In seinem Windkanal versucht Hansen (67) das Profil von Modellflugzeug-Flügeln zu optimieren. © privat
Aerodynamik

Airbus-Ingenieur aus Borken hat sich seinen eigenen Windkanal gebaut

Der aus Borken stammende Luftfahrt-Ingenieur Heinz Hansen hat sich einen eigenen Windkanal gebaut, um auch in seinem Ruhestand seiner Leidenschaft nachgehen zu können: der Aerodynamik.

Sein Hobby und seine Leidenschaft zu seinem Beruf zu machen, ist das eine. Heinz Hansen ist da schon einen Schritt weiter. Seine jahrzehntelange Erfahrung als Luftfahrt-Ingenieur bei Airbus nutzt er als „Hobbyist“ im Ruhestand. Der aus Marbeck stammende Hansen (67) hat sich in seiner norddeutschen Wahlheimat einen eigenen Windkanal gebaut.

Erster Alleinflug mit 14 am Borkener Fliegerberg

In einer Scheune in Ahausen, zwölf Kilometer von seinem Wohnort Leeste bei Bremen entfernt, hat sich der Aerodynamik-Experte eine Anlage aufgebaut, wie sie in Deutschland wohl kaum ein anderer Privatmann hat. Hightech Marke Eigenbau. „Meine Garage war zu klein dafür“, sagt Hansen mit einem Lächeln.

Mit dem Windkanal wolle er natürlich nicht Airbus Konkurrenz machen, sondern in kleinerem Maßstab das testen, berechnen und nachvollziehen, womit er sich in seiner aktiven Berufszeit schon intensiv beschäftigt hat. Hansen leitete bei dem Luftfahrtkonzern ein Entwicklungs-Team, das sich mit der Anwendung der sogenannten Laminar-Technologie beschäftigt. Dieser physikalische Effekt werde in der Segelfliegerei schon lange erfolgreich angewandt, erklärt der Ingenieur, dessen fliegerischen Anfänge genau hier liegen. Den ersten Alleinflug hatte er mit 14 Jahren am Borkener Fliegerberg.

Auf der Suche nach dem perfekten Flügel

Bei seinen Untersuchungen geht es darum, eine laminare und somit widerstandsarme Strömung um die Flügel zu erzeugen. Sein Ziel definiert Hansen so: „Flügelprofile für Modellflugzeuge zu entwerfen und zu vermessen und sie dann mit diesen Ergebnissen weiterzuentwickeln.“

In einer Scheune hat der pensionierte Airbus-Ingenieur Heinz Hansen seine eigene Versuchsanlage aufgebaut. privat
In einer Scheune hat der pensionierte Airbus-Ingenieur Heinz Hansen seine eigene Versuchsanlage aufgebaut. privat © privat © privat

Bei den relativ kleinen Geschwindigkeiten von maximal 45 Metern pro Sekunde würden spezielle Strömungsphänomene auftreten, die er sehr gut in seinem Kanal untersuchen könne. Hansen hat zwei Jahre lang an dem 6,20 Meter langen Gerät herumgetüftelt und dafür hauptsächlich Holz, Plexiglas und V2A-Stahl verwendet. Hinzu kommt die Messtechnik. Für Profis: digitale Wägezellen, digitaler Druckaufnehmer, Grenzschichtbeobachtung, IR-Kamera, Nachlaufmessung, Strömungsbeobachtung mit Fädchen und Rauchfäden.

Apropos Rauch: Um die Strömung in dem 30 mal 40 Zentimeter großen Messquerschnitt sichtbar zu machen, gehört ein handelsüblicher Disconebel-Generator zur Apparatur. Die Kunst besteht darin, den Rauch in möglichst dünnen Fäden durch den Kanal zu bekommen. Die Luft darin wird übrigens nicht gepustet, sondern gesaugt.

Ähnliche Werte wie Uni-Labore

Hansen und seine Frau Anne, die die Regler bedient, arbeiten mit einem vermessenen Referenzflügel, der auch in Profi-Laboren verwendet wird. Der aus Balserholz gefertigte Flügel lässt sich von außen bewegen, so dass der Anstellwinkel verändert werden kann. Aus den so aufgezeichneten Widerstands- und Auftriebswerten lassen sich Erkenntnisse für den perfekten Modellflugzeug-Flügel gewinnen. „Weil sich die Lage des Flügels im Raum also stets ändert, ändern sich auch die Kräfte“, erklärt Hansen.

Und siehe da: Die Werte, die er ermittelt habe, ähnelten denen, die an den Unis Stuttgart sowie in Delft sowie in Illinois Profis gemessen hätten. Und das trotz viel kostspieligerer Technik. In seinen Windkanal habe er alles in allem 8000 Euro gesteckt. „Aber ganz ehrlich: Ich hab‘s noch nicht zusammengerechnet“, sagt Hansen. Sehr froh und stolz ist er darüber, dass er von einem Optik-Unternehmen eine hochsensible Infrarot-Kamera (Kostenpunkt: 42.000 Euro) habe leihweise nutzen dürfen. Dadurch würde die laminare Schicht des Flügel nochmal auf besondere Weise sichtbar.

Das Strömungsverhalten von Osterhasen

Damit das Testen auf Dauer nicht zu monoton wird, erlaubt sich Hansen ab und zu ein Spässchen. Neulich habe man zu Ostern mal einen Osterhasen mit flatternden Stoffohren in den Windkanal gestellt, umströmen lassen und die Aufnahme als Grußkarte an Freunde geschickt.

Ein bisschen Spaß muss sein: Zu Ostern setzte Hansen einen Hasen mit Stoffohren in den Windkanal und nutzte das Foto als Grußkarte.
Ein bisschen Spaß muss sein: Zu Ostern setzte Hansen einen Hasen mit Stoffohren in den Windkanal und nutzte das Foto als Grußkarte. © privat © privat

Auch seine beiden anderen Ruhestandsprojekte waren eher spaßorientiert. Hansen baute sich ein elektrisches Surfbrett und testete es als Windsurfer, der er neben dem Flieger-Dasein auch noch ist, natürlich selbst. Und beim Fun-Flugwettbewerb eines österreichischen Brauseherstellers gewannen sein Team und er den ersten Preis mit einem Flieger – ein Nachbau der Junkers Ju33, die als erstes Flugzeug von Bremen nach Amerika flog.

Nach Borken kommt Hansen immer wieder gern zurück: zum Verwandtenbesuch und um alte Fliegerfreunde in Hoxfeld wiederzusehen. Seinen turnusmäßigen Überprüfungsflug habe er neulich von dort aus gestartet. Coronakonform mit Maske im Cockpit.

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