Albtraum-Vergewaltigung in Herne: Wollte der Täter sein Opfer töten?

hzLandgericht Bochum

Geschlagen, vergewaltigt und beinahe erdrosselt: Vor sechs Monaten ist eine Frau aus Herne Opfer eines brutalen Sexualverbrechens geworden. War es auch ein Mordversuch?

von Werner von Braunschweig

Herne, Bochum

, 21.12.2019, 07:30 Uhr / Lesedauer: 1 min

Im Prozess um eines der brutalsten Sexualverbrechen der letzten Jahre drohen einem 20-jährigen Angeklagten aus Herne sieben Jahre und neun Monate Jugendhaft plus vorbehaltene Sicherungsverwahrung. Diese Strafe für Mordversuch, besonders schwere Vergewaltigung, gefährliche Körperverletzung und Diebstahl hat die Bochumer Staatsanwaltschaft am Freitag beantragt.

Der seit frühester Jugend schon mehrfach wegen Gewaltdelikten verurteilte Angeklagte hatte im Prozess vor der 5. Jugendstrafkammer gleich zu Beginn zugegeben, in der Nacht auf den 5. Mai eine verheiratete Frau (37) nach einer Party-Taxifahrt unter einem Vorwand in ihre Herner Wohnung begleitet, sie dort überwältigt, mit einem Schal gewürgt, gebissen, mehrfach vergewaltigt und bestohlen zu haben.

Mit in die Wohnung gekommen

Täter und Opfer waren zuvor auf dergleichen Party in Herne, kannte sich aber nicht. Als die Frau ein Taxi nehmen wollte, war der 20-Jährige miteingestiegen und hatte vorgegeben, in die gleiche Richtung zu müssen.

Gegen drei Uhr an der Wohnung der 37-jährigen Frau in Herne angekommen, soll der Angeklagte plötzlich mitausgestiegen und hatte gebeten, sein Handy aufladen zu können. Die Frau hatte ihn daraufhin mit zu sich in ihre Wohnung genommen – und dann die wohl schlimmsten Minuten ihres Lebens durchlitten.

Anders als die Staatsanwaltschaft stuft die 5. Jugendstrafkammer die Tat vorläufig allein als besonders schwere Vergewaltigung, gefährliche Körperverletzung und Diebstahl ein. „Wir können nicht mit der erforderlichen Sicherheit einen Tötungsvorsatz unterstellen“, sagte Richterin Isabel Hoffmann. Eine Würdigung des dramatischen Verletzungsbildes bei dem 37-jährigen Opfer werde dadurch aber keinesfalls geschmälert.

Sicherungsverwahrung

Die zu verhängende Strafe sei in jedem Fall „hoch anzusiedeln“, so die Vorsitzende Richterin. Die mögliche Anordnung der vorbehaltenen Sicherungsverwahrung hätte vor allem Auswirkungen für den empfohlenen Strafvollzug in einer sozialtherapeutisch ausgerichteten Justizvollzugsanstalt.

Mitangeklagt ist zudem ein Prügel-Überfall des 20-Jährigen auf einen Nachtschwärmer an einem Essener S-Bahnhof im Juli 2017. Das Urteil am Bochumer Landgericht soll am 7. Januar 2020 verkündet werden.

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