300 Menschen gehen in Düsseldorf gegen Polizeigewalt auf die Straße

Demonstration

Eine Woche nach dem umstrittenen Polizeieinsatz gegen einen 15-Jährigen demonstrieren rund 300 Menschen in Düsseldorf. Die Veranstalter hatten eine größere Resonanz erwartet.

Düsseldorf

22.08.2020, 16:53 Uhr / Lesedauer: 2 min
In Düsseldorf haben Menschen gegen Polizeigewalt demonstriert.

In Düsseldorf haben Menschen gegen Polizeigewalt demonstriert. © picture alliance/dpa

Zu einer Demonstration gegen Polizeigewalt in Düsseldorf sind am Samstag etwa 300 Teilnehmer zusammengekommen. Die Polizei wollte offiziell keine Schätzung zur Teilnehmerzahl abgeben. Die Demo sei selbst für den Verkehr weitestgehend störungsfrei verlaufen, wie ein Polizeisprecher sagte. Die Anmelder hatten mit bis zu 5000 Menschen gerechnet. Auch die Behörden hatten sich auf wesentlich mehr Teilnehmer eingestellt und entsprechend viele Einsatzkräfte vor Ort.

Die Teilnehmer versammelten sich am Landtag. Von dort war ein Protestmarsch durch die Innenstadt wieder zurück zum Parlament geplant. Als sich die Demonstration gegen 15 Uhr - eine Stunde später als geplant - in Gang setzte, skandierten die Teilnehmer unter anderem „No Justice, No Peace“ und „Keine Polizeigewalt“. Die Anmelderin der Demo, Karima Benbrahim, betonte, dass es bei dem Protest um jede Form und jeden Vorfall von Polizeigewalt gehe.

Düsseldorf „kein Einzelfall“

Sprecher der Veranstalter forderten von der Politik und Polizei, sich ihrer gesellschaftlichen Verantwortung zu stellen. Polizeigewalt und Rassismus müssten mit aller Entschiedenheit zu bekämpft werden und dagegen öffentlich eine klare Position bezogen werden, erklärte der Verein „Zukunft Plus“ als Veranstalter, der sich für mehr gesellschaftliche Partizipation für Migranten einsetzt.

Vertreter des Vereins betonten, der Düsseldorfer Fall von Polizeigewalt sei „kein Einzelfall“. In vielen deutschen Städten würde besonders gegen Jugendliche mit Migrationshintergrund mit brutaler Polizeigewalt vorgegangen werden.

Die Demonstration bezog sich in ihrem Titel aber auch auf einen Einsatz eine Woche zuvor: Nachdem ein Jugendlicher Polizisten beleidigt und tätlich angegriffen hatte und sich gegen seine Festnahme wehrte, war der 15-Jährige von den Beamten am Boden fixiert worden. Ein Polizist drückte dabei den Kopf des Jugendlichen mit dem Knie auf den Boden. Die Ermittlungen zu dem Vorfall laufen noch. Innenminister Herbert Reul (CDU) hatte am Donnerstag im Innenausschuss dargelegt, dass die Technik grundsätzlich zulässig sei.

Ermittlungen gegen den Polizisten sollen nun klären, ob der Einsatz verhältnismäßig gewesen ist. Aus Neutralitätsgründen übernahm die Polizei Duisburg die Untersuchung. Ermittelt wird auch gegen den 15-Jährigen wegen Beleidigung, tätlichen Angriffs und Widerstands.

dpa

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