Unternehmen sollen verpflichtet werden, ihren Mitarbeitern regelmäßig Coronatests anzubieten. © Sven Hoppe/dpa
Coronatests

Geplante Testpflicht für Mitarbeiter stößt auf wenig Begeisterung

Das Bundeskabinett hat am Dienstag eine Corona-Testpflicht beschlossen. Die Reaktionen fallen unterschiedlich aus. Unternehmen tun laut Kreishandwerkerschaft bereits mehr als vorgeschrieben.

Das Telefon klingelt in einer Tour. „Seit Anfang der Woche haben wir unzählige Anfragen“, sagt Christoph Bruns, Hauptgeschäftsführer der Kreishandwerkerschaft. Hauptthema der Gespräche: Die Corona-Tests in Unternehmen, die das Bundeskabinett am Dienstag beschlossen hat. Meist gehe es den Anrufern darum, wie diese Pflicht in den Unternehmen umgesetzt werden kann, sagt Bruns. Und vor allem um die Frage, wo die Tests zu bekommen sind.

Betriebe haben Verordnung schon erwartet

Die Betriebe haben die geplante Verordnung „durchaus erwartet“ und sie stelle „keine Überraschung da, sagt Bruns. Ob sie sinnvoll ist, sei eine andere Sache. „Die meisten sagen mir, es wäre nicht vonnöten gewesen“, schließlich liege es im Interesse der Betriebe, ihre Mitarbeiter vor Corona zu schützen. Bruns spricht davon, dass viele Betriebe bereits mehr täten, als jetzt vorgeschrieben werden soll.

„Die Wirtschaft hätte sich gefreut, nicht noch mehr belastet zu werden“, sagt Monika Santamaria, Teamleiterin Recht bei der IHK Nord-Westfalen. Die Unternehmen haben laut IHK-Hauptgeschäftsführer Dr. Fritz Jaeckel jedoch damit gerechnet. Die meisten testeten im eigenen Interesse ohnehin schon freiwillig.

Testbeschaffung ist ein Problem

Aber: „Gerade in den wirtschaftlich angeschlagenen Betrieben, in denen die Nerven ohnehin blank liegen, kommt diese Pflicht aufgrund des organisatorischen und finanziellen Aufwands nicht gut an.“ Ebenso wie Christoph Bruns von der Kreishandwerkerschaft beklagt Jaeckel, dass es immer noch ein Problem sei, die Tests zu beschaffen.

Immerhin sei es den Wirtschaftsverbänden gemeinsam gelungen, „gegenüber den ersten sehr weitgehenden Regulierungsvorstellungen der Bundesregierung entscheidende Erleichterungen zu erreichen“, betonte Jaeckel. So seien zum Beispiel Selbsttests ausreichend, die nicht unter Aufsicht durchgeführt werden müssten.

Unternehmen schützen Mitarbeiter schon aus Eigeninteresse

Auch sei keine Dokumentation mehr nötig. Der Arbeitgeber müsse nach jetzigem Stand lediglich nachweisen, dass er die Tests für die Mitarbeiter angeschafft habe oder über eine Vereinbarung mit Dritten die Beschäftigten testen lasse. Die meisten Unternehmen täten im eigenen Interesse schon länger alles dafür, durch Tests die Mitarbeiter zu schützen und den Betrieb aufrechtzuerhalten.

Ein Beispiel dafür ist den Bocholter Ohrmarkenproduzenten Caisley, der seinen Mitarbeitern seit August regelmäßige Tests anbietet. Darüber hinaus gibt es laut Unternehmen an allen Eingängen Temperaturmessgeräte, Masken für die Mitarbeiter, Desinfektionsmöglichkeiten. Schichten seien auseinandergezogen und Einbahnstraßen eingerichtet worden.

Mitarbeiter ziehen mit

Zum Glück machten die Mitarbeiter mit, sagt Britta Nehls, zuständig für Vertrieb und Marketing bei Caisley. „Für uns wäre es fatal, nicht liefern zu können.“ Ähnlich sieht es laut Bruns bei den Handwerksbetrieben aus. Die hätten volle Auftragsbücher und selbst Interesse daran, dass ihre Mitarbeiter gesund bleiben.

„Die Unternehmen investieren massiv in den Arbeits- und Gesundheitsschutz – schon aus Eigeninteresse und aus Fürsorge für ihre Mitarbeiter“, sagt Jennifer Middelkamp, Regionalgeschäftsführerin des Unternehmerverbandes. Sie bezeichnet die geplante Testpflicht als „schlichtweg sinnlos“, weil ein Großteil der Unternehmen eben schon freiwillig teste.

„Kosten auf die Wirtschaft abgewälzt“

Zudem passe ihrer Ansicht nach das ganze Konzept nicht. Die Unternehmen müssten die Tests anbieten, die Arbeitnehmer sie jedoch nicht annehmen. Wenn dann Testverweigerer infiziert am Arbeitsplatz auftauchten, sei keinem geholfen, so Middelkamp. Ein verpflichtendes Testangebot funktioniert ihrer Meinung nach nur mit einer Testpflicht. „Aber dieses heiße Eisen scheut die Politik“ und wälze ihre Verantwortung und die Kosten auf die Wirtschaft ab.

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