Die Gesundheitsminister haben den Astrazeneca-Impfstoff aus der Priorisierung herausgenommen. © dpa
Coronavirus

Zweitimpfung Astrazeneca: „Thrombose-Risiko wie Chance auf Lotto-Gewinn“

Nach der Erstimpfung mit Astrazeneca stellt sich vielen die Frage nach der Zweitimpfung. Das Thrombose-Risiko ist gering. Eine Pauschalempfehlung geben auch Lüner Ärzte aber nicht.

Mitte März erhielt Sabine Stickdorn ihre erste Corona-Schutzimpfung. Der verabreichte Wirkstoff von Astrazeneca verschaffte der 57-jährigen Erzieherin in der katholischen Kita St. Gottfried Erleichterung. „Vor der Impfung hatte ich Angst vor einer Corona-Infektion. Wir arbeiten mit Kindern aus rund 30 Haushalten und anderen Mitarbeitenden zusammen“, sagt die Asthmatikerin.

Erzieherin arbeitete mit Angst vor Corona-Infektion

Man wisse schließlich auch nicht, wie ernst die Familien die Kontaktbeschränkungen nehmen. Wenig später, Ende März, empfahl die Ständige Impfkommission (Stiko), den Wirkstoff von Astrazeneca für Menschen unter 60 Jahren nicht mehr zu verwenden. Mehrere Fälle einer Sinusvenenthrombose im Gehirn – einer davon in Lünen – seien der Grund. Sie waren im Zusammenhang mit der Impfung aufgetreten.

Nebenwirkung nach Astrazeneca-Impfung: „Ich lag flach“

Auch Stickdorn habe nach der Erstimpfung Nebenwirkungen verspürt. „Ich lag flach“, erinnert sie sich. „Trotzdem habe ich mich nicht unsicher oder unwohl gefühlt.“ Nun – Ende Mai – steht der zweite Impftermin bei ihr im Kalender.

Für Stickdorn, die anderen Mitarbeitenden in den Kitas der Pfarrei St. Marien in Lünen sowie alle anderen Menschen die ihre Erstimpfung mit Astrazeneca-erhalten stellt sich die Frage nach dem Impfstoff für die zweite Dosis: Biontech, Moderna oder doch nochmal Astrazeneca? Stickdorn weiß mittlerweile, dass sich bei ihrer zweiten Impfung das Vakzin von Biontech in der Spritze befinden wird.

Bedenken, dass die kombinierten Impfstoffe nicht ihren vollen Schutz entfalten, hat die Erzieherin nicht. „Ich habe mich informiert. Die Fachleute klangen positiv, deshalb verlasse ich mich auf die Forschung – alles ist besser, als mit Covid-19 auf der Intensivstation zu landen“, meint sie.

Dass eine Impfstoffkombination – beispielsweise Astrazeneca und Biontech – den gleichen hohen Impfschutz wie eine zweifache Astrazeneca-Impfung aufweist, ist jedoch nicht gesichert. Dazu gebe es noch keine wissenschaftlichen Studienergebnisse, sagt Dr. Berthold Lenfers, Leiter des Covid-19-Koordinationsstabes im Klinikum Lünen-Werne. „Ein gleichwertiger Impferfolg ist nicht gesichert“, sagt er.

Thrombose-Fälle traten nur nach Erstimpfung auf

Gleichzeitig relativiert Lenfers eine mögliche Sorge vor der zweiten Astrazeneca-Impfung: „Es ist zu mehreren Thrombose-Fällen gekommen. Diese sind aber nur nach der ersten Impfung aufgetreten.“ Zusätzlich verweist er darauf, dass diese Fälle bislang sehr selten sind. „Das Thrombose-Risiko ist ähnlich hoch wie die Chance auf einen Sechser im Lotto.“

Man müsse das bestehende Risiko bei einer Impfung in Relation zu den Risiken im alltäglichen Leben setzen. „Eine Frau, die die Pille regelmäßig einnimmt und raucht, hat ein 15- bis 20-mal höheres Thrombose-Risiko als nach einer Astrazeneca-Impfung“, erklärt Lenfers. Welcher Impfstoff denn nun besser geeignet ist, lasse sich nicht pauschal beantworten.

Er rät die persönlichen Risikofaktoren abzuwägen. „Da ist es am besten, vorher mit der Hausärztin oder dem Hausarzt zu sprechen oder dies im Impfzentrum zu tun.“ Gleiches empfiehlt auch Dr. Arne Krüger, Vorsitzender des Lüner Ärztevereins. „Für jede Patientin oder jeden Patienten bleibt es eine individuelle Entscheidung“, sagt er.

Ein kleines Restrisiko bleibe aber immer – ob in Form einer Sinusvenenthrombose oder eines geringeren Impfschutzes. Mit sehr großer Wahrscheinlichkeit schützt eine Impfung jedoch vor einer schweren Corona-Infektion und einem möglichen Aufenthalt auf der Intensivstation.

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