Stellten sich den kritischen Fragen der Bürger zum geplanten Windpark in Goxel: Stadtbaurat Thomas Backes (o.l.), Stadtplaner Ludger Schmitz (u.r.) und Tancu Mahmout vom Planungsbüro VDH (u.l.). Nicole Pöppelmann protokollierte die Sitzung. © AZ Coesfeld
Coesfeld

Digitale Bürgerversammlung: Widerstand gegen geplante Windkraftanlage

Hätte die Bürgerversammlung zum geplanten Windpark in Coesfeld-Goxel in Präsenz stattgefunden, wäre es wohl laut geworden. Die massive Kritik seitens der Bürger wurde aber auch online deutlich.

Bereits im September 2016 hatte der Coesfelder Rat beschlossen, sechs Bebauungspläne aufzustellen, um „die Parkkonfiguration zu steuern“, wie es in der Präsentation der Stadt heißt.

Geplant waren zunächst drei Anlagen, doch eine fiel bereits 2017 nach Bedenken der Unteren Naturschutzbehörde wegen des Uhus aus den Plänen heraus. Ganz aufgeben wollte die Stadt das Vorhaben jedoch nicht, wie Stadtplaner Ludger Schmitz erläuterte. 2018 beschloss der Rat eine Veränderungssperre und das Festhalten an der Bauleitplanung.

Tancu Mahmout vom Planungsbüro VDH, der sich mit Stadtbaurat Thomas Backes und Stadtplaner Ludger Schmitz den kritischen Fragen stellte, legte bei der Online-Bürgerversammlung die Fakten auf den Tisch:

Artenschutz

Wegen verschiedener Arten wie Kiebitz, Feldlerche oder Wespenbussard müssen Ausgleichs- oder Ablenkungsflächen geschaffen werden. So ist im Kuhlenvenn beispielsweise an drei Bäumen ein Kunsthorst für den Baumfalken anzubringen.

Lärmemission

Die Lautstärke werde laut Mahmout als „realistischer Maximalwert“ mit 108,1 Dezibel angesetzt. Nach mehrfacher Kritik, dies komme schon dem Lärm eines „Düsenjets“ gleich, wo doch die Anwohner schon durch die B 525 vorbelastet seien, schaltete sich Projektleiter Stefan Reimering-Ventz von der SL-Windenergie ein und erklärte, dies sei der Lärm, der „für die Techniker oben innerhalb der Gondel gelte“. Was an den Häusern ankomme, seien noch 45 Dezibel. Vorbelastungen würden berücksichtigt und keiner der zulässigen Werte überschritten. Auch beim Infraschall, so Tancu Mahmout auf eine Zuhörerfrage, sei „nicht damit zu rechnen, dass es zu Beeinträchtigungen“ komme. „Bei 108 Dezibel kommt Ihnen da oben kein Tier mehr hin. Da haben Sie dann auch keine Probleme mehr mit dem Uhu“, feixte Zuhörer Martin Hidding.

Abstände

Der Abstand der maximal 200 Meter hohen Anlagen zur Wohnbebauung dürfe 720 Meter nicht unterschreiten. Allerdings, erklärte Ludger Schmitz: Da es sich um eine Konzentrationszone handele, gelte dieser Abstand nur für eine zusammenhängende Wohnbebauung von zehn Häusern. Alois Bosman sah hier eine andere Lesart, nämlich die, dass der Abstand auch für einzelne Gebäude gelte. „Und mehrere Gebäude unterschreiten diese 720 Meter“, monierte Bosman. Stadtbaurat Thomas Backes wies darauf hin, dass der finale Beschluss des Landtags hierzu noch ausstehe.

Schattenschlag

Dieser dürfe höchstens 30 Minuten pro Tag oder 30 Stunden im Jahr auftreten. Verwunderung gab es, dass hier wohl auch unbewohnte Häuser im Gutachten berücksichtigt wurden. Sollte dies so sein, wären, „sogar mehr Häuser berücksichtigt worden, als nötig“, sah Mahmout es positiv.

Das alles überzeugte Alois Bosman jedoch nicht. „Wenn Sie seinerzeit die Planungen richtig gemacht hätten, wäre Goxel als Gebiet gar nicht ausgewiesen worden“, zweifelte Bosman an, dass der Windpark einer „gerichtlichen Bewertung“ standhält. Doch der Windpark werde kommen, so Backes, wenn nicht plötzlich „städtebauliche Gründe“ dagegen sprächen.

Lesen Sie jetzt