Abellio wegen Bahnausfällen im Ruhrgebiet abgemahnt

Coronavirus

Eigentlich sollte der Nahverkehr nach dem Corona-Notfahrplan wieder hochgefahren werden - aber nicht überall klappt das reibungslos. Es fehlen Lokführer - und der Lockdown hat das Problem verschärft.

Gelsenkirchen/Hagen

von dpa, Maximilian Konrad

, 13.05.2020, 18:28 Uhr / Lesedauer: 2 min
Abellio wurde vom Verkehrverbund Rhein-Ruhr abgemahnt.

Abellio wurde vom Verkehrverbund Rhein-Ruhr abgemahnt. © picture alliance/dpa

Wegen erheblicher Zugausfälle auf mehreren Strecken hat der Verkehrsverbund Rhein-Ruhr (VRR) das Eisenbahnunternehmen Abellio abgemahnt. Seit Anfang Mai fallen auf den Linien S3 und RE 49 immer wieder Züge aus, anders als geplant ging eine Verlängerung der Linie S 9 von Bottrop mit Recklinghausen nicht an den Start.

Abellio habe angekündigt, dass es auch auf lange Sicht nicht in der Lage sei die vereinbarten Verträge mit dem VRR auf den Strecken zu erfüllen, bemängelte der VRR. „Aufgrund der Dauer und des Umfangs der verkehrlichen Auswirkungen kann der VRR diese Einschränkungen für die Fahrgäste jedoch nicht mitragen“, hieß es in der Mitteilung am Mittwoch.

Hoher Krankenstand

Das Abellio Management sei aufgefordert, Maßnahmen einzuleiten, die schnellstmöglich zu erkennbaren Verbesserungen führten. Der VRR benannte je nach Linie Fristen von Mitte Juni bis Mitte September, zu denen die Situation sich verbessert haben soll. In der Vergangenheit waren auch andere Eisenbahnunternehmen wegen ähnlicher Mängel abgemahnt worden.

Abellio begründet die Zugausfälle mit fehlenden Lokführern. Sei man im Frühjahr noch optimistisch gewesen, die freien Stellen durch Ausbildung besetzen zu können, sei die Situation durch die Corona-Pandemie umgeschlagen. So konnten mehr als 30 neue Lokführer ihre Qualifizierungen nicht pünktlich abschließen, hinzu kam ein hoher Krankenstand, heißt es in einer Mitteilung.

1700 Zugführer werden fehlen

Personalplanung sei zudem auch durch Corona-Sonderfahrpläne und Baustellen zum Kraftakt geworden. In der Branche herrscht akuter Mangel an Lokführern. Insgesamt werden nach einer Schätzung des Verkehrsministeriums in den kommenden fünf Jahren rund 1700 Zugführer fehlen.

Viele gehen in Rente, außerdem verschärfen immer mehr Züge auf der Schiene und Betreiberwechsel die Situation. „Stillstand in der Ausbildung können sich die Bahnen daher nicht leisten“, hieß es am Mittwoch auch in einer gemeinsamen Mitteilung der Initiative Fokus Bahn NRW. Der Zusammenschluss der Bahnunternehmen im Land wirbt darin für 550 Ausbildungsplätze für Quereinsteiger in den Beruf des Lokführers, für die nun auch wieder neue Bewerber gesucht würden.

Das Unternehmen reagierte wenig später mit einer Pressemitteilung auf die Vorwürfe. Dort heißt es: „Wir sind momentan nicht in der Lage, unseren Fahrgästen einen vollumfänglichen Verkehr anzubieten und können unsere vertraglichen Pflichten in dem Netz nicht zu 100 Prozent erfüllen. Ebenso können wir aktuell nicht die vertraglich vereinbarte Betriebsreserve vorhalten. Die Abmahnung des Verkehrsverbund Rhein-Ruhr (VRR) ist für uns deshalb

nachvollziehbar.“

Anstieg des Personals

Abellio schreibt weiter, dass nun „mit Hochdruck an betrieblichen Konzepten sowie am Recruiting“ gearbeitet wird. Erste Vorschläge seien bereits zur Prüfung beim VRR. Ebenso wird ein Anstieg der Personalverfügbarkeit erwartet. Im Mai sollen zehn Triebfahrzeugführer zum Unternehmen stoßen. Damit soll die Zeit überbrückt werden, in denen die sich aktuell noch in Ausbildung befindenden Zugführer ihre Prüfungen ablegen. Um die Ausbildung zu beschleunigen, holte Abellio zusätzliche Ausbilder von Schwesterunternehmen an den Essener Standort.

dpa

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