Wolfram Kuschke wird 70: Feier fällt anders aus wegen des Coronavirus

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Als Politiker war Wolfram Kuschke ebenso vielseitig engagiert wie nun im Un-Ruhestand. Über Herzensangelegenheiten und Europa in der Corona-Krise sprach Kuschke vor seinem runden Geburtstag.

Lünen

, 05.04.2020, 11:00 Uhr / Lesedauer: 3 min

Wolfram Kuschke war viele Jahre Vollzeit-Politiker. Seit 2012 ist er zwar in Politiker-Rente, aber noch vielseitig in und um Lünen engagiert. Ob in der Bürgermeister-Harzer-Stiftung, der Europa-Union oder dem Westfälischen Literaturbüro. Am 9. April wird der gebürtige Sauerländer und Wahl-Lüner 70. Dazu haben wir mit Kuschke gesprochen - über Pläne und Engagement.

Wie wollten Sie Ihren runden Geburtstag feiern und wie werden Sie ihn jetzt begehen?

Eigentlich wollte ich mit meiner Frau, Tochter, Schwiegersohn, den beiden Enkelinnen, meiner Schwester und meinem ältesten und besten Freund nach Juist fahren. Das ist sozusagen unsere persönliche „Osterinsel“. Wir machen da Spaziergänge am Strand oder um den Hammersee und meine Frau zitiert Goethes Osterspaziergang. Das klappt jetzt alles natürlich nicht. Ich werde also an meinem Geburtstag mit meiner Frau frühstücken, wir kochen uns was Schönes, werden mit lieben Menschen telefonieren. Aber wir sind gesund, das ist das Wichtigste.

Schöne Szene am Rande einer der Wahlgebietskonferenz: „Opa" Wolfram „Kuschke, Lüner Landtagsabgeordneter, kam mit seinem Enkelkind und gab ihm die Flasche.

Schöne Szene am Rande einer der Wahlgebietskonferenz: „Opa" Wolfram „Kuschke, Lüner Landtagsabgeordneter, kam mit seinem Enkelkind und gab ihm die Flasche. © Fiedler (A)

Ihre beiden Enkelinnen dürfen ja wahrscheinlich Opa und Oma derzeit nicht besuchen. Wie halten Sie Kontakt?

Die Familie meiner Tochter lebt in Karlsruhe. Jeden Tag um 14 Uhr geb ich meiner älteren Enkelin (11) eine Geschichtsstunde übers Internet. Gerade sind wir bei der römischen Geschichte. Das klappt alles gut, die Lehrerin verschickt Aufgaben per Mail. Meine Frau erzählt täglich der Kleineren (8) Geschichten per Videogespräch.

Welches Ihrer politischen Ämter war Ihnen im Rückblick das liebste und warum?

Da muss ich abwägen zwischen der Zeit als Landtagsabgeordneter und der als Regierungspräsident. Aber es waren wohl die 21 Jahre im Landtag. Weil diese Zeit so vielfältig war - hier vor Ort die Menschen, Vereine und Themen und in Düsseldorf die Ausschüsse und Sitzungen. Regierungspräsident in Arnsberg war ich vier Jahre, Minister dreieinhalb Jahre lang.

Die damalige Ministerpräsidentin Hannelore Kraft bei der Übergabe des Ordens an Wolfram Kuschke.

Die damalige Ministerpräsidentin Hannelore Kraft bei der Übergabe des Ordens an Wolfram Kuschke. © Ralph Sondermann

Sie engagieren sich ja in der Europa-Union. Glauben Sie, dass die derzeitige Corona-Krise einem Vereinten Europa mehr Zusammenhalt bringt?

Ich hoffe, dass wir uns in Europa doch noch in den nächsten Wochen näher zusammen kommen. Im Moment beobachte ich allerdings eher ein Auseinanderdriften. Die Grenzen zu schließen war wahrscheinlich notwendig, aber das Ganze ohne Absprachen zu tun, war nicht gut für Europa. Gesundheitspolitik war eine meiner Schwerpunkte und ich denke, wir sollten den Gesundheitsbereich auch europäisch anpacken. Denn dieser, jetzt durch die Corona-Krise sichtbare Versorgungsunterschied ist nicht hinnehmbar.

In der Bürgermeister-Harzer-Stiftung fördern Sie auch viele Projekte. Was bedeutet Ihnen das Projekt „Kinder der Turnstunde“?

Die „Kinder der Turnstunde“ sind für mich ein echtes Herzensprojekt geworden - aus verschiedenen Gründen. Die Idee von Filmemacher Michael Kupczyk war fantastisch. Die Umsetzung stellte sich dann als nicht so einfach heraus. Aber es ist ihm gelungen, zwei Zeitzeugen zu finden, die vorher nie über die Ereignisse gesprochen haben, nicht mal mit ihren Familien, und die dann vor der Kamera erzählt haben. Inzwischen haben wir auch eine App zum Film entwickelt. Zusammen mit dem Sparkassen- und Giroverband in Münster wollen wir überlegen, ob man das Ganze nicht regional weiter entwickeln kann. Wir sind auch stolz, dass der Film nun auch in der Holocaust-Gedenkstätte Yad Vashem in Israel gezeigt wird - dafür haben wir ihn mit hebräischen Untertiteln versehen.

