Zeugin im Vergewaltigungs-Prozess: „Von dieser Seite kenne ich ihn nicht“

hzVergewaltigung in Oberaden

Das Dortmunder Landgericht hat am Montag die Partnerin des mutmaßlichen Vergewaltigers einer 15-jährigen Schülerin in Oberaden als Zeugin vernommen. Die Frau versteht die Welt nicht mehr.

Oberaden, Lünen

, 13.07.2020, 18:45 Uhr / Lesedauer: 2 min

Der 33-jährige Angeklagte hat nach anfänglichem Zögern inzwischen gestanden, das Mädchen im Juli 2019 auf dem Heimweg überfallen, brutal geschlagen und vergewaltigt zu haben. Für seine langjährige Lebensgefährtin ist das noch immer nicht zu begreifen. „Für mich ist das alles unvorstellbar“, sagte die Zeugin am Montag im Prozess vor der 36. Strafkammer aus. „Von dieser Seite kenne ich ihn gar nicht.“

Liebevoll und hilfsbereit

Nach Angaben der Zeugin ist der Angeklagte immer ein liebevoller und hilfsbereiter Mensch gewesen. Ausgerastet sei er nie. „Er war der Mensch, der am liebsten die Welt gerettet hätte.“ Jetzt steht die Zeugin jedoch vor den Trümmern einer Beziehung, von der sie hoffte, sie würde für immer halten. „Die Kinder haben viele Fragen und ich keine Antworten. Das tut weh“, sagte die Frau.

Trotz der nun zugegebenen Vergewaltigung der 15-Jährigen und trotz des ebenso eingestandenen sexuellen Übergriffs auf eine weitere Frau in Kamen im Jahr 2012 will die Zeugin den Angeklagten aber nicht gänzlich aufgeben. „Er ist mir halt nicht egal“, sagte sie am Montag. Sie habe ihn bereits in der Untersuchungshaft besucht und werde das auch weiterhin tun.

Besuche im Gefängnis

Möglicherweise ist der Alkohol ein Schlüssel zum Verständnis der brutalen Ausraster. Mehrere Zeugen haben berichtet, dass der 33-Jährige zuletzt sehr viel getrunken hat. Unter anderem hatten zwei Schwestern, die in einem Kiosk in der Nähe des Wohnorts des Angeklagten arbeiten, erzählt, der Mann sei mehrmals täglich gekommen, um sich Alkohol zu kaufen. Seine Lebensgefährtin hat allerdings nichts davon mitbekommen. Und auch das bereitet ihr nun sichtlich Kopfzerbrechen.

Sie frage sich, warum der Angeklagte nicht mit ihr geredet habe und warum er immer wieder Schnaps und Bier getrunken habe, wenn sie bei der Arbeit war, sagte sie am Montag. Antworten hat die Zeugin auch in diesem Fall nicht bekommen. „Er hat es einfach vor mir versteckt, und das ärgert mich schon“, sagte die Bergkamenerin den Richtern.

Ex-Freundin soll kommen

Unterdessen versuchen die Richter weiterhin, auch eine frühere Lebensgefährtin des 33-Jährigen als Zeugin vernehmen zu können. Da die Frau jedoch inzwischen wieder in Polen lebt, gestaltet sich dieses Vorhaben als schwierig.

Auch sie soll gefragt werden, ob sie etwas über sexuelle Phantasien und Gewaltneigungen des Angeklagten erzählen könne. Die am Montag vernommene Zeugin hatte dazu eine eindeutige Meinung. „Bei uns war alles ganz normal“, sagte sie. „Gewalt spielte bei uns nie eine Rolle - weder im Schlafzimmer noch im alltäglichen Umgang miteinander.“

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