21 Tote und kein Urteil: Gericht stellt Loveparade-Verfahren ein - Fehler benannt

Loveparade

Das Landgericht Duisburg hat das Verfahren um das Loveparade-Unglück ohne Urteil eingestellt. Allerdings benannte das Gericht eine Reihe von Fehlern, die zur Katastrophe geführt hätten.

NRW

04.05.2020, 12:36 Uhr / Lesedauer: 2 min
Kerzen brennen an der Unglücksstelle der Loveparade 2010. Damals starben 21 Menschen. Der Prozess wurde nun ohne Urteil eingestellt.

Kerzen brennen an der Unglücksstelle der Loveparade 2010. Damals starben 21 Menschen. Der Prozess wurde nun ohne Urteil eingestellt. © picture alliance/dpa

Das Landgericht Duisburg hat am Montag den Prozess um das Unglück bei der Loveparade 2010 mit 21 Toten eingestellt. Damit endet einer der aufwendigsten Strafprozesse der Nachkriegszeit nach 184 Sitzungstagen ohne Urteil.

Allerdings hat das Gericht eine Reihe von Fehlern benannt, die aus seiner Sicht zur Loveparade-Katastrophe geführt haben: „Die Vereinzelungsanlagen und Schleusen waren nicht auf die erwartenden Personenmengen ausgerichtet. Zäune führten zu zusätzlichen Engstellen“, sagte Richter Mario Plein am Montag in Düsseldorf. „Der Stau vor den Vereinzelungsanlagen war absehbar.“

„Es gab keine ausreichenden Flächen für die Abwicklung der Personenströme“, sagte er. „Stauungen waren vorhersehbar.“ Bereits um kurz nach 14 Uhr sei es am Tag der Loveparade zu ersten Problemen gekommen. Kommunikationsprobleme hätten die Situation verschärft: Krisengespräche von Polizei und Feuerwehr seien ohne die Veranstalterin geführt worden. Die Steuerung der Personenströme sei unkoordiniert gewesen.

„Unpassende Anordnungen der Polizei“

„Unpassende Anordnungen“ der Polizei hätten die Probleme verschärft. Der Funkverkehr der Polizei sei erheblich gestört gewesen. Die Polizei habe ihre zugesagte Unterstützung bei der Schließung der überlasteten Zugänge nicht erbracht, weil ihre Kräfte anderweitig gebunden gewesen seien.

Im Bereich der Rampe Ost seien die Ströme schließlich zum Stillstand gekommen. Um 16.30 Uhr sei die Stimmung gekippt und eine lebensbedrohliche Lage mit Wellenbewegungen entstanden.

Vor fast zehn Jahren waren dabei in Duisburg 21 Menschen gestorben und 650 verletzt worden.

Prozess hatte 2017 mit 10 Angeklagten begonnen

Der Prozess hatte im Dezember 2017 zunächst gegen zehn Beschuldigte begonnen. Vier leitenden Mitarbeitern des Veranstalters Lopavent und sechs Mitarbeitern der Stadt Duisburg warf die Staatsanwaltschaft fahrlässige Tötung und fahrlässige Körperverletzung vor. Von schweren Planungsfehlern war die Rede. Die Verfahren gegen die städtischen Mitarbeiter und einen Lopavent-Beschäftigten wurden im Februar 2019 wegen vermutlich geringer Schuld ohne Auflagen eingestellt.

Die letzten drei Beschuldigten lehnten Einstellung ab

Bei den drei verbliebenen Beschuldigten stand damals eine Einstellung gegen Geldauflage im Raum. Sie lehnten ab. Er wolle nicht auf sein Recht verzichten, freigesprochen zu werden, hatte ein Angeklagter damals als Motivation angegeben. Für die übrigen drei Angeklagten ging es somit weiter - bis vor einigen Wochen das Coronavirus den Zeitplan sprengte.

Nachdem zuletzt am 4. März verhandelt worden war, wurde der Prozess Mitte März unterbrochen, als eine Richterin vorsorglich unter Quarantäne gestellt wurde. Das Gericht verlängerte die Unterbrechung später bis auf weiteres, weil einige Angeklagte, Schöffen und Ergänzungsschöffen zu Corona-Risikogruppen gehörten.

Verjährung stand kurz bevor

Tage später schlug das Gericht vor, den Prozess ganz einzustellen. Bevor steht eine absolute Verjährung für den Tatvorwurf der fahrlässigen Tötung, die nach zehn Jahren mit Ablauf des 27. Juli eintritt. Wegen dieser zeitlichen Beschränkung bestehe nur noch eine sehr geringe Wahrscheinlichkeit, den Sachverhalt „verurteilungsreif“ aufzuklären, so das Gericht im Vorfeld.

Als nächstes stand eigentlich die Einführung des Gutachtens des Sachverständigen Prof. Jürgen Gerlach auf dem Programm. Schriftlich liegt es bereits seit Dezember 2018 allen Beteiligten vor. Das Gericht betonte nun, dass die Kammer die Ergebnisse in ihre Überlegungen zu einer Einstellung einbezogen habe. Außerdem habe der Gutachter dem Gericht erklärt, dass sich durch die Hauptverhandlung keine wesentlichen Änderungen seiner Einschätzungen ergeben hätten.

dpa/kar

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