„Als wäre ich ein Tier“: Angeklagter (37) beschwert sich nach Raub über sein Opfer (87)

hzLandgericht Dortmund

Nach einem nächtlichen Raubüberfall auf einen Rentner in Hamm wurde ein 37-Jähriger zu 6 Jahren Haft verurteilt. Davor beschwerte er sich über sein Opfer – und machte den Richtern ein Angebot.

Hamm

, 02.12.2019, 17:30 Uhr / Lesedauer: 2 min

In den frühen Morgenstunden des 8. März war ein maskierter Räuber in die Wohnung eines 87-jährigen Rentners eingedrungen und hatte den Senior im Schlaf überrascht. Nachdem das völlig verängstigte Opfer dem Täter einen Umschlag mit über 2000 Euro Bargeld übergeben hatte, war der Spuk trotzdem noch nicht zu Ende.

Laut Urteil bugsierte der Angeklagte den 87-Jährigen ins Wohnzimmer, schlug ihn dort und forderte ihn zur Herausgabe weiterer Wertgegenstände auf. Erst als er auch noch eine Sammlung mit rund 100 Silbermünzen eingesteckt hatte, war der Täter geflohen.

Plötzlich hatte der 37-Jährige sehr viel Geld

Überführt wird der 37-Jährige durch eine ganze Reihe von Indizien. Zum einen war am Tatort seine DNA gesichert worden. Zum anderen hatte seine damalige Lebensgefährtin sich erinnert, dass der Mann unmittelbar nach dem Raub plötzlich über sehr viel Bargeld verfügte und sie sogar zum Essen einlud. Darüber hinaus war bei der Frau eine Silbermünze gefunden worden, die nachweislich aus der Beute stand. Und nicht zuletzt gibt es den Brief eines anonymen Hinweisgebers, der die Polizei wissen ließ, der 37-Jährige sei der Täter.

Trotzdem hatte der Angeklagte die Tat bis zuletzt geleugnet. Er will von einem ominösen „Toni“ die Münzen zum Weiterverkauf angeboten bekommen haben. Er sei also nicht der Stehler, sondern der Hehler gewesen, sagte er.

Angeklagter bot Richter einen Handel an

In seinem sogenannten letzten Wort vor der Urteilsbegründung zog der 37-Jährige dann am Montag über das Opfer des brutalen Raubüberfalls her. „Er hat mich hingestellt, als wäre ich ein Tier“, beklagte er sich. „Ich weiß auch nicht, was mit dem Typen los ist.“ Und dann wandte er sich auch noch direkt an die Richter: „Ich kann ihnen sagen, ich bringe ihnen den, der das wirklich gemacht hat. Und wenn ich das nicht kann, dann machen das meine Freunde.“

Der 87-jährige Rentner ist seit dem Überfall völlig verängstigt. „Der Mann hat mich zum Krüppel gemacht“, hatte er in seiner Zeugenvernehmung immer wieder gesagt. Damit meinte er weniger die körperlichen Folgen als die psychischen. Seit März hat der 87-Jährige eigenen Angaben zufolge keine Nacht mehr durchgeschlafen. „Ich wache jede Stunde auf, laufe durch die Wohnung und muss mich vergewissern, dass keiner da ist.“

Lesen Sie jetzt