Die britische Mutation des Coronavirus wurde jetzt auch im Kreis Borken nachgewiesen. Es gibt gleich drei unabhängige Infektionsgeschehen – eins davon in Ahaus. © picture alliance/dpa
Coronavirus

Mutation: 50 Fälle im Kreis, 100 im Land NRW – wie passt das zusammen?

Die britische Mutation: Am vergangenen Samstag meldete das Landesgesundheitsministerium 100 bestätigte Fälle, der Kreis Borken 50. Wie das sein kann? Für die Antworten brauchte es fünf Tage.

Pressemeldungen vom vorigen Wochenende aber ließen aufhorchen: Es gab, Stand Samstag, 12. Februar, in Nordrhein-Westfalen rund 1200 Verdachtsfälle der britischen Corona-Variante und laut Gesundheitsministerium NRW insgesamt rund 100 bestätigte Fälle. Am Samstag meldete der Kreis Borken 50 bestätigte Fälle der britischen Mutation – also die Hälfte der im bevölkerungsstärksten Bundesland bekannten Fälle waren im Süden des vergleichsweise weniger dicht besiedelten Kreises Borken erfasst?

Dem war nicht so. Das war mit Blick auf die Meldungen anderer NRW-Städte über ihre Fallzahlen auch schnell zu vermuten. Aber es dauerte – wohl auch wegen der hohen Belastung im Gesundheitsministerium und im Kreis-Gesundheitsamt – einige Tage, bis auf Anfrage der Redaktion feststand, warum die Zahlen so auseinandergehen.

Am späten Donnerstagabend die Lösung: „Es ist so, dass der Vergleichsmaßstab der Fälle vom Land und von uns offenbar nicht zusammenpasst“, teilte Ellen Bulten, Pressesprecherin des Kreises Borken, mit. Ausführlich habe das Borkener Gesundheitsamt am Donnerstag nochmal mit dem Landeszentrum Gesundheit Nordrhein-Westfalen das Thema besprochen.

Ganz-Genom-Sequenzierung ist aufwendiges Verfahren

Das Land bezeichnet Mutations-Fälle als bestätigt, wenn der Nachweis durch Ganz-Genom-Sequenzierung vorliegt, wie Carsten Duif von der Pressestelle des NRW-Gesundheitsministeriums auf Anfrage mitteilte. Dies ist ein sehr aufwendiges Verfahren bei der Auswertung der Tests.

Diesen Nachweis habe es – Stand 12. Februar – für eben 100 Fälle in NRW der Variante B.1.1.7 – 501Y.V1 (UK) – also der britischen Mutation – gegeben. Der Kreis Borken setzt einen anderen Maßstab an. „Bei den Fällen, die wir aufzählen, ist die variantenspezifische Mutation – in unserem Falle die britische Mutation – nachgewiesen“, erläutert Ellen Bulten.

Das Labor, das vom Großteil der Hausärzte beauftragt wird und von dem der Kreis Borken die Rückmeldungen zu den Mutationen hat, führe die vom Land herangezogene Ganz-Genom-Sequenzierung nicht durch. Diese dauere sehr lange und sei sehr aufwändig, so die Pressesprecherin.

Kreis hat Vorgehen mit Landeszentrum für Gesundheit abgestimmt

„Für uns ist es ausreichend zu wissen, dass es sich um die Mutation handelt und wir entsprechend danach auch handeln können“, betont Ellen Bulten, dass der Kreis bei seiner Beurteilung der Fälle bleibe. Und: Das Landeszentrum für Gesundheit NRW habe das Vorgehen des Kreises Borken bestätigt.

Mutation: Stand 19. Februar

  • Im Kreisgebiet sind am 19. Februar 75 Infektionsfälle mit der britischen Virusmutante bekannt.
  • 14 dieser Personen sind inzwischen wieder gesundet und nach Testung aus der Quarantäne entlassen. Das heißt, es sind derzeit 61 aktive Fälle bekannt, wie der Kreis Borken mitteilt.

Der Kreis führt natürlich über die Mutanten-Fälle Statistik. „Die Ordnungsämter der Städte und Gemeinden, die ja die Quarantäne-Betreuung und -Überwachung übernehmen, werden gesondert über die Fälle informiert, in denen es sich um Mutationen handelt“, beschreibt die Kreis-Pressesprecherin das Vorgehen.

Erst ein negativer Test beendet die Quarantäne

Wichtigster Unterschied zu den anderen Fällen sei, dass die Quarantäne nicht automatisch ausläuft, wenn keine Symptome vorhanden sind: „Es ist zwingend ein negativer Corona-Test erforderlich, um die Quarantäne zu beenden. Eine Verkürzung der Quarantäne von 14 auf 10 Tage ist ebenfalls nicht möglich.“

In der Umgebung der Infizierten waren die Zahlen schon jeweils deutlich gestiegen, so Ellen Bulten: „Die Mutante gilt als deutlich ansteckender und das zeigt sich auch in den jeweiligen Umfeldern der Betroffenen. Es gibt jeweils zahlreiche Folgeinfektionen im engen Kontaktumfeld.“

Im Kreis Borken gab es drei einzelne Ausbruchsgeschehen und diesen Geschehen sind dann auch die Folgeinfektionen und Folge-Mutationsfälle zuzuordnen.

Aktuell sei es so, dass das Labor nicht mehr alle positiven Fälle aus dem Kreis Borken auf Mutationen untersucht wie zu Beginn. „Inzwischen werden entsprechend der Vorgaben bei begründeter Annahme Sequenzierungen vorgenommen“, erläutert Ellen Bulten. Die Kosten dafür würden über den Gesundheitsfonds des Bundes getragen.

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