Johannes Röring (62) aus Vreden sitzt seit 2005 im Bundestag. Herausforderin Anne König (36) aus Borken will erstmals ins Parlament. © Montage
Bundestagswahl

Röring oder König – wer gewinnt das CDU-Kandidaten-Duell im Südkreis?

Um die Kandidatur für die CDU im Südkreis Borken wetteifern diesmal zwei Bewerber: Der langjährige Parlamentarier Johannes Röring aus Vreden und Anne König aus Borken, stellvertretende Vorsitzende der CDU-Kreistagsfraktion.

Die CDU-Mitglieder entscheiden am kommenden Freitag, wer im Südkreis Borken bei der Bundestagswahl im September für die Union antritt – und dadurch mit ziemlicher Sicherheit ins Parlament einzieht. Denn bei den vergangenen 19 Bundestagswahlen hat die CDU im südlichen Wahlkreis des Kreises Borken nur zweimal weniger als 50 Prozent der Erststimmen bekommen. Vier Mal waren es mehr als 70 Prozent. Gewonnen hat der jeweilige CDU-Kandidat den Wahlkreis stets direkt.

2005 setzte sich Johannes Röring gegen zwei Kandidaten durch

Deshalb saßen die Abgeordneten daheim immer fest im Sattel. Erst wenn sie aufhören wollten, hatten Neulinge eine Chance. Das war zuletzt auch 2005 so, als Elke Wülfing (Borken) sich nach vier Erfolgen im Wahlkreis zurückzog und Neuling Johannes Röring sich gegen Hans-Peter Flinks (Borken) und Wilhelm Stilkenbäumer (Reken) durchsetzte.

In diesem Jahr aber ist alles anders. Zwar will der Vredener Röring (62) ein fünftes und – wie er selbst betont hat – letztes Mal für die CDU im Wahlkreis 126 (Borken II) antreten. Doch in der Borkenerin Anne König (36) hat der Vredener nun eine Mitbewerberin. Ein Novum. Nach Ansicht vieler CDU-Mitglieder in den betroffenen Stadt- und Gemeindeverbänden wird König Röring ein Kopf-an-Kopf-Rennen liefern. Nicht wenige trauen der Lehrerin einen Sieg über den früheren westfälischen Bauernpräsidenten zu. Die Gründe dafür liegen mehr beim Amtsinhaber selbst.

Kritik an Rörings Klientelpolitik für die Landwirte

Kritik an Rörings Klientelpolitik für die Landwirte hat es schon bei früheren Wahlen gegeben. Bei den Debatten um Nebentätigkeiten und Zusatzverdienste fiel häufig auch Rörings Name. Zwar hat der Vredener vor gut einem Jahr das Amt an der Spitze des Westfälisch-Lippischen Landwirtschaftsverbandes (WLV) abgegeben; Kritiker werfen ihm aber vor, dass er überhaupt erst so viele Ämter angehäuft hatte.

„Herr Röring hat ausgemistet, aber noch immer lukrative Positionen“, sagte Friedrich Ostendorff, agrarpolitischer Sprecher der Grünen im Bundestag, erst vor wenigen Wochen der Berliner taz. Das wird Röring auch in der CDU vorgeworfen – allerdings eher hinter vorgehaltener Hand.

„Wenn man nur monothematisch unterwegs ist, wird man hier nicht für voll genommen“, hat der Abgeordnete vor drei Jahren zur Borkener Zeitung gesagt. Seit 2005 sind 29 Reden des Abgeordneten Röring gezählt worden – alle haben mit der Landwirtschaft zu tun.

Zum Vergleich: Die Vredener SPD-Bundestagsabgeordnete Ursula Schulte, wie Röring Mitglied im Ausschuss für Ernährung und Landwirtschaft, redete zwar ebenfalls einige Male zur Landwirtschaft, aber eben auch zu anderen Themen wie Altersarmut, gerechter Entlohnung, den Gefahren von Tabakwaren.

