Ärzte in Gesundheitsämtern warnen: Notbremse-Schwelle zu hoch

Coronavirus

Bund und Länder haben einen Notfall-Mechanismus festgelegt, um eine zu starke Ausbreitung des Virus rasch stoppen zu können. Doch die Ärzte der Gesundheitsämter kritisieren die Regelung.

Berlin

08.05.2020, 08:01 Uhr / Lesedauer: 1 min
Bei den Gesundheitsämtern herrscht Unruhe wegen der von der Bundesregierung verkündeten Schwelle von 50 Fällen auf 100.000 Einwohner binnen sieben Tagen.

Bei den Gesundheitsämtern herrscht Unruhe wegen der von der Bundesregierung verkündeten Schwelle von 50 Fällen auf 100.000 Einwohner binnen sieben Tagen. © picture alliance/dpa

Berlin. Der Bundesverband der Ärzte des Öffentlichen Gesundheitsdienstes (BVÖGD) hat die von Bund und Ländern vereinbarte Schwelle für die Rücknahme von Lockerungen als zu viel hoch kritisiert. „Wie die Gesundheitsämter damit klar kommen sollen, ist mir ein Rätsel. Das ist nicht zu schaffen“, sagte die Verbandsvorsitzende Ute Teichert. „Die Gesundheitsämter werden ohne dauerhafte Personalunterstützung in die Knie gehen“, betonte sie.

Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) hatte am Mittwoch mit den Ministerpräsidenten der Länder vereinbart, dass die beschlossenen Lockerungen regional dann zurückgenommen werden sollen, wenn sich mehr als 50 Menschen pro 100.000 Einwohner in sieben Tagen neu mit dem Corona-Virus anstecken.

„Die Zahl ist uns schleierhaft, wo sie herkommt“

Auf Nachfrage begründete Merkel die Zahl 50 mit den Kapazitäten der Gesundheitsämter, Quarantänemaßnahmen zu überwachen und die Infektionsketten nachzuverfolgen. Teichert sagte dazu: „Die Zahl 50 ist eine mir nicht bekannte Zahl. Uns ist schleierhaft, wo sie herkommt“.

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Personal wurde aufgestockt

Teichert betonte, die Gesundheitsämter hätten in den vergangenen Wochen die Arbeit nur geschafft, weil das Personal unter anderem durch Medizinstudenten und viele Freiwillige verdrei- bis vervierfacht worden sei. „Und dennoch sind alle Mitarbeiter der Gesundheitsämter in den vergangenen Wochen auf dem Zahnfleisch gekrochen“, sagte sie. Die Aushilfskräfte seien nun teilweise schon wieder weg, weil sie ins Studium oder in ihren eigentlichen Job zurückgekehrt seien.