Wolfram Kuschke (v.l.) von der Bürgermeister-Harzer-Stiftung, Regisseur Michael Kupczyk, Kathrin Bessert und Mike Wiedemann bei der Premiere von „Die Kinder der Turnstunde“.

Wolfram Kuschke (v.l.) von der Bürgermeister-Harzer-Stiftung, Regisseur Michael Kupczyk, Kathrin Bessert und Mike Wiedemann bei der Premiere von „Die Kinder der Turnstunde“. © Günter Blaszczyk

Auch dem Lüner Kinofest sind Sie seit vielen Jahren verbunden. Mit welchem Schauspieler würden Sie gerne einmal einen Film drehen - und welches Genre?

Da denke ich sofort an einen Schauspieler, den ich schon längere Zeit kenne und der mittlerweile ein Freund geworden ist - Joe Bausch. Ihn kenne ich schon seit der Zeit, als er mit dem Theater-Pathologischen Institut (TPI) im Hilpert-Theater auf der Bühne stand. Ich finde es ganz wunderbar, dass dieser Kontakt gehalten hat. Mit Joe Bausch würde ich einen Film drehen, der sich löst vom Krimi-Genre, denn er kann viel mehr darstellen als den Gerichtsmediziner im „Tatort“.

Traditioneller Empfang im Rahmen der Berlinale - auf Anregung von Wolfram Kuschke (hier mit dem damaligen Staatssekretär Michael Mertes und Dr. Anke Höwing vom Kinofest-Komitee)  jedes Jahr in der Landesvertretung NRW in Berlin.

Traditioneller Empfang im Rahmen der Berlinale - auf Anregung von Wolfram Kuschke (hier mit dem damaligen Staatssekretär Michael Mertes und Dr. Anke Höwing vom Kinofest-Komitee) jedes Jahr in der Landesvertretung NRW in Berlin. © Frank Bock (A)

Apropos Krimi - das Krimi-Festival „Mord am Hellweg“ unterstützen sie ebenfalls. Bücher welcher Krimi-Autoren lesen Sie besonders gerne?

Momentan lese ich gerade den neuesten Krimi von Arne Dahl. Ich habe eine Vorliebe für skandinavische Autoren. Wie Jussi Adler-Olsen, der ja eine besondere Sympathie für Lünen hat. Sehr schön finde ich auch, dass dass wir vom Festival noch den leider mittlerweile verstorbenen Henning Mankell mit dem Europäischen Krimipreis auszeichnen konnten. Ich lese auch gerne Bücher der französischen Autorin Fred Vargas, die ins Mystische gehen, aber auch von Simon Beckett und Sebastian Fitzek. Ich freue mich aber auch auf den letzten Teil der Trilogie von Hilary Mantel über Thomas Cromwell.

Applaus für die Bestsellerautorin Tess Gerritsen (r.) bei ihrer Lesung im Rahmen von „Mord am Hellweg“ von Geiger Jörg Widmoser, Sigrun Krauß und Wolfram Kuschke (v.l.).

Applaus für die Bestsellerautorin Tess Gerritsen (r.) bei ihrer Lesung im Rahmen von „Mord am Hellweg“ von Geiger Jörg Widmoser, Sigrun Krauß und Wolfram Kuschke (v.l.). © Günther Goldstein

Wird denn das Festival wie geplant stattfinden können?

Das Westfälische Literaturbüro ist in einer schwierigen Situation wegen der Corona-Krise. Noch sind nicht alle Verträge abgeschlossen und viele Verlage sind etwas zurückhaltend. Wir planen aber weiter in der Hoffnung, dass ab September alles wie geplant stattfinden kann. Es ist ja das 10. Festival und da hatten wir einiges Besonderes geplant.

Was wünschen Sie sich zu ihrem 70. Geburtstag?

Dass Familie, Freunde, Bekannte und mich eingeschlossen auch diese Krise überstehen. Und dass auch der nächste Geburtstag kommt - mit der Möglichkeit, alles nachzuholen.

  • Wolfram Kuschke ist am 9. April 1950 in Menden geboren. 21 Jahre lang war er für die SPD Landtagsabgeordneter in Düsseldorf. 1972 war er in die SPD eingetreten.
  • Kuschke studierte Neuere und Mittlere Geschichte sowie Politikwissenschaft in Münster. Von 1977 an war Kuschke als freier Mitarbeiter in der Erwachsenenbildung und von 1979 bis 1981 als Pädagogischer Mitarbeiter in Bielefeld tätig. Von 1981 bis 1983 war er als wissenschaftlicher Mitarbeiter an der Ruhr-Universität Bochum beschäftigt, wo sich von 1983 bis 1985 eine Tätigkeit als Lehrbeauftragter anschloss.
  • Kuschke war von 1998 bis 2002 Regierungspräsident des Regierungsbezirks Arnsberg sowie von 2002 bis 2004 Minister im Geschäftsbereich des Ministerpräsidenten und von 2004 bis 2005 Minister für Bundes-, Europaangelegenheiten und Medien des Landes Nordrhein-Westfalen.
  • Kuschke engagiert sich in der Europa-Union, im Westfälischen Literaturbüro Unna und der Bürgermeister-Harzer-Stiftung.
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