auch mal Spaß machen.“ Die Leute seien verunsichert, da seien solche humorvollen Bemerkungen schon wichtig.

Ältere Stammkunden kommen nicht mehr, müssen aber auch Obst und Gemüse von Fränzer nicht verzichten. „Wir bieten seit über 30 Jahren Lieferservice. Normalerweise nutzen den Schulen und Kitas, nun rufen viele ältere Leute an und bestellen.“

Stände und Waren sorgen auf dem Wochenmarkt für den nötigen Abstand.

Stände und Waren sorgen auf dem Wochenmarkt für den nötigen Abstand. © Goldstein

Ein Problem der verbliebenen Markthändler wurde am Dienstag gelöst. Ringsherum war keine einzige Toilette verfügbar. Die umliegenden Restaurants sind zu, auch das Rathaus öffnet nicht. Dazu die Pressestelle der Stadt: „Das Rathaus ist aus dem Grund geschlossen, weil wir uns und andere schützen wollen. Mit der Öffnung des Rathauses für Toilettengänger konterkarieren wir dieses Sicherheitskonzept.“

Am Dienstag war auch die öffentliche Toilette im Parkhaus geschlossen. Telefonisch fragten die Händler beim Marktmeister der Stadt nach, der dann diese Toilette öffnete. Das sei zwar etwas umständlich gewesen, habe aber funktioniert.

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