Zwischen Kohle und Klimazielen: Das Dilemma der Lippestadt

hzKommentar zur Europawahl

Auch in Lünen gibt es eine Mehrheit für Umwelt-Themen. Unser Autor meint: Wer spätestens aus dieser Wahl nicht die richtigen Schlüsse zieht, braucht bei der nächsten gar nicht mehr antreten.

Lünen

, 27.05.2019, 17:02 Uhr / Lesedauer: 2 min

Den Wert eines Ergebnisses kann man am besten an der Reaktion der Gegner festmachen. Und wer beobachtet, wie die Grünen nach ihrem Wahlsieg vor allem auf dem sozialen Netzwerk Facebook angegriffen werden, der weiß: Diese Partei hat nicht nur die richtigen Themen besetzt, sondern ihre Gegner haben diesem Programm außer Hass und Hetze nichts entgegenzusetzen.

Das ist fast noch ein größeres Armutszeugnis als die Tatsache, dass vor allem im Lüner Süden viele Wähler einer Partei ihre Stimme gegeben haben, die nichts anderes kann, außer unter Missachtung der Menschenwürde gegen ihre Gegner und jeden, der anders denkt, zu Felde zu ziehen. Umso besser, dass Themem wie Umwelt und Nachhaltigkeit bei dieser Wahl Angst und Hass deutlich besiegt haben. Das ist ein gutes Zeichen, für Europa genauso wie für Lünen. Aber eben auch eine Mahnung, wachsam zu sein. Die nächste Provokation kommt bestimmt.

Grüne hatten bisher leichtes Spiel

Und was macht die Lippestadt nun mit dem Dilemma? Auf der einen Seite braucht sie Gewerbegebiete, ist an einem Kohlekraftwerk beteiligt und will für Unternehmen attraktiv sein. Andererseits hat der Wähler klar vorgegeben, in welche Richtung die Politik zu gehen hat - und diese Richtung ist mit den voran genannten Zielen nur sehr schwer zu vereinbaren. Es dürfte spannend sein, wie die Parteien bis zur Kommunalwahl - und darüber hinaus - die Wählerinnen und Wähler überzeugen wollen, dass sie die passende Lösungen parat haben.

Natürlich ist es mitnichten so, dass die Grünen nun der Heilsbringer sind. Sie haben die richtigen Themen gesetzt, ja. Aber ihre Lösungsansätze sind sicher diskussionswürdig - wenn es denn passende Gegenvorschläge gibt. Bisher haben die anderen Parteien ihre Energie vor allem darauf verwendet, die Angst in der Bevölkerung vor den Grünen zu schüren. Entsprechend leichtes Spiel hatte die Umweltpartei bisher - wer an der Loyalität der Wählerinnen und Wähler zweifelt, muss sich nur mal die Teilnehmerzahlen von Fridays-for-future anschauen.

Vielleicht geht dem Gegner ein Licht auf

Möglicherweise geht dem demokratischen politischen Gegner aber doch noch ein Licht auf, und er kommt auf die Idee, konstruktive Gegenvorschläge zu machen. Dieser Herausforderung müssen sich die Grünen auch in Lünen stellen - möglicherweise. Fest steht bisher: Sollten die Parteien, allen voran CDU und SPD, jetzt immer noch nicht kapiert haben, worum es den Menschen in der Stadt und im Land geht, brauchen sie bei den nächsten Wahlen eigentlich nicht mehr anzutreten. Und das wäre, auch im Sinne der Demokratie, sehr bedauerlich.

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