Rörings Fokus hat zwar auch mit der Arbeitsweise der größten Bundestagsfraktion zu tun, in der Personen bestimmten Themen zugeordnet werden. Ein Gesetz für die Ewigkeit ist solch eine Themenwahl aber nicht.

Rückendeckung unter Vertretern der konventionellen Landwirtschaft

Das Einsetzen für ihre Belange bringt Röring zwar Rückendeckung unter den Vertretern der konventionellen Landwirtschaft, sorgt aber andererseits in den Städten und in der Wirtschaft für Unmut. „Gerade jetzt in den unsicheren Zeiten steht die Landwirtschaft hinter ihm“, sagt Jörg Sümpelmann, Geschäftsführer des Kreis-Bauernverbandes. „Er kümmert sich ja nicht um unsere Belange“, sagt hingegen jemand aus dem Raum Bocholt. Dort, im Süden des Wahlkreises, hat sich Röring nach Ansicht vieler zu wenig sehen lassen. In Borken hört man viele ähnliche Stimmen.

Möglich, dass Anne König daraus Kapital schlagen kann. Sicher ist das aber nicht. Das liegt zum einen an der weiterhin starken Lobby der Landwirtschaft in der Kreis-CDU. Zum anderen aber auch daran, dass nicht wenige, gerade ältere Mitglieder lieber auf die „verlässliche Größe“ Röring setzen als auf eine Neue auf der großen Bühne. König, Lehrerin, Mutter, mehr als ihr halbes Leben in der Union aktiv, hat es bei den vielen Vorstellungsrunden nach Einschätzung von Teilnehmern nicht überall verstanden, sich als die bessere Wahl zu präsentieren.

Keine Kritik am Mitbewerber – mangelnde Robustheit?

Dass sie Kritik an ihrem Mitbewerber vermieden hat – trotz der Angriffsflächen, die er bietet – wird ihr in einigen Ortsverbänden als mangelnde Robustheit ausgelegt. Sie habe Angst, Fehler zu machen, heißt es. Andererseits fällt König in diesem parteiinternen Wahlkampf durch Fleiß auf, tingelt durchs Land, besucht Firmen und immer wieder auch landwirtschaftliche Betriebe.

Wahlkreis Borken II

Der Wahlkreis 126 Borken II besteht aus den Städten und Gemeinden Bocholt, Borken, Gescher, Heiden, Isselburg, Raesfeld, Reken, Rhede, Stadtlohn, Südlohn, Velen und Vreden.

Königs Trumpf könnte nun ausgerechnet da liegen, wo bei früheren Kampfabstimmungen die Favoriten der Landwirte häufig die Nase vorn hatten: darin, Unterstützer zu mobilisieren. Jedenfalls soll König in den vergangenen Monaten ein Vielfaches von dem an Männern und Frauen zum Eintritt in die CDU bewogen haben, was Röring an Neumitgliedern gewinnen konnte.

Jetzt wichtig: Mitglieder hinter sich zu scharen

Und Mitglieder hinter sich zu scharen, ist wichtig, denn: Am 28. Mai auf dem Rheder Hof Nienhaus darf den CDU-Direktkandidaten für Berlin wählen, wer Mitglied in einem der Ortsverbände des Wahlkreises ist. Rund 3300 sind es insgesamt, allein 200 kamen in diesem Frühjahr hinzu. Mit 646 CDU-Mitgliedern stellt dabei der Stadtverband Borken, der König nominiert hat, die meisten stimmberechtigten Mitglieder.

611 stellt Bocholt, 398 sind es in Rörings Heimatverband Vreden, der wiederum ihn vorgeschlagen hat. Zwischen 200 und 250 Mitglieder stellen die CDU-Verbände aus Gescher, Rhede, Stadtlohn und Reken, weniger als 200 der Rest. Das Ergebnis erscheint völlig offen. Und die Chancen beider Kandidaten liegen in den Angriffsflächen der Konkurrenz.

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