Paketzusteller auf Motorhaube: Streit zwischen zwei Männern eskaliert

hzAmtsgericht Lünen

Dass gleich zwei Paketzusteller am 26. September letzten Jahres auf der Wehrenboldstraße in Wethmar standen und den Verkehr blockierten, ärgerte einen 51-jährigen Autofahrer sehr. Mit Folgen.

von Jana Peuckert

Wethmar

, 27.02.2020, 09:30 Uhr / Lesedauer: 2 min

Der Ärger war riesengroß bei dem 51-jährigen Mann am 26. September vergangenen Jahres, als gleich zwei Paketzusteller auf der Wehrenboldstraße standen und so den anderen Verkehr blockierten. Er hielt an und geriet mit einem der Boten in ein Wortgefecht. Schließlich stieg der Mann wieder in seinen Wagen und fuhr davon.

Der Mann wendete seinen Wagen, und kam zurück

Die Situation ließ ihm aber keine Ruhe. Und so wendete er, um ein Foto vom Zusteller zu machen. Im Amtsgericht Lünen, wo der Mann wegen gefährlicher Körperverletzung und Straßenverkehrsgefährdung zu einer Geldstrafe von 950 Euro (monatliches Nettoeinkommen etwa 750 Euro) verurteilt wurde, erklärte er, dass er durch das Bild Gewissensbisse beim Fahrer hervorrufen wollte. Das habe bei ihm als Lkw-Fahrer auch schon gewirkt.

Inzwischen war der Bote auf der Straße Auf dem Sande angelangt. Der Angeklagte, bereit, ein Foto zu machen, sah sein Opfer auf der Straße stehen, im Begriff, ebenfalls ein Bild von seinem Gegenüber zu schießen. Der 51-Jährige hielt mit dem Fahrzeug auf den Boten zu und erwischte ihn. Der 33-Jährige warf sich auf die Motorhaube des Angeklagten und hielt sich an den Scheibenwischern fest. Der 51-Jährige fuhr vor, zurück, und bremste, bis der Geschädigte von der Haube sprang.

Zusteller hat Glück und verletzt sich nur am Knie leicht

Der hatte Glück im Unglück, kam mit einer leichten Verletzung am Knie davon. Im Gericht gab der Angeklagte an, den Zusteller nicht absichtlich angefahren zu haben. Vielmehr habe er sich ein Stück aus der Autotür gelehnt, sodass sich ein Bein im, und das andere außerhalb des Fahrzeug befunden hätte. „Der Wagen muss dann irgendwie weiter gefahren sein“, versuchte der Lüner die Vorwärtsbewegung zu erklären. Berührt habe er den Zusteller nicht: „Ich bin vor ihm zum Stehen gekommen.“ Dann habe sich der 33-Jährige auf seine Motorhaube geworfen.

Zwei Augenzeugen, die das Geschehen beobachtet hatten, sagten übereinstimmend aus, dass der Angeklagte vorsätzlich gehandelt hätte. „Es war ein bewusstes Auffahren, definitiv“, gab ein 30-Jähriger an. Durch lautes Gebrüll und Hupen sei er auf die Situation aufmerksam geworden. „Es wurde gehupt, es wurde gepöbelt, aber von beiden Seiten“, erklärte der Zeuge. Der Angeklagte habe den Motor hochgedreht. Beim Losfahren seien die Reifen durchgedreht. Eine, wie vom 51-Jährigen beschriebene, offene Fahrertür habe er nicht gesehen, so der 30-Jährige. Jedenfalls habe der Zusteller plötzlich auf der Motorhaube gelegen und sich festgehalten. Der Angeklagte sei dann vor und zurück gefahren und habe eine Bremsung hingelegt.

Um Schlimmeres zu verhindern, seien er und sein Kollege dann dazwischen gegangen. Der Angeklagte habe direkt gesagt, dass es ihm leid täte und er nicht wüsste, was da in ihn gefahren sei. Der Kollege des Zeugen habe schließlich die Polizei gerufen. Diese entzog dem 51-Jährigen die Fahrerlaubnis, wodurch der Mann seinen Job als Lkw-Fahrer verlor.

Gericht: „Absichtlich und bewusst“

Nun verhängte die Richterin noch ein sechsmonatiges Fahrverbot. „Sie wollten Verkehrserziehung praktizieren“, erklärte sie in der Urteilsbegründung. Für die Vorsitzende stand fest, dass der Lüner aus Verärgerung gezielt auf den Paketzusteller zugefahren war. „Das war alles absichtlich und bewusst.“ Und das mit einem Pkw, der im Sinne des Gesetzes eine ganz, ganz schwerwiegende Waffe darstelle. Der Angeklagte nahm das Urteil sofort an. Rechtskräftig ist es dennoch nicht, da es sich bei dem Vertreter der Staatsanwaltschaft um einen Referendar handelte, der keinen Rechtsmittelverzicht erklären darf.

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