2010: Eu-Bürokraten mosern

DORTMUND Kaum haben wir uns alle an den Begriff "Ruhr 2010" für die Kulturhauptstadt gewöhnt, da mosert Brüssel. Eine Kommission der EU hat darauf hingewiesen, dass doch "Essen für das Ruhrgebiet" den Titel erhalten habe. "Da lassen wir uns etwas einfallen", versprach Fritz Pleitgen beim Neujahrsempfang der Kulturhauptstadt.

von Von Bettina Jäger

, 10.01.2008, 18:01 Uhr / Lesedauer: 2 min
2010: Eu-Bürokraten mosern

So oder ähnlich könnten die "Schachtzeichen" im Jahr 2010 aussehen.

Der Begriff "Ruhr 2010" und der Gemeinschaftsgedanke, den er ausdrückt, sollen auf jeden Fall erhalten bleiben. Daran dürfte auch der Brief aus Brüssel nichts ändern, der im Kulturhauptstadtbüro erwartet wird und in dem die "Monitoring Group" der EU ihre Bedenken näher ausführen will. Die EU hat diese Kommission gerade neu eingeführt, um die Verwendung der europäischen Gelder - aus Brüssel kommen 1,5 Millionen Euro - zu kontrollieren.

Nichts kaputtreden

Die Kritik aus Brüssel sei eher ein Problem der EU-Bürokratie, deutete Jürgen Fischer von Ruhr 2010 an: "Man legt dort alles auf die Apothekerwaage". Auf gar keinen Fall bedeute das, Essen im Programm stärker zu unterstreichen. "Die Stadt Essen nimmt sich klug zurück. Das dürfen wir nicht kaputtreden", so Fischer. Allenfalls über eine Änderung der Briefköpfe denke man nach.

Abgesehen von diesem Wermutstropfen spulten die Kulturhauptstadtmacher am Mittwochabend im Ruhrfestspielhaus Recklinghausen ein tolles Programm ab, an dem die Chorakademie Dortmund wesentlichen Anteil hatten. Mit ihrem Gesang machte sie Lust auf 2010 - ebenso wie die vier vorgestellten Projekte:

Die vier Projekte

1. Das Ruhrgebiet zum Singen bringen. Unter dem Titel "!SING" plant der künstlerische Direktor Steven Sloane einen "Day of song". "Wir haben vor, einen neuen Feiertag zu erfinden", so Sloane im Gespräch mit Benedikt Stampa, dem Chef des Dortmunder Konzerthauses. Alle 5,3 Millionen "Ruhris" sollen mitsingen - genau wie die 850 Gäste des Empfangs, die gemeinsam die "Ode an die Freude" anstimmten.

2. Die "Schachtzeichen" als Bild, das um die Welt geht. Nach einer Idee von Volker Bandelow, Leiter des Kulturreferates der Stadt Gelsenkirchen, sollen gelbe Ballons über den ehemaligen Schächten des Revier schweben. "Eine Idee, die ich schon viele Jahre mit mir herumtrage", erzählte Bandelow, der den Plan als Privatmann eingereicht hatte. Der zuständige künstlerische Direktor Karl-Heinz Petzinka zeigte sich begeistert: "Mein Ziel ist, dass diese Bilder um die Welt gehen." Die Machbarkeit wird geprüft, an die 500 ehemalige Schächte gibt es. Bandelow will die Menschen animieren, sich mit den Wurzeln des Reviers zu beschäftigen.

3. Eine "Games Metropole Ruhr". Dieter Gorny, als 2010-Direktor zuständig für Kreativwirtschaft, verblüffte mit der Vision, das Ruhrgebiet zur Metropole der Computerspielindustrie zu machen. Schon jetzt erfolgreich: die "Aruba Studios" in Mülheim.

4. Einen "fetten Spot" auf die unterschätzte internationale Kultur will Asli Sevindim richten, die vierte der künstlerischen Direktoren. Als Beispiel hatte sie vier Breakdancer des Herner Pottporus-Festivals mitgebracht, die sich irrwitzig drehten und bogen. Da stand dann auch das Publikum (fast) Kopf. Bettina Jäger