Kriminalfall im TV

Überfall auf Pfarrer in Marl in „Aktenzeichen XY“ – „Es war ein Kasperletheater“

Am Mittwochabend war der Raubüberfall auf Pfarrer Ulrich Müller ein Thema in der TV-Sendung „Aktenzeichen XY... ungelöst“. Dem Pastor aus Marl hat wenig gefallen, was er gesehen hat.
Rudi Cerne (Foto links) berichtet in der Sendung „Aktenzeichen XY ungelöst“ über den Raubüberfall auf Pfarrer Müller (Foto rechts) in Marl.
Der bewaffnete Überfall auf den Marler Pfarrer Ulrich Müller (re.) war am Mittwoch ein Fall in "Aktenzeichen XY" mit Moderator Rudi Cerne. © Sina Schuldt/dpa/Möller

Für die Sendung, in der ungeklärte Kriminalfälle thematisiert werden, wurde dieses Mal auch der skurrile Raubüberfall auf Ulrich Müller nachgestellt. Er ist der leitende Pfarrer der katholischen Großgemeinde St. Franziskus.

Rückblick: Am 21. April 2021, 17 Uhr, klingelt es an der Tür seines Pfarrhauses in Sickingmühle. Vor der Tür steht ein vermummter Mann und hält Ulrich Müller eine Pistole vor die Nase. Der Unbekannte bedroht den Pastor und fordert Geld aus dem Tresor. Der Räuber behauptet, er habe drei Kinder und werde von Russen erpresst. Man würde ihm den Finger abschneiden, wenn er nicht bezahle.

Ulrich Müller hat keinen Tresorschlüssel und gibt dem Täter 100 Euro aus seinem eigenen Geldbeutel. Den Mann erkennt er bei dem Überfall sogar wieder. Er hat den Seelsorger bereits zuvor mehrfach um Geld gebeten. Auch dass die Pistole nicht echt war, hat der Pfarrer schnell erkannt. Ulrich Müller geht zunächst nicht zur Polizei und verabredet sich stattdessen mit dem Unbekannten, um mehr über dessen Notlage zu erfahren. Doch der kommt nicht zum Treffpunkt. Erst nachdem er dazu gedrängt wird, meldet der Pastor den Fall der Polizei.

Der Pfarrer – eine Figur voller Klischees

Der Fall wurde am Mittwoch im Fernsehen nachgespielt. Aus Ulrich Müller wurde der Pfarrer Gregor Wagner, aus der bescheiden anmutenden Sickingmühler Pfarrkirche ein üppig ausgestatteter reich verzierter Kirchenbau.

Auch Ulrich Müller hat die Fernsehsendung am Mittwochabend erfolgt – zusammen mit vielen Gemeindemitgliedern im Biergarten an der Barbarakirche. „Die Leute haben sich bei diesem Beitrag schlapp gelacht“, sagt er am Tag nach der Ausstrahlung. „Es wirkte auf uns wie ein Kasperletheater – vor allem, wenn man die anderen Fälle in der Sendung gesehen hat, in denen es um so schlimme Verbrechen ging.“ Gestört hat ihn besonders die Figur des Pfarrers im TV-Beitrag. „Der kam wie eine Karikatur rüber – voller Klischees.“ Alles in allem hätte man sich den Beitrag sparen können, so Ulrich Müller.

Schon während der Sendung liefen aber am Mittwochabend erste neue Hinweise zur Tat bei der Polizei ein. „Es haben sich weitere Anrufer gemeldet, alle Hinweise werden nun ausgewertet“, erklärt Corinna Kutschke, Sprecherin der Polizei in Recklinghausen.

Für den betroffenen Pfarrer Müller bleibt aber ein fader Nachgeschmack. Aus der Sicht des Seelsorgers steht hinter dem Vorwurf der Bedrohung zurück, dass ein Mensch aus einer Notsituation gehandelt haben könnte. Corinna Kutschke weist daraufhin: „Es war eine Straftat, die geahndet werden muss.“ Auch um Nachahmer abzuschrecken, dürfe man einen solchen Fall nicht verharmlosen.

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