In Bocholt werden sich die Bürger in der nächsten Woche wegen der hohen Zahl von Neuinfektionen auf stärkere Beschränkungen einstellen müssen – so wie im gesamten Kreis. © Sven Betz
Coronavirus

Drohende Ausgangsperre: Bocholt will Kontrollen nicht verschärfen

Im Kreis Borken drohen wegen der hohen Inzidenz Kontaktbeschränkungen und sogar auf eine Ausgangssperre. Und doch will die Stadt Bocholt die Kontrollen nicht verschärfen. Doch warum nicht?

Die Niederlande lockern ab Mitte nächste Woche die Corona-Beschränkungen. Restaurants, Cafés und Geschäfte dürfen deshalb – mit Einschränkungen – auch in Bocholts Partnergemeinde Aalten wieder öffnen. Negative Auswirkung auf den Inzidenzwert in Bocholt erwartet die Stadt Bocholt aber dennoch nicht.

Das hat ein Rathaussprecher auf Nachfrage mitgeteilt. Der Grund für diese Annahme: „Die Bürger zeigen sich in weiten Teilen als nach wie vor sehr verantwortungsbewusst, sie halten sich an die Regeln.“ Es müsse jedoch weiterhin klar kommuniziert werden, „dass wir in einer sensiblen Phase der Pandemie sind, die es nicht erlaubt, die Schleusen zu schnell zu öffnen. Das Virus schert sich nicht um Grenzen“, heißt es aus dem Rathaus.

Verantwortungsbewusstsein und Achtsamkeit

Verantwortungsbewusstsein und Achtsamkeit dies- und jenseits der Grenze seien nach wie vor das Gebot der Stunde. Die Stadt Bocholt sehe derzeit keine Veranlassung, besondere Maßnahmen zur Kontrolle von Ausgangssperren zu treffen. Stadtwacht und Polizei kontrollierten schon jetzt abends und nachts neuralgische Punkte im Stadtgebiet. Dieses System habe sich bewährt.

Der Inzidenzwert im niederländischen Aalten ist in den vergangenen Tagen gesunken und liegt mittlerweile bei 247. Der unterschiedliche Umgang mit der Corona-Pandemie zeigt sich in der deutsch-niederländischen Grenzregion Bocholt/Aalten aktuell ganz besonders stark.

Niederlande lockern die Regeln

Die niederländische Regierung hat beschlossen, in der nächsten Wochen wieder Lockerungen zuzulassen. Das bedeutet unter anderem: Die Ausgangssperre wird ab dem 28. April aufgehoben, Cafés und Restaurants dürfen wieder draußen servieren, Geschäfte dürfen öffnen. Zu Hause dürfen die Niederländer dann wieder zwei statt nur einen Besucher empfangen. Diese Regeln gelten trotz anhaltend hoher Inzidenzzahlen.

Nahezu komplett umgekehrt ist es im unmittelbar benachbarten Bocholt: Dort liegt der Inzidenzwert deutlich niedriger. Dennoch müssen sich die Stadt und der gesamte Kreis schon in ein paar Tagen auf eine Verschärfung der Kontaktbeschränkungen und sogar auf eine Ausgangssperre einstellen.

Infektionsschutzgesetz geändert

Denn der Bundestag hat Änderungen am Infektionsschutzgesetz beschlossen. Demnach ist in Gebieten mit einer Sieben-Tage-Inzidenz von mehr als 100 unter anderem eine Ausgangssperre von 22 bis 5 Uhr vorgesehen.

Zu Hause darf man dann nur noch eine Person empfangen. Gibt es dann nicht die Sorge, dass Bocholter zum lange vermissten Restaurant- oder Cafébesuch ins nahe Aalten fahren werden?

Landrat Dr. Kai Zwicker (CDU) sieht genau diese Gefahr. Auf Nachfrage erklärte er gestern: „Seit Beginn der Pandemie vor über einem Jahr kämpfen wir in der Grenzregion mit jeweils unterschiedlichen Regelungen und damit verbunden mit wechselseitigem Tourismus auf die jeweils andere Seite der Grenze.

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