Eine Szene der Doku „Die Wache“. Die Regisseurin betont, ihr gehe es nicht um die Einsätze selbst, sondern um die Beamten. © Michael Weihrauch/imFilm/dpa
Kino-Doku

Regisseurin hat Polizei aus Münster monatelang mit der Kamera begleitet

Während der gesellschaftlichen Diskussion über Polizeieinsätze in Deutschland zeigt eine Kinodokumentation jetzt 90 Minuten lang Polizisten bei ihrer alltäglichen Arbeit - im Kino.

Die Polizei soll für Recht und Ordnung sorgen, war in jüngster Zeit aber selbst immer wieder Gegenstand heftiger Kontroversen. Der Tod des Afroamerikaners George Floyd bei seiner gewaltsamen Festnahme in den USA löste vor einem Dreivierteljahr auch in Deutschland eine Debatte um Übergriffe von Polizisten aus. Fälle rechtsextremer Chatgruppen befeuerten die Diskussion zusätzlich.

Gleichzeitig klagen Polizisten ebenso wie Helfer von Feuerwehren und Rettungsdiensten, sie selbst seien bei Einsätzen zunehmend Gewalt ausgesetzt. Mitten in diesem Klima zeigt jetzt ein Dokumentarfilm, wie die Arbeit einer Dienstgruppe in Münster aussieht.

Kein Actionwerk

Für ihren Film „Die Wache“ konnte Regisseurin Eva Wolf Frauen und Männer einer Polizeistation über Monate hinweg mit der Kamera begleiten. Schon die Drehgenehmigung zu bekommen sei ein langer Weg gewesen, berichtet Wolf. „Die größte Hürde war, ein Bundesland, ein Präsidium und dann letztlich die Polizeiwache zu finden, die uns ihr Vertrauen schenkt und mitdrehen lässt.“ In Münster hatte sie schließlich Erfolg.

„Die Wache“ ist kein Actionwerk. Das Publikum schaut zwar gemeinsam mit den Polizistinnen und Polizisten durch die Windschutzscheibe, wenn sie im Streifenwagen mit Blaulicht und Sirene über rote Ampeln zum nächsten Einsatz eilen. Wer dann aber voyeuristische Einblicke erwartet, wenn die Beamten es etwa mit einem Fall mutmaßlicher häuslicher Gewalt, mit einem Überfall auf einen Supermarkt oder mit Diebstählen aus einem Seniorenheim zu tun haben, wird eher enttäuscht. Dezent bleibt die Kamera recht weit weg von den Tatverdächtigen. Auch die Tonaufnahmen sind dabei verfremdet, um Persönlichkeitsrechte zu wahren.

Nichts ist gestellt

Der Filmemacherin geht es nach eigenen Worten nicht um die Einsätze selbst, sondern vor allem um die Beamtinnen und Beamten. Und so gehört es zu den Stärken der Doku, wenn einer der Polizisten davon erzählt, wie er beinahe auf einen Mann geschossen hätte, weil er nicht gewusst habe, ob dieser mit einem Messer bewaffnet sei. Oder wie er sich als Berufsanfänger darüber klar geworden sei: Ab jetzt hat alles, was du machst, Konsequenzen.

Ein Imagefilm sei „Die Wache“ nicht, betont Eva Wolf. „Denn hier ist nichts gestellt oder für die Kamera inszeniert. Die Polizisten sind nicht gecastet. Sie gehören einer Dienstgruppe der Wache Friesenring in Münster an, die insgesamt bereit war, sich filmen zu lassen.“ Die Doku beobachtet und verzichtet auf Kommentare. „Nur das, was uns bei den Dreharbeiten begegnet ist, kann auch im Film gezeigt werden“, erklärt die Regisseurin, die zugleich auf „Zwischentöne“ verweist: „Man muss nur eben genau hinschauen.“

Wolf verspricht Einblicke in die alltägliche Polizei-Arbeit, die sich anderen normalerweise nicht öffneten. Dazu gehören auch skurrile Momente – etwa, wenn der Dieb aus dem Seniorenheim den Polizisten erzählt, er habe sich seine Vorgehensweise in der ZDF-Sendung „Aktenzeichen XY…ungelöst“ abgeschaut.

Die Kino-Doku ist seit Donnerstag, 25. Februar 2021, zu sehen bei www.kino-on-demand.com und nach dem Lockdown in ausgewählten Kinos.

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