Ute Sommers vom gleichnamigen Pflegedienst zieht einem Patienten Kompressionsstrümpfe an. © Sven Betz
Kreis Borken

Verzweifelt Pfleger gesucht: Pflegedienste an der Kapazitätsgrenze

Bei den Pflegediensten spitzt sich die Lage zu. Zum einen ist die Nachfrage hoch. Zum anderen lassen sich nur schwer Stellen besetzen. Dies zeigt ein Blick auf die Lage in Bocholt.

Die Situation spitzt sich zu. Wer derzeit in Bocholt einen ambulanten Pflegedienst sucht, findet nur schwer einen Anbieter. „Wir haben acht Pflegedienste und alle kratzen an der Kapazitätsgrenze“, sagt Ute Sommers, die zusammen mit ihrer Schwester Silke in Bocholt einen häuslichen Kranken- und Seniorenpflegedienst betreibt. Vor Ostern habe sie jeden Tag zwei bis drei Anfragen abweisen müssen. Die Leute seien zum Teil verzweifelt, weil sie keinen ambulanten Pflegedienst finden. „Ich habe Angehörige gehabt, die geheult haben“, sagt Ute Sommers.

Aufnahmestopp verhängt

„Mir tut es in der Seele weh, wenn ich Leute abweisen muss“, sagt Christian Rademacher, Geschäftsführer von „Pflege und mehr“. Auch bei ihm ist derzeit Aufnahmestopp. „Wir haben die Touren wirklich voll“, sagt Rademacher. Wenn jemand einmal die Woche Hilfe beim Duschen brauche oder Medikamente für die Woche zusammengestellt werden müssten, könne er das gerade noch dazwischen schieben. Aber täglich große Pflege, das sei nicht leistbar. Leider, fügt er hinzu.

„Die Situation hat sich verschärft“, bestätigt Claudia Soggeberg, Vorstand der Caritas, die in Bocholt und Rhede ambulante Pflege anbietet und rund 400 Patienten betreut. Es gebe mehr ältere Menschen und viele wollten so lange wie möglich zu Hause bleiben. Gleichzeitig sei es so, dass Angehörige zunehmend arbeiteten und die Pflege deshalb nicht übernehmen könnten oder wollten. Die bräuchten professionelle Unterstützung.

Bedarf an Pflege steigt

Die Lebenssituation vieler Menschen habe sich geändert, hat auch Frank Heßling festgestellt. „Familien wohnen mehr für sich“, sagt der Pflegedirektor der Wohnen, Leben und Pflege gGmbH, die das Diepenbrockheim und das Dingdener St.-Josef-Haus betreibt sowie betreutes Wohnen in Bocholt und einen Pflegedienst in Hamminkeln. Auch er stellt fest: „Der Bedarf an Pflege steigt.“ Es gebe Menschen, die händeringend nach einem Pflegedienst suchen“, sagt Christian Rademacher.

Während die Nachfrage steigt, wird es für die Pflegedienste immer schwieriger, Personal zu finden. Es sei ein Problem, examiniertes Pflegepersonal zu bekommen. Das hängt nach Ansicht von Silke Sommers auch mit der Bezahlung zusammen. „In der ambulanten Pflege sind wir am Ende der Nahrungskette.“ Viele Mitarbeiter seien um die 60, jüngere kämen kaum nach. „Das macht uns am meisten Sorgen.“ Der fehlt, sagt auch Christian Rademacher. Sein Unternehmen bilde aus und habe derzeit neun Auszubildende.

„Wir tun, was wir können“

„Wir tun, was wir können, bilden aus, wie wir können“, sagt Caritas-Vorstand Soggeberg. Ärgerlich findet sie, „dass der Pflegeberuf so schlechtgeredet wird“. Auch seien die Tarife nicht durchgehend schlecht. In der ambulanten Pflege habe sie weniger den Eindruck, dass sich die Leute verabschieden. Über ihre Mitarbeiterinnen sagt sie: „Das sind Überzeugungstäterinnen.“ Ihrer Meinung nach wird der Pflegeberuf unterschätzt.

„Pflege ist nicht nur waschen und Hintern abputzen“, sagt Ute Sommers. Pflege bedeute auch, die Menschen in ihrer Situation zu begleiten, Gespräche zu führen, ihnen die Angst zu nehmen, wenn es zu Ende geht. „Sie brauchen eine gewisse Empathie“, sagt Sommers. Und sie fügt an: „Es ist ein wirklich schöner Beruf.“

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