29 Mal auf Ex-Freundin eingestochen: 59-jähriger Angeklagter sagt aus

hzLandgericht Münster

Ein tödliches Drama hat sich in der Neujahrsnacht in Borken abgespielt. Mit Messerstichen und Würgen soll ein 59-Jähriger seine Ex-Freundin umgebracht haben. Er ist wegen Totschlags angeklagt.

von Klaus Möllers, Horst Andresen

Borken

, 19.07.2020, 18:00 Uhr / Lesedauer: 2 min

Ein Borkener soll in der Silvesternacht seine Ex-Freundin durch Messerstiche und Würgen getötet haben. Beim zweiten Prozesstag vor der Zweiten großen Strafkammer am Landgericht Münster hat der Angeklagte am Freitag über seinen Werdegang und über die Beziehung zum Opfer ausgesagt.

Beim Prozessauftakt Ende Juni war die Anklageschrift verlesen worden.

Es muss sich vor einem halben Jahr ein wahres Gemetzel kurz nach 2 Uhr abgespielt haben. Noch schlimmer: Die gemeinsame sechsjährige Tochter hielt sich nach Erkenntnis der Ermittlungsbehörden in der Wohnung auf. Welche Einzelheiten sie von der Tat mitbekommen hat, ist nicht klar. Das Kind soll sich in familiärer Obhut befinden, hieß es im Vorfeld des Prozesses.

Laut Anklage stach der Beschuldigte 29 Mal auf die Frau ein

Möglicherweise war es ein Eifersuchtsdrama, das sich am frühen Neujahrsmorgen abgespielt hat, möglicherweise eine Tat im Vollrausch. Laut Staatsanwaltschaft stach der Beschuldigte 29 Mal auf seine frühere Freundin ein, erst mit einem zwölf Zentimeter langen Küchenmesser. Als das verbogen war, nahm er ein zweites mit einer 24 Zentimeter langen Klinge.

Der Borkener stacht laut Anklage in den gesamten Oberkörper, Hals und Rücken. Zudem wurden 19 Schnittwunden an den Händen festgestellt. Die Mutter der Sechsjährigen hatte demnach keine Überlebenschance und verstarb noch in ihrem Zuhause. Eineinhalb Stunden nach der Tat wurde bei dem 59-Jährigen nach einer Blutprobe ein Alkoholwert von 2,05 Promille festgestellt.

Täter und Opfer lernten sich als Nachbarn kennen

Der 59-Jährige kannte die sieben Jahre jüngere Frau, wie er erklärte, seit Jahrzehnten als Nachbarin. Nach seiner ersten – gescheiterten – Ehe sei er mit der gebürtigen Polin in Borken zusammengezogen. Die Beziehung habe sich zu einem „Hin und Her“ entwickelt. Der Handwerker befand sich demnach aus gesundheitlichen Gründen bereits im Ruhestand. Die Frau hatte Putzstellen, musste ansonsten aber von Sozialleistungen leben. „Ich habe bei ihr gewohnt, dann hat sie mich rausgeschmissen“, so der Angeklagte. Nach einigen Monaten in einer eigenen Wohnung sei er auf ihren Wunsch hin wieder zu ihr zurückgekehrt. Das sei mehrmals so gelaufen.

Paar soll sich viel gestritten

habenDas Paar habe sich häufig gestritten – unter anderem, weil die Frau „alle vier bis fünf Monate“, so der Angeklagte, „tagelang“ unter Alkoholeinfluss gestanden habe. Er habe „das Zeug“ – Sekt, Prosecco und Schnaps – manchmal weggegossen. Verärgert habe ihn zudem, dass sie „rund um die Uhr mit ihrem Handy beschäftigt“ gewesen sei. „Man konnte sich gar nicht mehr unterhalten“, erklärte der Borkener, der wegen Totschlags angeklagt ist. Sie habe „Nacktfotos“ von sich „an andere Männer geschickt. Da war ich eifersüchtig.“

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Ob der häufige Streit zu der brutalen Tat führte, war am Freitag nicht Thema der Befragung. Aus organisatorischen Gründen musste die Verhandlung nach einer knappen Stunde unterbrochen werden.

  • Weiterverhandelt wird am 27. Juli.
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